Donnerstag, Dezember 28, 2006

"Schatz, nur noch ein letztes...."


"Wieso könnt ihr Männer eigentlich nicht zwischendurch mal ein Wasser bestellen? Müsst ihr immer gleich beim Bier, Wein oder Schnaps bleiben? Könnt ihr bei einer Feier nicht mal nach zwei Bierchen auf nicht-alkoholische Getränke wechseln?" Einige interessante Fragen, vorgebracht von meiner Freundin, bei der diesjährigen Familien-Weihnachtsfeier.

Ja wieso eigentlich neigen Männer zum übermässigen Alkoholkonsum? Frauen hingegen in der Regel eher weniger. Gut nicht in jedem Land halten sich die Frauen beim "Rauschtrinken" gleichermassen zurück, aber denoch die Männer sind deutlich in der Überzahl was das anbelangt.
So waren es meistens berühmte Männer die durch übermässigen Alkoholkonsum auffielen z.B. Ernest Hemingway, Paul Gascoigne und natürlich der unvermeintliche Harald Juhnke.
Die Gründe, dass vorallem die Männer zum dritten, vierten oder fünften Bier neigen, sind vielschichtig.
Persönlich stelle ich fest, dass die legendärsten Feiern und Feste, die ich erlebt habe, von einem durchaus nicht geringen Durst aller Beteiligten geprägt waren. Wenn man so zurückdenkt wären wohl einige unvergessliche Aktionen ohne einige alkoholische Getränke kaum geschehen. Wer hält schon eine Rede an das versammelte "WM Kneipen-Volk" auf einer Bartheke in Hannover oder wer läuft schon unsicheren Schrittes, mit Bayern Kutte an, geradewegs in eine Dortmunder Hooligan Kolonne hinein? Für diese Aktionen waren leicht angeheiterte Kollegen verantwortlich. Selber kann man es sich aber im nüchternen Zustand auch kaum erklären, dass man vor einigen Jahren an einem Ski Weltcup Rennen im Berner Oberland, zusammen mit einigen Freunden, einfach eine mobile Biertheke auseindergeschraubt und mitgenommen hat. Ein englischer Mitarbeiter, des dänischen Bierunternehmes, konnte uns gerade noch am Bahnhof abfangen. Wir gaben das Ding wiederwillig wieder in seinen Besitz über. Mit einem kräfitgen "God shave the Queen" wurde der, sich kaputt lachende, Brite von uns verabschiedet.


Aber der Alkohol diente auch immer als Kontaktbörse. So tragisch es ist, aber wohl die wenigsten haben ihren jeweiligen Partner in völlig nüchternem Zustand kennengelernt. Klar gab es, am darauffolgenden Tag, teilweise auch ein böses Erwachen. Falls sich die vermeintliche Disco-Schönheit doch eher als Landpomeranze mit einer leichten Neigung zum Übergewicht herausstellte, aber meistens erwies sich der Alkohol als guter "Verkuppler".
Manchmal kann dessen Genuss auch das spätere Leben erheblich verändern, wie es Franz Beckenbauer an der WM zum Ausdruck brachte: "Wilfremde Menschen haben auf den Fanmeilen zusammen gefeiert. Was dabei herauskommt, werden wir in einigen Fällen in neun Monaten erfahren".
Eins steht fest, mit Light-Bier wäre ein solcher Bevölkerungszuwachs wohl kaum vorstellbar gewesen.
Eine Studie besagt auch, dass die meisten Jobs beim einem gemüchtlichen Glas Wein oder Bier vergeben werden. Die "Nicht-Trinker" sind somit im totalen Nachteil gegenüber den Trinkern.
Sprücheklopfer und Trainer Max Merkel liess vor einigen Jahren die Öffentlichkeit wissen "Im Training hab ich mal die Alkoholiker gegen die Anti-Alkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da wars mir Wurscht. Da hab i g'sagt:Saufts weiter". Diese Worte zeigen, dass es nicht nur in der Arbeitswelt sondern auch im Sport einen gewissen Vorteil auf Seiten der Trinker gibt.

Überhaupt waren die Abstinenzler die ich in meinem Leben getroffen habe,mit einigen wenigen Ausnahmen, eher langweilige Zeitgenosse. Der Mitarbeiter, der alle fünf Minuten von seiner Frau angerufen wurde "Ja mein Liebling, klar erledige ich das noch. Nein, kein Problem 10 Minuten bleiben mir heute Abend noch für den Grosseinkauf." Kein Problem wenn du keine Zeit mehr hast, aufgrund deines wichtigen Kaffeekränzchens". Ganz und gar unsympathisch war mir auch ein Vorgesetzter bei der Armee. Der asketisch lebende Mann erwartete auch alkoholische Enthaltsamkeit von seinen Soldaten. Da sich keiner daran hielt, liess er zur Strafe seine Leute ungesichert über 5 Meter Schluchten abseilen, bis einer fast im Rollstuhl landete.
Überhaupt gab oder gibt es auch in der Weltgeschichte einige überaus unsympathische Abstinenzler z.b der Anti-Alkoholiker Adolf Hitler oder der jetztige amerikanische Präsident (der soll ja angeblich früher extrem gesoffen haben, aber seine gesamte Präsidentschaft verbrachte er als trockener Alkoholiker das sagt wohl alles).
Um nochmals auf die Frauen zurück zu kommen. Eigentlich können sie also froh sein, trinken wir ab und zu ein Glas über den Durst. Vielleicht wären unsere Frauen oder Freundinnen sonst gar nie auf uns getroffen. Unter Umständen wären wir, statt beim Dorffest oder der Stammkneipe, ja in der örtlichen Bibliothek gesessen.

Dies alles soll nun natürlich keine Verharmlosung der Droge Alkohol sein. Dieses Suchtmittel kann natürlich zu Gewalt, Verletzungen oder gar zum Tod führen. Vielleicht wären auch einige eher "unüberlegte" Sachen im nüchternen Zustand nicht passiert, ähmm Schade über dies oder jenes.

Viel schöner als jeder Absturz ist und bleibt aber immer noch das Joggen durch einen Wald. Im Winter hört man das Knirschen des Schnees unter seinen Füssen und die Sonne strahlt durch die Äste. Nicht jeder wird das jetzt nachvollziehen können, aber es ist so.
Auch viel schöner ist im Übrigen der Torjubel bei einem entscheidenden Treffer seiner Lieblingsmannschaft. Das hingegen können wohl die meisten nachvollziehen.
Nochmals an die Adresse unserer Frauen. Es gibt noch viele weitere schönere Beschäftigungen als das Trinken, aber manchmal gehört es für uns Männer einfach dazu, wie z.b. für euch das Einkaufen.

Samstag, Dezember 23, 2006

Märchenkarriere


Der Mensch-Der Trainer-Der Spieler. Mit diesen Schlagwörtern begrüsst uns Ciraco Sforza auf seiner Homepage. Unter dem Punkt Aktuelles schreibt das ehemalige Ausnahmetalent sogar direkt an seine Anhänger.
"Hallo Fans, es war eine erfolgreiche Hinrunde. Ciris erste Trainerstation lässt die Fans auf mehr hoffen."

Nun ist der ehemalige Weltklassespieler also bereits ein halbes Jahr Coach beim FC Luzern. Seine atemberaubende Karriere nimmt, nun also auf der Trainerbank, seinen unausweichlichen Fortgang. Die Innerschweizer, die unter Sforzas Vorgänger nur mit Ach und Krach den Wiederaufstieg in die höchste Liga schafften, überwintern auf einem sensationenellen siebten Platz. Kein Wunder hat schon die halbe Bundesliga bei Ciriaco Sforza angeklopft. Nur zu verständlich vermissen ihn die Deutschen, den symphatischen,volksnahen und charakterlich einwandfreien Ausnahmekönner aus der Schweiz, hat er doch die weltbeste Liga fast 13 Jahre mit seinem Sahne Fussball verzaubert. Sforza wiegelt natürlich in seiner bescheidenen Art ab: "Der FC Luzern ist eine langfristige Aufgabe und er könne es sich durchaus vorstellen seine Karriere in der Stadt am Vierwaldstättersee auch zu beenden." Dieser Statement ist typisch für den Menschen Ciraco Sforza. Vereinstreue und die enge Verbundenheit zum jeweiligen Club, ja das waren schon immer die Eckpfeiler der Karriere des Aargauers.

Nach seinem ersten Engagement beim 1.FC Kaiserslautern ab 1993, verliess er die Pfälzer 1995 nur unfreiwillig. Der FC Bayern bot eine solch horrende Ablösesumme, dass seine geliebten Lauterer zu Uli's Millionen nicht mehr Nein sagen konnten. In München wurde er von Otto Rehhagel als sein "Quaterback" vorgestellt. Es sollte eine fantastische Saison werden, die nur durch den zweiten Platz, hinter den damals fast unbezwingbaren Dortmundern, getrübt wurde. Sforza wurde schnell Publikumsliebling in München und holte praktisch im Alleingang den Uefa Pokal in die bayrische Landeshauptstadt. Er wurde nun auch zum Medienstar. In seinem Heimatland war er schon lange für seinen unvegleichlichen Wortwitz bekannt. Legendär wie er immer wieder vor jedem Satz ein "wie xait" einschob. Man lachte bis sich die Balken bogen. In Deutschland fiel er in dieser Hinsicht auf, als er gekonnt den Scherz eines Fernsehteams mitspielte, und sich in einer Art "Verstehen Sie Spass??" einem inzenierten Wechsel zu Inter Mailand nicht abgeneigt zeigte. Welch Ironie des Schickals, dass gerade dieser Verein ihn wenig später in die Lombardei locken sollte. München weinte, man hatte einen grossen Fussballer verloren. Sforza entschied sich für einmal ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer, denn er wollte im Heimatland seiner Eltern einen neuen Fussball kennen lernen.

Zu dieser Zeit hatte er gerade seine erste schwierige Zeit im Nationalteam hinter sich. Nach einer fantastischen WM in den USA ,als er der Weltöffentlichkeit das erste Mal so richtig auffiel, fiel das Team einige Jahre später in eine schwere Krise. Nach einer peinlichen 1:0 Niederlage gegen Asberbeidschan nahm er die alleinige Schuld auf sich und erklärte, noch auf dem Flug zurück in die Schweiz, seinen Rücktritt. Nach einer unvergleichlichen Medienkampagne, die man in dieser Form in unserem kleinen Land noch nie erlebt hatte, kehrte Sforza aber vielumjubelt bereits beim nächsten Spiel in die "Nati" zurück.

Bei seinem Verein in Italien lief es zu dieser Zeit auch nich sonderlich gut, obwohl wieder "Everbody's Darling" war er unzufrieden in Mailand. Er wollte aber kämpfen und spielte, uneigenützig sogar mit Verletzungen und konnte daher nicht sein ganzes Können aufblitzen lassen. Aber auch 75 Prozent Sforza reichten um eine Stadt in einem depressionsartigen Zustand zurückzulassen, denn es rief wiederum seine geliebte Pfalz.

Trotz Angeboten von sämtlichen europäischen Spitzenklubs entschied Sforza mit seinem grossen Herzen und kehrte zum gerade wieder aufgestiegenen Kaiserslautern zurück. Hier geschah dann so etwas wie das 8.Fussball-Weltwunder, dank Sforza und König Otto Rehhagel wurde man prompt Meister in der darauffolgenden Saison. Danach folgten zwei fünfte Plätze und Sforza, der sich immer auch als Vertreter des einfachen Volkes sah, forderte wie auch die Fans mehr Verstärkungen für den Provinzverein. Ein Streit, mit seinem väterlichen Freund Otto Rehhagel, führte dann zur abermaligen Trennung von den Pfälzern.

"Sforza, hau ab us Müenche", diese Worte eines Bayern Fans in Richtung Sforza, bei einem Länderspiel in St.Gallen, ekelten mich richtiggehend an. Der Frustrierte hatte wohl den ersten Abgang des Münchner Publikumsliebling noch nicht richtig verdaut. Dieser Anhänger war aber eine schändliche Ausnahme. Ganz München war im "Sforza Fieber" nachdem er für 12 Millionen Mark wieder zum Rekordmeister gewechselt war. Der beste Mittelfeldspieler der Welt, er selbst sah sich bescheiden immer nur als "einen der besten Mittelfeldspieler der Welt"a.d.R., war wieder in die bayrische Landeshauptstadt zurückgekehrt. Es wurde, wie es Sforza später selber sagen sollte, "ein gigantisches Jahr". Unter der Regie der Nummer 10 aus der Schweiz, gewann man Meisterschaft und Champions League. Nie werde ich vergessen wie sich Ciri, nach dem Gewinn des wichtigsten europäischen Titels, die Zeit genommen hat mit einem italienischen Polizisten zu sprechen, währenddesen seine Teamkollegen den Titel im Giuseppe Meazza Stadion feierten. Aber so ist er halt der Ciriaco Sforza.
Im folgenden Jahr lief es nicht mehr so gut in München. Sforza passte nicht mehr ins Konzept von Ottmar Hitzfeld. Vermutungen sind heute noch da, dass der Trainer eifersüchtig war auf die grosse Beliebtheit des Schweizers. Der Protest der Bayern Fans, gegen diese Massnahme von Hitzfeld, ging sehr weit. Das zuvor hunderttausendfach verkaufte Trikot mit der Nummer 10 blieb einfach in den Regalen liegen. Das spürte natürlich die Klubkasse und so zeigten die Anhänger indirekt ihre Verbundenheit mit ihrem Mittelfeld Regisseur. Trotz reduzierten Preisen hingen Ende Saison nur noch die Trikots von Sforza und jenes des unspektakulären Michael Tarnat in den Fanshops. Alle Verbundenheit mit dem Publikumsliebling nützte alledings nichts. Sforza musste die Bayern wieder verlassen

In der Nationalmannschaft hatten leider nur die wenigsten Spieler annähernd das spielerische Niveau von Ciriaco Sforza. Die Westschweizer Fraktion des Teams ekelte Sforza richtiggehend aus der Mannschaft. Wahrscheinlich war auch wieder Eifersucht die Antriebsfeder. Köbi Kuhn liess sich von Johann Vogel und Co. sehr beinflussen und bot, zum Leidwesen einer ganzen Nation, Ciraco Sforza nicht mehr auf. Das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere obwohl er, bei jeder kleinen Krise des Teams, von der Schweizer Öffentlichkeit wieder gefordert wurde.

Auf Vereinsebene sollte er nun für den 1.FC Kaiserslautern sprichwörtlich wieder einmal "den Karren aus dem Dreck ziehen". Im Alleingang brachte er die Mannschaft, vom letzten Platz weg, wieder ins gesicherte Mittelfeld. Sein drittes Engagment bei den Pfälzern verdient umso mehr Hochachtung, wenn man bedenkt das Sforza auch ein Angebot des internationlen Top Vereins VFL Wolfsburg vorlag.
In Kaiserslautern blühte er wieder richtig auf und so kam auch sein komödiantisches Talent wieder zum Vorschein mit Sätzen wie "Wir haben zwei unkonzentrierte Fehler gemacht" hatte er die Lacher wieder auf seiner Seite. Leider endete sein letze Zeit bei Lautern unschön. Der ehemalige "Hütchen-Aufsteller" von Ottmar Hitzfeld wurde sein Trainer. Michael Henke hatte natürlich nicht annähend das gleiche taktische Wissen eines Ciraco Sforzas, dies führte zwangsläufig zum Zwist zwischen den beiden. Kaiserslautern stieg darauf hin, ohne den zum Zuschauen verdammten Weltklassespieler, sang und klanglos ab. Der Abstieg war natürlich nur die logische Folge einer Rückrunde ohne das Genie eines Ciriaco Sforza.

Sforza beendete daraufhin trotz dutzender Angebote seiner Karriere. Es wurde für den "Grand Signeur" des europäischen Fussballs langsam Zeit eine grosse Trainerlaufbahn zu lancieren.

und wenn er nicht gestorben ist lebt er noch heute.

Donnerstag, Dezember 21, 2006

"das ganze Stadion hüpft"



Seit fast achtzig Jahre steht es nun schon, das Stadion Tivoli in Aachen. Es ist sowas wie der heimliche Stolz der Karneval Stadt am Dreiländer-Dreieck Belgien-Holland-Deutschland.
Das überhaupt schon ereingnisreiche Jahr 2006 brachte diesem Stadion, und somit auch dem örtlichen Fussballverein, zum Abschluss noch ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Der deutsche Rekord-Pokalsieger FC Bayern München, gab sich heute beim Achtelfinale eben jenes Wettbewerbes die Ehre.

Auf der Intenet-Seite von Alemannia Aachen stand es klar und deutlich. Das letzte Mal wird an diesem Spieltag "wildes Parkieren" geduldet, ab dem 1.1.07 wird jeder Parksünder gebüsst.
Wir mussten allerdings nicht vom "wilden Parkieren" gebraucht machen und parkten unser Auto bei einem grösseren Möbelhändler in unmittelbarer Nähe des Stadions.
Eindrücklich schon von aussen das wunderschöne Stadion mit seinen alten Flutlichtmasten, die hell in die kalte Dezembernacht leuchteten. Drinnen stieg die Begeisterung noch an. Fernab der "WM 2006 Architektur", die bei vielen Bundesliga Vereinen in den letzten Jahren Einzug gehalten hat, finden wir hier ein Stadion aus alten Zeiten vor. Nur die Haupttribüne ist mit Sitzplätzen ausgestattet, der restliche Teil besteht aus Stehplätzen.
Die Heimstätte der Alemannia Aachen will so gar nicht in die heutige Fussball-Zeit passen.

Lecker, tiefgefrorene Krakauer Wurst und "Hmmm"eiskaltes alkoholfreies Bier bot die Gastronomie im Gästeblock an. So vertrieb man sich die Wartezeit auf das Pokalsspiel mit Bekämpfung des Unwohlseins in der Magengegend. Vorteilhafterweise wurde dieser "Brechreiz" nicht noch durch weihnachtliche Gassenhauer von irgendwelchen englischen Boybands unterstützt. Der Stadionsprecher weiss wohl hier was ein Zuschauer hören möchte, der sich auf ein Pokalfight unter Flutlicht freut. Weihnachten hin oder her.

Als die beiden Kapitäne mit ihren Mannschaften den Platz betreten, dröhnt Axel Rose und sein "live and let die" durch die Stadionboxen. Das erste Mal zeigt das Aachener Publikum dem Gästeblock, dass wohl alle Gesangsversuche aus dem Münchner Block ungehört bleiben werden. Der rheinische Bayern Fan mit den hübschen Zahnlücken, der vor dem Spiel zu seinem Kumpel hinüber schrie "Hier regiert der FC B", schaute jedenfalls schon ziemlich desilusioniert drein. Überhaupt ist die Stimmung im Gästeblock eher weihnachtlich besinnlich oder dann vorweihnachtlich gestresst. Ein angetrunkener Fan mit Freundin im Schlepptau kämpft sich seinen Weg, mit Faustschlägen in das Antlitz von anderen Zuschauern, frei.

Das Spiel beginnt und es wird wie es der KICKER wohl schreiben würde "ein flottes Spiel". Schön früh hätte die Entscheidung für den amtierenden Pokalsieger fallen müssen, aber wie merkte der ehemalige Bayern Stürmer Jügen Wegmann vor Jahren schon an:"erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu". Das Pech diesmal in Form eines wunderschönen Freistosstores durch den Rumänen Reghecampf der danach in der ersten Halbzeit, nach einem Sololauf durch die bayrische Verteidigung, nochmals zuschlug. Man kann sich vorstellen, dass sich das Tivoli Stadion nun endgültig in ein Tollhaus verwandelte. "Das ganze Stadion hüpft, das ganze Stadion hüpft" singen oder schreien die ausgelassenen Aachener nun, und wirklich das GANZE Stadion hüpft inkl.Hauptribüne. Ein euphorischer Fan steigt den Stadionzaun hoch und präsentiert herablassend seinen Alemannia Pullover in Richtung Gästeblock. Als Ebbers in der 44.Minute auch noch das 3:0 erzielt, gehe ich in Gedanken schon durch was den bis zum heutigen Tage die höchste Pokal Niederlage der Bayern war.
Ein 5:1 wie gegen den 1.FC Köln im Jahre 1972, sollte es dann aber doch nicht werden. Lukas Podolski schoss kurz nach seiner Einwechslung das 3:1 und als van Bommel auch noch den Anschlusstreffer schafft wird mancher Aachener Spieler und Zuschauer doch noch nervös. Wütende Angriffe der Bayern nützten allerdings nichts mehr und Schlaudraff, nach einem Alleingang, netzte zum eintscheidenden 4:2 ein.
Natürlich wieder das ganze Stadion am hüpfen, als Bayern Fan wollte man hingegen trotz beeindruckender Stimmung nur noch weg.

So ging es die 650 Kilometer, am Michael Schumacher Kart Center, Nürburgring und Hockenheimring vorbei, in Formel 1 Tempo wieder zurück in die Schweiz.



DFB Pokal Achtelfinale
20.12.2006
Stadion Tivoli
Alemannia Aachen : FC Bayern München 4--2
20'800 (ausverkauft)

Sonntag, Dezember 17, 2006

ärmelloses Onkelz Shirt

Alle Jahre wieder ist es soweit, genau so unvermeidlich wie die vier Adventssonntage, die Firmen-Weihnachtsfeier steht an. Dieser Anlass wird von den CEO's,Verwaltungsräten und sonstigen Chefs unserer Welt lanciert, um das Arbeitsjahr ausklingen zu lassen. Die Mitarbeiter sollen sich so für einmal, im festlichen Rahmen ausserhalb des stieren Arbeitsalltags, in lockern Gesprächen unterhalten können.
Wirkliche Freude kommt allerdings bei den wenigsten Angestellten auf, wenn die unausweichliche Feier näher rückt. Seltsamerweise sind jedes Jahr in etwa die selben Mitarbeiter anwesend und komischerweise die selben Kollegen "leider" verhindert.

Seit dem Jahre 1996, als ich aus der Schulhausroutine herausgerissen wurde und mich aufeinmal wieder im harten Leben eines Lehrlings wiederfand, "darf" nun auch ich an dieser alljährlichen Festivität teilnehmen.

Das erste Mal, also die erste Firmen-Weihnachtsfeier natürlich, war der reine Horror. Meine Lehrlingskollegen und ich mussten schon 2 Stunden vor der eigentlichen Feier im Saal erscheinen und den ganzen Raum schön festlich schmücken. Während der Feier hatte ich das verantwortungsvolle Amt des Vorhangziehers. Eine halbe Stunde durfte ich dem Blablabla eines, mir sowieso schon unsymphatischen, Geschäftsführers eines Tochterunternehmens zuhören, während ich hinter der Bühne auf einen schwarzen Vorhang starren musste.
Sowieso diese Reden an den Weihnachtsfeiern sind eine Sache für sich. Peinlich wirds immer dann, wenn schon ein wenig Wein im Spiel ist und einem der Tischnachbar immer mit irgendwelchen Grimassen zum Lachen bringen will. Man stelle sich vor, der Chef spricht gerade mit gesenkter Stimme vom nicht erreichten Umsatz des letzen Jahres und man kriegt vor versammelter Gesellschaft einen Lachanfall.
Beim Alkohol gilt die Devise, lieber ein Glas weniger als ein Glas mehr. Dies sollte landauf und landab mittlerweile ja bekannt sind. Jedes Jahr gibt es allerdings wieder Spezialisten die sich zum wochenlangen Büro-Klatsch Thema machen, indem sie das eine oder andere Glas über den Durst trinken.
Mir persönlich gelang dieses Malheur allerdings auch einmal. Nachdem ich mich nach der Firmen-Weihnachtsfeier engumschlungen mit einer Arbeitskollegin auf dem Parkplatz einer Disco befand, war es damals nicht gerade von Vorteil, dass sich einige Mitarbeiter gerade auf dem Weg zu ihrem Auto befanden. Zumal die Kollegin nicht gerade den besten Ruf genoss.
Dies sollte allerdings eine Jugendsünde bleiben und das letzte Mal wo ich mich mit einer Mitarbeiterin und das auch noch an einer Weihnachtsfeier einlassen sollte. Danach überliess ich das Feld der Peinlichkeiten wieder meinen Kollegen.
Der absolute Klassiker in dieser Hinsicht passierte ein paar Jahre später, als es ein betrunkener Lehrling tatsächlich schaffe sich im Auto seines Chefs zu übergeben. Natürlich schön über die Auto-Armaturen. Logischerweise war der Übeltäter nicht mehr im Stande sein Erbrochenes zu entfernen. Das blieb an seinem Vorgesetzten hängen. Nun kann sich jeder vorstellen, dass der Spruch "Lehrjahre sind harte Jahre" für diesen armen Kerl nun eine ganz andere Bedeutung bekam.
Überhaupt scheint vorallem von den Auszubildenden die meiste Gefahr für peinliche Ausrutscher auszugehen, dies mag vorallem am kostenlosen Alkohol Konsum liegen. So passierte es uns in jungen Jahren auch schon, dass unser Chef dem Servierpersonal die Anordnung gab den Weinnachschub an unsern Tisch zu unterbrechen. Somit war die nächste goldene Regel für künfige Weihnachtsfeiern auch klar. Nie einen Tisch im direkten Blickfelds des Chefs auswählen.

Seit einigen Jahren arbeite ich nun in einem grösseren Unternehmen. Dies macht die Sache mit der Weihnachtsfeier insofern spannender, weil man nicht mehr jeden Mitarbeiter kennt und die ganze Angelegenheit im grösseren Rahmen stattfindet.
So trifft von Jahr zu Jahr wieder die höchste Chefetage mit Anzug und Krawatte ausgestattet auf den langhaarigen Lagerarbeiter im ärmellosen Böhse Onkelz T-Shirt. Gern gesehen auch diejenigen Mitarbeiter, die mit zunehmendem Alkoholkonsum, ihre Tätowierungen den Anwesenden präsentieren möchten. Herrliche Bilder wie nur der eine Ärmel des Shirts hochkemprelt ist, darunter guckt meistens eine typische Teenager Tätowierung hervor z.b. ein Kreuz,Stacheldraht etc.. Stolz zeigen sie so, was sie ausserhalb des Arbeits Alltags sonst noch im Laufe des Jahres bewerksteligt haben.

Die Firmen-Weihnachtsfeier für dieses Jahr ist überstanden. Morgens um vier Uhr war ich Zuhause und eins ist klar, nächstes Jahr bin ich wieder dabei allerdings wie immer ohne ärmelloses Böhse Onkelz Shirt.

Dienstag, Dezember 12, 2006

"Mister Germany"



"Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön!" Wenn mir irgendwo, wie vor diesem Heimspiel gegen Cottbus, dieser unsägliche Ballermann Hit in die Gehörgänge dröhnt, ist meistens der Lorenz nicht weit. Momentan ist dieser Song sein Favorit, was deutsche Stimmungsmusik anbelangt, aber das wird sich legen und in ein paar Wochen ist es dann vielleicht der neuste "Apres Ski Hit" von Peter Wackel oder Jürgen Drews.
Ich will heute über Lorenz schreiben, eines jener Orginale in den Fussballstadien die aber leider immer weniger werden. Er ist Bayern Fan, wie ihr unschwer am obigen Bild erkennen könnt, seit Jahren Dauerkarten-Besitzer in der Südkuve und auch auswärts ist er nicht wenig anzutreffen. Er ist einer jener Fans die nix auf den FC Bayern kommen lassen. Wahrscheinlich ist dieser Verein sein Leben zumindest ein grosser Teil davon.

Das Spiel ist mies. Die Stimmung auch mal wieder. Lorenz nervt sich ein wenig über seinen Nachbarn, der als "einsamer Rufer im Walde",die Absetzung des Bayern Trainers fordert.
Lorenz bleibt aber wie immer ruhig, mit Gewalt hat er sowieso nix am Hut.

Das Unterstützen der Mannschaft und das Feiern vor und nach dem Spiel, das sind seine Gründe für die Reisen durch ganz Deutschland. Am liebsten verfolgt er die Auswärtsspiele im Ruhrpott, weil dann gehts danach immer in seine geliebte Düsseldorfer Altstadt. In seiner Stammkneipe strahlt die Chefin jeweils wie ein Marienkäfer, wenn Lorenz das Lokal betritt. Sie weiss, die Weihnachtsgeschenke für die Kinder sind gesichert, denn Lorenz kann feiern und verträgt auch das eine oder ander Alt-Bier.
Es gibt viele Geschichten über den Lorenz, die mittlerweile schon legendär geworden sind. Einmal wurde er nach der Ski WM in St.Anton von der österreichischen Polizei am Autobahn-Zoll bei Lindau???zu Fuss??? aufgegriffen und mit dem Taxi nach Hause geschickt oder wie er einmal in München das Olympiastadion schon bei Halbzeit verlassen wollte. Er ging davon aus das Spiel sei fertig, das Rauchen einer komischen "Zigarette" ,mit irgendwelchen Nordamerikaner, war wohl schuld an dieser falschen Vermutung.

Das Spiel ist schlecht aber Bayern hat Glück.Der Cottbuser Torhüter Tomislav Piplica sehnt sich wieder eimal nach einem Auftritt bei Stefan Raab und schenkt Bastian Schweinsteiger das 1:0.
Lorenz strahlt in seinem roten Bayern Trikot mit der Nummer 26 von Sebastian Deisler.

Neben dem FC Bayern hat Lorenz eine weitere grosse Leidenschaft. Deutschland. Obwohl eigentlich Schweizer Staatsbürger, ist er für mich der typische Deutsche und das meine ich keineswegs negativ. Er weiss fast alles über dieses Land. Sein Allgemein-Wissen über Deutschland ist mit Bestimmheit grösser, als das einer gesamten Cottbuser Abi Abschlusslklasse. Manch ein Bundestagsabgeordneter hat in der deutschen Politik wohl den weit weniger grossen Durchblick als der gebürtige St.Galler Lorenz.
Gelitten hat er an jenem 4.Juli 2006, wie wahrscheinlich kaum ein anderer in seinem Lieblingsland. Ihn nervt diese Niederlage gegen Italien immer noch, was ich manchmal nicht so verstehe, aber so ist er unser Lorenz. Irgendwann vor zwei Wochen inmitten eines Gespräches meinter er wieder völlig aus der Luft gegriffen "die cheibe Italiener, wieso händs no müese 2 Goal schüsse". Tja....

2.Halbzeit: Cottbus schafft das 1:1. Stimmung ist immer noch eher mies, sie wird nur ein wenig besser, weil Tomislav Piplica mit seinem lustigen "Müllmänner-Trikot" den Spot der Südkurve auf sich zieht.(Nix gegen Müllmänner, aber sah echt beschissen aus)

Lorenz zittert mit, wirds noch was mit dem Sieg? "Mal ein Bierchen organisieren"meint er. Meistens ist dafür Günther zuständig. Sein "Stift", ihn führt er seit ca. 2 Jahren in die Gepflogenheit der Fussball Reisen ein. Zuverlässig und konstant fahren sie jeden zweiten Samstag mit dem günstigen Wochenend Ticket der Deutschen Bahn nach München. Hier im Zug kennt ihn jeder, sogar von Zivil-Polizisten wird er freundlich begrüsst.

Endlich, das Gewurstel hat doch noch ein postives Ende gefunden. 2:1 für den FC Bayern!

"Du hast die Haare schön, Du hast die Haare schön". Lorenz zieht zusammen mit Günther wieder Richtung Münchner Hauptbahnhof, wo noch das eine oder ander Reise-Bier eingekauft wird. Im Zug kennt ihn natürlich wieder fast jeder um ca. 0.00 werden sie wieder in St.Gallen eintreffen.

Ein normaler Heimspiel-Samstag für den Lorenz.

FC Bayern München : FC Energie Cottbus 2:1
09.12.2006
1.Bundesliga
Fröttmaninger Arena
69'000 Zuschauer

Samstag, Dezember 09, 2006

Die Fussball spielende Koffein-Überdosis!


In der letzten Woche fand ich beim Durchblättern eines deutschen Fussball Magazins einen interessanten Artikel über Ludovic Magnin. Erst dachte ich mir, wieso bringen die gerade jetzt einen Artikel über den Magnin? Bekanntermassen wurde Ludovic, nachdem er sich selber schon vor den Toren der ewigen Stadt gesehen hatte, von Trainer Armin Veh so ziemlich aussortiert und darf sich von der Ersatzbank ansehen wie seine Mitspieler von Erfolg zu Erfolg eilen.
Der Artikel hatte aber weniger mit den Erfogen des VFB zu tun, sondern eher etwas mit Joe Cocker. Joe Cocker? Ja genau Joe Cocker und so abwegig ist dieser Vergleich von Ludovic mit der Woodstock Legende gar nicht. Genau wie der Sänger mit seinen unvergleichlichen Bewegungen, kann sich Magnin auch nie ruhig halten. Immer zuckt und zappelt der Ludovic. Persönlich bemerkte ich natürlich auch schon, dass unser Nationalspieler einen speziellen Bewegungsablauf an den Tag legt. Aufgrund seiner defensiven Schwächen dachte ich aber immer das sei eher ein Zeichen von Unsicherheit oder Nervosität. In Wirklichkeit erfuhr ich in diesem Artikel, dass der unbändige Bewegungsdrang von einem plötzlichen Wachstumschub in Magnins Jugend herstammt. Ludovic ist also so etwas wie ein Fussball spielender Energy Drink oder auch eine Fussball spielende Koffein-Überdosis.
Die Sache mit dem "Zappelphilipp" ist nur eine weiteres Merkmal was Magnin vom ,durschnittlich langweiligen, Fussballprofi der heutigen Zeit abhebt. Sowieso ist er eh schon lange Kult bei uns im Kollegenkreis. Spätenstens seit jener Sommernacht in Torshavn, als er nach einem gewonnen WM-Quali Spiel die örtliche Discothek unsicher machte. Jedenfalls legte er auf dem Tanzparkett eine Darbietung hin die in locker in die Endausscheidung der Sat.1 "Sinnlos Casting-Show" You Can Dance! gebracht hätte. Ein weiteres Mal sichteten wir unseren Fred Astaire und seine Kollegen aus dem Nationalmannschaftskreis in einem Tanzlokal in Dublin. Sowieso scheint Ludovic auch in der Landesauswahl einen legendären Ruf zu geniesen. Der fast schon verzweifelte "Ludovic, nicht schon wieder, wie damals in Tel Aviv" Ruf von Patrick Müller durch die Disco auf den Färör, belegt wohl diese Tatsache. Wollen wir jedoch den Mantel des Schweigens über den Grund dieses Müller'ischen Ausspruchs legen.
Da wir bekanntermassen in einem sehr kleinen Land leben und sich ja fast jeder irgendwie über ein paar Ecken kennt, durfte ich vor kurzem auch erfahren wie Ludovic im Nationalmannschaftskreis ab und an gerufen wird. Diese Information nahm ich mit grosser Belustigung entgegen. Der Spitzname soll hier aber nicht erwähnt werden, nur soviel seine Ehegattin gehört wohl nicht unbedingt zu den unglücklichen Spielerfrauen auch wenn Ludo im Moment vornehmlich die Ersatzbank drückt.
Ich hoffe Ludovic Magnin verzückt uns zukünftig wieder öfters auf dem Spielfeld mit seiner Eleganz und mit solch schönen Treffern wie im WM Quali Spiel gegen Frankreich auch bin ich jetzt schon gespannt auf seine nächsten Auftritte in den Discotheken diverser europäischen Hauptstädte.

Montag, Dezember 04, 2006

Grasshopper Club Zürich : BSC Young Boys Bern 1:2


Es herrschten angehneme Temperaturen am 1.Advent Sonntag in Zürich. An diesem milden Dezember Tag trafen heute im Hardturm das krieselnde GC und das sich im Aufschwung befindliche YB aufeinander. Der ehemalige Weltklasse Spieler und heutige Trainer der Zürcher Krassimir Balakov durfte sich auf ein Wiedersehen mit dem YB Captain Hakan Yakin freuen, den er vor einigen Jahren noch nach Belieben durch die Stuttgarter Wälder jagen durfe, zwecks konditioneller Anpassung an Bundesliga Niveau. Wie wir aber alle wissen war die ganze Mühe umsonst, der talentierte Hakan kehrte bekanntlich nach einer Odysee durch halb Europa wehmütig in die Schweiz zurück. Dies wiederum war heute das Glück der Berner, denn Yakin entschied die Partie praktisch im Alleingang.

Bei den Berner Fans war von Anfang an eine positve Grundstimmung vorhanden. Schon die ersten bekannten Gesichter die man am Hauptbahnhof traf, waren voller Vorfreude. "Die sind noch müde vom Uefa Cup, heute packen wir die Zürcher!" Ein Optimismus der mich bei den YB Fans eigentlich eher überraschte, neigen die mir bekannten Anhänger der Berner doch gelegentlich eher zum Pessimismus, was die zu erwartenden Resulate ihrer Mannschaft betrifft. Sie sollten mit Ihrer Vorfreude diesesmal aber alle Recht behalten.

Die Gästekurve und die Heimkurve waren die einzigen Blöcke im Stadion die heute einigermassen gefüllt waren. Der Rest des Stadions, wie ja meistens bei GC wenns nicht rund läuft, waren nur spärlich gefüllt. Lukas und Mark, die beiden YB Allesfahrer, begrüssten mich mit "Samichlaus Mützen" auf dem Kopf, die von den Bernern zigfach geordert wurden. So machte es jedenfalls den Anschein, wenn man in das Gäste Publikum blickte.
Überhaupt nicht festlich ging es weiter. Ein recht unterdurchschnittliches Gekicke und wäre nicht ab und zu der "Bierli Ma" (O-Ton YB Fan) vorbei gelaufen, hätte man sich ernsthaft fragen können, was man überhaupt hier zu suchen hat.

Während Mark am Megafon mit Sprüchen wie "Wer isch dick und häd üs gärn?Dä Samichlaus isch YB Fan!"die Stimmung wieder aus dem Zwischentief heraushob fiel prompt danach auf dem Rasen das 0:1 für die Young Boys. Torschütze Hakan Yakin, der ehemalige Waldläufer, wer sonst? Ausgelassener Jubel nun bei den Berner erst recht als kurz danach das 0:2 wiederum durch...... na ihr wisst schon fiel. Nun fing das nervöse Zittern an. YB Fan Reto fragte sich was der Sinn von Regeln wie dem "Abstandhalten von der Mauer" sei? "Es werde doch eh seit Jahren nicht eingehalten" echauffierte er sich. Dann fiel der Anschlusstreffer durch die Zürcher und für den ebenfalls angespannten Lukas begann die Zeit des Fingernägel kauens. Ich bezweifle ob er je wieder eine Nagelschere gebrauchen wird. Noch einigen Minuten des Zitterns, dann der erlösende Schlusspfiff für die YB Fans. Lukas schien das nicht ganz zu realisieren und reklamierte lauthals gegen den Schiri, weil er den Pfiff als Foulsspiel gegen YB aufgefasst hatte. Nun gut, draussen warteten noch die üblichen Gestalten der "Hauer-Fraktionen" und für mich und den Gossauer YB Fan Fabio gings wieder zurück in die Ostschweiz. Ein schöner Sonntag Nachmittag Ausflug und persönlich mein 4 YB Auswärtssieg in Folge.

Grasshopper Club Zürich : BSC Young Boys Bern
Hardturm Stadion
5'800 Zuschauer
Meisterschaft NLA

Freitag, Dezember 01, 2006

FC Traktor Waldkirch

Im Jahre 879 n.Chr. wird Waldkirch erstmals geschichtlich erwähnt, 1594-1629 die Pest rafft einen Drittel der Bevölkerung dahin, 1895 der erste Telefonzentrale mit 10 Anschlüssen entsteht und im Jahre 1977 wird eine Doppelturnhalle gebaut. Dies kurz zusammengefasst die geschichtlichen Eckpunkte dieser ca. 3'200 Einwohner fassenden Gemeinde im Fürstenland.
Nun im Jahre 2006 könnte Waldkirch einen weiterern grossen Schritt wagen, man erwägt einen Fussaballrasen anzulegen und dazu mutigerweise auch noch ein Garderobengebäude hinzustellen. Eine lobenswerte Idee wie ich finde. Endlich würde auch in diesem Dorf ein Fussballclub entstehen und neben dem Seilziehen und dem Unihockey verträgt das aufstrebende Waldkirch sicher auch noch einen weitere Sportart, zumal Waldkirch ja keine unbekannte Grösse ist in Sachen Fussball. Das örtliche Grümpeliturnier auf der "dorfgrössten" Kuhwiese war früher als das Turnier mit den "besten Preisen" bekannt und das reichte vor 10-20 Jahren schon für eine mittlere Völkerwanderung.
Meine persönlichen Erinnerungen an Waldkirch im Zusammenhang mit Fussball sind eher bescheiden. Diverse Teilnahmen am "Kuhwiesen" Grümpeli u.a.mit einem örtlich sesshaften Brüderpaar, die beide einen nicht abzustreitenden Hang zum Jähzorn aufwiesen. Diese Turniere endeten dementsprechend eher mit Keilereien als mit grossem sportlichem Erfolg. Weitere Teilnahmen am traditionellen Waldkircher Hallenturnier waren eher vom übermässigen Alkoholkonsum und einer peinlichen 0:10 Niederlage gegen das Team meines damals fast 50jährigen Ex-Mitarbeiter geprägt.
Trotz eher zwiespältigen Erlebnissen in Waldkirch meinerseits, wünsche ich den Initianten dieses Projektes viel Glück. Ich hoffe es entsteht ein symphatischer Verein und bitte achtet bei der Namensgebung auf einen fantasievollen Namen. Wieviele FC blablaba gibt es in der Schweiz schon? Es gebe soviele Alternativen. Ein SC Agrar Waldkirch (als Homage an die bäuerliche Geschichte dieses Dorfes) oder wie wäre es mit der SG Fürstenland Waldkirch (man zeigt die Verbundenheit mit der Region) oder ein FC Traktor Waldkirch (wiederum ein Vereinsname der die landwirtschaftliche Prägung des Dorfes sicher herausheben würde und schon von Anfang an eine Verbundenheit mit der Bevölkerung schaffen wird). Ich bin jedenfalls gespannt wie die Geschichte ausgehen wird und wie sich Waldkirch auf den Anmarsch der nationalen Groundhopperprominenz vorbereitet ;-). Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein bis dieser Verein den regionalen Fussball so richtig aufmischen wird.

Viel Glück
auf gehts FC Traktor schiess ein Tor, schiess ein Tor

Donnerstag, November 30, 2006

Lieber Alexander,

oder sollte es dann doch "Lieber Herr österreichischer Fussballer des Jahres" heissen. Unsere östlichen Nachbaren neigen ja dazu den Titel einer Person in den Vordergrund zu stellen das ist mir schon öfters aufgefallen als ich dort war (Lieber Herr Landeshauptmann, Lieber Herr Magistralrat etc.etc.), aber das muss ich dir ja nicht erzählen du spielst ja schon deine zweite Spielzeit bei den Getränkelieferanten aus der Mozartstadt und wie du spielst.
So eine anerkannte Trainergrösse wie der SV Mattersburg Coach Franz Lederer hat dich mit den Worten gelobt du seist einfach "Weltklasse" und wenn das so ein international renomierter Mann sagt, dann wird das wohl stimmen.
Ich muss schon sagen 16 Tore in der laufenden Saison verdienen absoluten Respekt obwohl gegen Altach und Ried fällt das Tore schiessen sicher doch einfacher als gegen Bremen oder Dortmund, oder das kannst du ja schon eingestehen Alex? "Das schleckt keine Geiss weg", wie wir in der Schweiz zu sagen pflegen, vielleicht hast du das schon mal vom Johann gehört aber wahrscheinlich eher nicht.
Lothar meint, du machst jetzt die Torchancen rein, die du bei Bayern nicht gemacht hast. Ach der Lothar, der vergisst das du in 214 Bundesliga Spielen für den FC Bayern 51 Tore geschossen hast und wer denkt nicht mehr daran wie du eigentlich dafür verantwortlich warst das der FC Schalke zum Meister der Herzen gekürt wurde. Mein Gott, war das schön als du am vorletzten Spieltag 2001 in der 90 Minute mit einem Traumtor gegen Kaiserslautern das 2:1 geschossen hast. Ich bin aus der Kurve rausgerannt und hab mir dein Trikot gekauft, aber kommen wir doch nochmals zu Lothar zurück. Wie ist der Lothar so als Trainer? Der ehemalige Rapid Torwart Ladislav Maier hat ja mal angetönt, dass sogar die Putzfrau froh war als er nicht mehr Trainer bei Rapid Wien war. Kannst du ihn als Trainer für voll nehmen? Du mit deiner grossen Erfahrung, sei mal ehrlich? Du kennst ja die ganzen Geschichten von ihm, z.b. die mit Adolfo Valencia und den Volleyball Damen? Du weisst schon die Sache mit seinem riesen ...... . Da warst du doch dabei oder lagst du da wieder mal bei Dr.Müller-Wolfahrt auf der Liege? Es gab ja noch mehr Anekdoten über den Lothar, ja Alex da könntest du wohl aus dem Nehkästchen erzählen. Also kannst du ihn wohl kaum ernst nehmen? Eher schon den Giovanni Trappatoni, in desen Trainerjahren du eigentlich praktisch nie verletzt warst. Vielleicht bist du ja auf sein Training nicht so anfällig wie du auf jenes von Hitzfeld, Rehhagel und Beckenbauer warst, die dich sonst noch in deiner Bayern Zeit trainiert haben.
Nun zurück zu deinem Titel. Der Titel ist wirklich verdient, wenn man bedenkt was du alles durchmachen musstest, obwohl du dir bei mir schon mächtig Kredit verspielt hast als du auf einmal bei diesem ahnungslosen Brause-Hersteller angeheurt hast, aber was blieb dir wohl anderes übrig? Der Franz wird gesgt haben: "Mei Schau Alex, da kriegst von dem Mateschitz das Konto noch voller, viel laufen musst a ned in der Operettenliga und von München aus ist ned weit mitm Porsche!" Du hast zwar vor ein paar Jahre noch gesagt: "Ne, diese Liga tu ich mir nie an!"Da hast du gerade ein Spiel von Austria Salzburg gesehen, als du dort wieder mal zur Behandlung warst.
Ja, Ja das waren noch Zeiten. Jetzt wollen der Lothar, der Giovanni du und der Nico und wie sie alle heissen ja in der Champions League für Furore sorgen. Als Gegenleistung musst du dafür in einem Stadion spielen das Discokugeln an der Decke hat, aber vielleicht nicht mehr lange wie man hört hast du schon viele Angebote. Der HSV hat wirkliches Interesse. Wenn wunderts nach diesem Titel zum österreichischen Fussballer des Jahres, den übrigens Didi Kühbauer ja genau der weltberühmte Didi Kühbauer auch sechsmal gewonnen hat, da müssen doch die Vereine Schlange stehen. Ein gewisser Steffen Hofmann soll dein Vorgänger gewesen sein, hab gehört der sei auch Deutscher und habe letzte Saison in der Rückrunde bei einem 2.Ligsten in München gespielt. Sagt mir jetzt nicht soviel Steffen Hofmann oder Hoffman, aber bestimmt ein riesen Fussballer, da hab ich keinen Zweifel.

Also nochmals herzliche Gratulation Alexander und alles Gute

PS:Grüss mir den Thomas, den Thorsten, den Lothar und den Giovanni
ach ja den Franz auch noch aber ist nicht so wichtig
PS II: Johann dem alten Wodka Cola Vernichter (aber dem Didi nix sagen)
auch noch einen speziellen Gruss aus seiner Heimat.

Montag, November 27, 2006

Südkurve, Olympiastadion, München, Thüringen.....klar?

Irgendwie gehört dieser erste Arbeitstag nach den Ferien abgeschafft, wäre es nicht viel angenehmer man müsste erst am zweiten Tag nach den Ferien erscheinen. Dieser ansonsten schon eher unterdurchschnittliche Tag sollte heute noch zusätzlich einen würdevollen Abschluss finden.

"Komisch, Deutsche Handy Nummer, wer wird das wohl sein?" denke ich so für mich auf der Heimfahrt von der Arbeit und ich nehme halb aus Neugier halb aus Gleichgültigkeit den Anruf entgegen. "Hallo" melde ich mich. Ein begeistertes "Hallo Flo" dröhnt mir entgegen. "Ich bins, Uwe kennst du mich noch?".
Ich bin erstmal irgendwie perplex und antworte mal nicht.
"Uwe, Südkurve, Olympiastadion,München, Thüringen, jetzt klar?" Immer noch denke ich,verdammt wer ist das, aber aufeinmal dämmerts. "Ach Uwe, du warst doch der Bayern Fan aus Ostdeutschland der immer neben uns stand in der Südkurve." Jetzt wurde Uwe enthusiastisch:"Genau der bin ich, hätte nicht gedacht, dass du nach all den Jahren noch die gleiche Handy Nummer hast, echt geil he".
Scheisse, künftig wechsle ich mal alle 2 Jahre die Nummer, denke ich so für mich. "Ja, wie gehts Uwe?" beginne ich ganz höflich ein Gespräch. "Ja, halt viel auf Arbeit, Nachtschicht und so ja Frau und kleines Kind hab ich auch, bleibt halt keine Zeit für Fussball. "Aha, da gratuliere ich aber mal zum Kind", entgegne ich. In Gedanken grüble ich allerdings heftig, was denn der Uwe überhaupt von mir will? Ich habe aber eine leise Vorahnung, die sich bald bestätigen sollte. Zuhause angekommen, Auto in die Garage, langsam habe ich eigentlich keine grosse Lust mehr auf dieses Gespräch. "Ja, Flo wie siehts eigentlich aus, gibts euren Fanclub noch?" Aha hab ich es doch gewusst, darum gehts Karten für Bayern, triumphierend im Geiste lobe ich mich selber. "Ja, weisst du, ich sollte mal ne Karte für ein Bayern Spiel in der Allianz Arena haben, könntest du da was machen?"meint Uwe.
Super, denke ich, für einen Kumpel und sogar für die Schwiegereltern ,von Kollegen die den 60'er nachstehen, schaut man sich gerne mal um aber für eine flüchtige Südkurven Bekanntschaft.
"Ja, du Uwe ist halt nicht so einfach mit den Karten, weisst du ja sicher, aber ich schau mal was sich machen lässt." Jetzt will es Uwe aber wissen: "Ja du und wie siehts aus mit Jahreskarten für die Südkurve, ist ja gar nicht so einfach, kann da euer Fanclub was machen?"
Nun habe ich komplett keine Lust mehr auf diesen montäglichen Small Talk und entgegne: "Du, gib mir doch mal deine Mail Adresse, ich klär dir das ab." "Mail?ne, sowas hab ich nicht."kommt es ziemlich verdutzt zurück. Toll, es grüsst der blühende Osten, aber egal ich bin immer noch extrem zuvorkommend und sage ihm: "Gut, ich klärs ab und schick dir ne SMS, aber nun muss ich dann mal wieder arbeiten." flunkere ich ihn an. "Ja wart mal Flo, wir würden auch gerne mal vorbeikommen so bei euch, pennen in der Schweiz einen zwitschern und so, weisst schon." Oh Gott, ich sehe mich schon vor meinem geistigen Auge wie ich eine nette Familie aus Gera bei uns begrüssen darf, er mit einem hübschen Lonsdale Shirt vom Polen Markt, sie mit "leichtem" Übergewicht wegen der 2 Jahre zurückliegenden Geburt, ein schreiender Balg natürlich im Handgebäck mit dabei. Das Baby Reisebett im Gästezimmer hat schon einen festen Platz und die nächsten Tage gehts mit meinem ostdeutschen Freund auf Arbeitssuche in die Migros oder so. Ne, Ne, die von ihm verlangte Adresse einfach nicht rausgeben, einfach irgendwie ablenken, denke ich für mich. Gottseidank lenkt er nun selber ab: "Du, wie gehts eigentlich dem Daniel? Hast du dem seine Nummer? Ich hab da einen Daniel aufm Handy aber ist glaub nicht der Richtige?" "Ähmm Daniel....." ich tue so als ob ich fieberhaft überlege, "Daniel, du keine Ahnung der macht jetzt mehr auf Musik und so hab den schon Jahre nicht gesehen hab gehört, dass er im Ausland ist, weiss aber echt nicht ob das stimmt." "Echt, man krass, du weisst echt nicht wo der ist?"sagt er ziemlich entsetzt. Mein schlechtes Gewissen meldet sich langsam aber trotzdem entgegne ich: "Ne, du leider, echt keine Ahnung wo der steckt."
Er wechselt wieder das Thema "Warst du in Hamburg?Diese Drecks Hamburger, denen haben wir es wieder richtig gezeigt." "Ne, du war ich nicht, aber ich muss jetzt wirklich, die Arbeit ruft, also Tschüss ich melde mich."breche ich nun ziemlich aprupt ab.
"Ok, Tschüss, denkst wirklich an mich und meldest dich." sagt der Uwe noch. "Ja, Ja,geht in Ordnung" antworte ich leicht genervt. Schnell in die Wohnung hoch und dem Daniel seine Nummer eingetippt. "Hey Dani, nimm eifach nöd ab, wenn dir jetzt eine mitere dütsche Nummer alütet." man weiss ja nie vielleicht hatte er doch die richtige Nummer von ihm denke ich. Er bedankt sich und meint später "Der hat doch bestimmt gelsen das wir das Osthilfegesetz am Wochenende angenomen haben und dachte sich mal schön "ach, ich: ossi - die: helfen" :-)

Irgendwie wars trotzdem noch lustig und vielleicht geht man mit dem Uwe mal einen trinken, nur die Familie soll er lieber zu Hause lassen.

Freitag, November 24, 2006

Moskau Reise

Aufpassen muss man schon bei diesen Eingängen zur Moskauer Metro, hat man nämlich kein Ticket oder läuft durch ohne es zu entwerten, kommt gleich seitlich eine Metallstange rausgeschossen. Dieses Beispiel ist symtomatisch für diese Stadt oder wahrscheinlich dieses Land das sollte sich in den nächsten Tagen noch einige Male zeigen.

1.Tag
Montag gings ziemlich früh ab Zürich Kloten nach Moskau, an Bord waren die Tanja aus München, Steph P., Steph L., David und ich. In Moskau angekommen, dann der erwartete kleine Kälteschock aber weniger schlimm als erwartet, zügig gings nun mit dem Bus weiter zu einer U-Bahn Station von wo wir dann zum Hostel gelangten, dass vorteilhafterweise im Zentrum von Moskau lag an der Old Arbat Strasse etwa 20 Minuten vom Kreml weg. Als Anhaltspunkt zur Suche nach dem Hostel diente uns das riesige und imposante Gebäude des russischen Amt für Äussere Angelegenheiten, dass gleich in der Nähe unseres Hotels lag. Unser Hostel war eine ganz "besondere Sache" und nicht wirklich offiziell, draussen war nichts angeschrieben und es hätte nur noch gefehlt, dass man draussen durch die Lautsprechanlage einen Geheimcode hätte durchgeben müssen. Das Hostel selber war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, aber auf den zweiten schon. Unsere Absteige war nämlich eine ganz normale Wohnung mit drei Zimmern in denen es jeweils drei doppelstöckige Ikea Betten hatte. Eine ganz wackelige Angelegenheit kann ich da nur sagen. Die Türen konnte man nicht wirklich schliessen geschweige den zusperren, aber dafür konnte man machen was man wollte und das Hostel Personal sollte noch einige Male ungläublig den Kopf schütteln. Wir wurden gleich von ein paar weiteren Bayern Fans darauf hingewiesen, dass es nicht so eine gute Idee wäre draussen vor der Hostel Türe lange rumzulungern. Die örtliche Polizei wäre dann ganz geschwind da um sich einen kleinen Obulus für den nahen MC Donalds abzuholen. Mit dieser wichtigen Info im Gepäck gings dann zuerst gleich mal Richtung Kreml. Der nächtliche rote Platz und der Kreml waren ein fantastischer Anblick, man riecht förmlich die Geschichte Revolution 1917, der kalte Krieg, Augustputsch gegen Gorbatschow 1991. Ich hatte auch die Bilder im Kopf, die man als Kind im Fernsehen gesehen hat, wie tausende russische Panzer zur Parade über den roten Platz fahren. Nachdem wir das erste Kultur Programm beendet hatten gings wieder zurück zum Hostel, in desen Nähe wir einen 24 Std. Laden entdeckten, der wirklich alles erdenkliche führte von Bier aus dem Allgäu bis zum Bergkäse aus der Schweiz aber natürlich auch ziemlich günstigen Wodka und dieses wiederum wurde dem David zum Verhängnis. Morgens um sechs auf dem Gang zum Klo entdeckte ich ihn schlafend mit dem Kopf auf der Tischkante im Hostel-Flur.

2. Tag
Heute gings mit RS-Krusty und dem Coburger, die aus München eingetroffen waren, wiederum zum roten Platz und auch noch in das teurste Einkaufszentrum Russlands, das GUM. Wahnsinn, was den 85'000 Millionären die Moskau angeblich haben soll, in diesem Palast alles feil geboten wird. Natürlich ein beklemmendes Gefühl, wenn man bedenkt wieviel Armut es in ganz Russland und in Moskau gibt.
Neben dem Kreml das zweite Pflichprogramm für jeden Touristen sind die schönsten U-Bahn Stationen der Welt. Eine verwegene Behauptung, aber man kommt bei einigen Stationen nicht aus dem Staunen heraus. Eines der wirklich wenigen positiven Dinge die der Tyrann Stalin angeordnet hatte war der Bau dieser prestigeträchtigen "Untergrund Kathedralen". Nach dem zweiten Kultur Teil unserer Reise, sollte es nun aber endlich mal zum Fussball gehen.

CSKA Moskau : FC Porto 0:2
Champions League Gruppenphase
Lokomotive Stadion
28'000 Zuschauer
Als erstes sticht einem die wahnsinnige Masse an unformierten Leuten ins Auge. Vladimir Putin hält sich ohne Zweifel einen so grossen Polizei und Militärapparat wie zu "schönsten" Zeiten des Kalten Krieges. Trotz fast undurchschaubaren Massen an Sicherheitspersonal, hatten wir ziemlich schnell unsere Tickets in der Hand. Haupttribüne für umgerechnet 45 Franken, günstiger war fast nicht möglich, gut ZSKA Block aber dann doch schon lieber ein paar Franken mehr ausgeben. Vor dem Spiel gings noch in eine dem Stadion nahe gelegene Kneipe, in der es ziemlich friedlich zu und her ging. Einzig ein stockbesoffener Russe setzte sich blöderweise zu uns an den Tisch als er merkte, dass wir wahrscheinlich nicht aus Moskau, Wolgograd oder St.Petersburg kommen sondern eher aus dem deutschsprachigen Raum. "You know huligans from germany, you know" und weiteres besoffnes Geschwaffel, wir waren schnell weg.
Im Stadion dann etwa drei Kontrollen von Kopf bis Fuss, zuständig dafür grimmig drein schauende Uniformierte. Der Ground selber ist ziemlich modern und recht hübsch anzusehen. Das Stadion füllte sich langsam aber am Schluss war es dann ziemlich voll und die ZSKA Fans zogen eine geniale Choreo ab. Veni Vidi Vinci hies es darauf, ausserdem waren noch einige Sehenswürdigkeiten aufgemalt. Die ZSKA Fans waren auch recht laut, was mir auch gefiel, dass die meisten Leute im Stadion fast das ganze Spiel über standen. Im Spiel selber zeigte der Armeeklub aus Moskau eine erbärmliche Leistung, man hätte meinen müssen der Meistertitel den sie am Wochenende zuvor wiederum errungen hatten würde sie beflügen. Falsch gedacht, Porto ging früh in Führung und war das ganze Spiel eingermassen überlegen. In der 61.Minute fiel dann das entscheidene 0:2. Die Sache war gelaufen und so zündeten einige ZSKA Fans noch ihre Fackeln, die sie sich in weiser Vorahnung für ein Tor ihrer Mannschaft eh nicht mehr aufsparen mussten. Nach dem Spiel, wurde jeder Block seperat aus dem Stadion gelassen, so durften wir noch ein wenig länger in russischen Kälte ausharren bis wir durch einen Tunnel von Soldaten zur U-Bahn getrieben wurden. Wehe, wehe man bleibt mal Stehen. Der Knüppel ist schnell zu Hand bei den Russen.

3.Tag
Heute stand der Tag natürlich ganz im Zeichen des Bayern Spiels, aber zuerst wollte man dem Genossen Lenin im Mausoleum am Roten Platz noch einen Besuch abstatten. Diesen Weg hätten wir uns allerdings sparen können. Wladimir wird im Moment gerade general überholt und wir konnten nicht begutachten wie es dem Führer der Oktoberrevolution bald 83 Jahre nach seinem Tod so geht. So machten wir noch das Touri Programm im Kreml Innern und konzentrierten uns danach ganz auf das Spiel am heutigen Tag. Zuvor gönnten wir uns noch ein-zwei Bierchen im Hostel und diskutierten dabei noch ein wenig mit den anderen Hostel Gästen. Ich erwähne hier nur die zwei kultigsten. Ein Deutscher der den ganzen Tag im Hostel rumhing und irgendwie was mit Auto Schieberei am Hut hatte aber "Geschäfte laufen nicht so gut".....Tja, kann man nix machen. Der zweite war ein Bayern Fan vom Zimmer nebenan, vorallem Tanja hatte ein Narren an im gefressen: " Das sind doch Bauern-Schuhe, die trägt doch heut keiner mehr" gut ich muss ihr Recht geben, der Anblick seiner Raver Schuhe war schon gewöhnungsbedürftig. Stephs Aussage:"Solche Schuhe kriegt man doch heute nur noch beim Scooter Konzert" konnte ich nur zustimmen. Nun gings aber endgültig los zum Spiel ins Luzhniki Stadion.

FK Spartak Moskau:FC Bayern München 2:2
Champions League Gruppenphase
Olimpiyskiy Stadion Luzhniki
25'000 Zuschauer
Wiederum mit der U-Bahn gings raus zum imposanten Olympiagelände von Moskau, indem das Stadion von Spartak beheimat ist. Zielstrebig gings vorbei an massenhaft Uniformierten und einigen "kranken" Gestalten Richtung Gäste Eingang des Stadion. Steph wurde noch von einem netten Russen zu einer kleinen Hauerei eingeladen, er lehnte aber dankend ab. Vor dem Stadion die üblichen mürrischen Kontrollen und eine riesige Lenin Statue. Der Gästeblock war ziemlich gut gefüllt, denke schon das es etwa 300-350 Bayern Fans waren, leider war die Stimmung wiedermal nicht wirklich erwähnenswert. Im Gegensatz zu den Spartak Fans, die wie gestern die ZSKA Fans ziemlich laut rüber kamen. Anfänglich wähnten sich unsere Jungs noch nicht wirklich auf dem Feld und schnell viel das 1:0 für die Spieler vom Moskauer Arbeiter Verein. Danach drehte aber Pizarro das Spiel noch bis zur Pause. Nach einer traumhaften Vereinshyme von Spartak in der Pause und eine bisschen Pyro zum Start der 2.Hälfte, fiel unsere Mannschaft wieder in den kollektiven russischen Winterschlaf und so war das 2:2 am Schluss ein gerechtes Resultat. Nach Spielschluss wieder das gleiche Prozedere, diesesmal waren wir aber die Letzten die das Stadion verlassen durften. Ein Spartak Fan zeigt dann in der U-Bahn noch reges Interesse an unserer Mitfahrerin aus Bayern, diese schien aber an einem gemeinsamen Leben in der russischen Hauptstadt ganz und gar abgeneigt. In der Nacht wurde noch mit unserem Hostel Chef ein bisschen getrunken. Eine legendäre Person, arbeitet 100 Prozent als Lehrer und 100 Prozent als Hostel Manager, Schlaf braucht er meines Wissens nicht. An Direktheit mangelt es ihm auch nicht, so meinte er zu Steph P., dass sein Job auf dem Steueramt ja nicht wirklich alles im Leben sein könne und zum David B. meinter er nicht unbedingt zu meiner Überraschung, dass er einen ziemlich "Knall" habe.

4.Tag
Der Vize-Manager, ein Typ der den ganzen Tag am Bilder malen war, schenkte unserer Bayerin zum Abschied noch ein Bild von G.W.Bush und schon gings wieder auf den Weg Richtung Flughafen. Eine abenteuerliche Taxifahrt später (es geht doch ohne Bremsen) sassen wir auch schon im Flugzeug.

Fazit Russland: ein sehr spezielles Land. Das Lachen wurde hier sicher nicht gerade erfunden, was auch nicht sehr verwunderlich ist. Der einzelne Bürger geniesst immer noch nicht sehr viele Freiheiten und wird meiner Ansicht nach immr noch stark durch den Staat überwacht. Vielleicht ist es auch so wie ich es letztens gelesen habe "Der Russe braucht eine starke Hand", früher waren es die Zaren, dann die Kommunisten und Stalin jetzt Putin. Ich kann das nicht beurteilen.
Ich würde jederzeit wieder in dieses Land kommen und es war ein schönes Erlebnis, schön aber auch zu wissen, dass man wieder in Schweiz zurückkehren kann.

5.Tag (wieder in der Schweiz)
Am Morgen lese ich im Teletext, dass ein ehemaliger russischer Geheimdienstler in London vergiftet wurde. Er gibt in einem vorab geschriebenen Brief Vladimir Putin die Schuld. Ob dies stimmt oder nicht. Russland ist ein spezielles Land.


Sonntag, November 19, 2006

Zuviele Männer sind nicht gut.....

Eins war schon immer klar, an den Kriegen, Terroranschlägen und so weiter sind grösstenteils wir Männer schuld. Diese Tatsache ist nichts neues und schon gar nichs überraschendes. Nun kommt aber der deutsche Gewaltforscher Gunnar Heinsohn mit einer sehr interessanten These an die Öffentlichkeit. Schuld an den Konflikten auf der Welt seien nicht Religion, Hunger oder Armut sondern der sogenannte "Youth Bulge", dass bedeutet eine sogenannte Beule in der Bevölkerungspyramide. Die Beule entsteht wenn mehr als 30 Prozent der Bevölkerung männlich und zwischen 15-29 Jahren ist. Den dritten oder vierten Söhnen einer Frau stehen somit zuwenige Möglichkeiten offen eine gute gesellschaftliche Position zu erhalten. Die Folge es beginnt das Töten. Heinsohn behauptet der Islamismus, Marxismus und weitere Relegionen oder Weltanschauungen werden nur vorgeschoben um einen "Grund" für das Töten zu erhalten. Die jetztige Problematik mit dem Islamismus habe damit zu tun, dass es heute sehr viele junge Islamisten im Alter von 15-29 Jahren gibt, erst in 15 Jahren werde sich die Situtuation entspannen, denn es gibt in den arbabischen Ländern heute einen Trend zu wenigen Kindern. Sehr spannend ist auch wenn Heinsohn sagt, dass wenn die Deutschen sich so sehr wie die Palästineser im Gaza Streifen vermehrt hätten es heute 550 Millionen Deutsche gebe und diese sich wahrscheinlich Prag und Danzig zurückholen würden. So meint er der alte Faschismus sei schon falsch verstanden worden, der eigentliche Grund sei der letzte deutsche "Youth Bulge" zwischen 1910 und 1914 gewesen, bei dem es zuviele junge deutsche Männer gegeben habe. Diese Thesen scheinen auf den ersten Blick abenteurlich, wenn man sich diese aber durch den Kopf gehen lässt, sind sie doch nicht unlogisch. Ein weiteres Beispiel sind die europäischen Kreuzzüge im Mittelalter, da die europäischen Frauen wenig über Verhütung wussten (Grund:Beginn der Hexenverfolgung in Europa, viele Hebammen wurden umgebracht, sie wussten als einzige etwas über die Verhütung) stieg die Geburtenrate rasant und die Söhne betätigen sich an Kriegen, Revolutionen oder eben an Kreuzzügen bei denen sie sich ja wiederum auf die Bibel berufen haben was eine interessante Parallele zum heutigen Islamismus ist. Das Analysen und Thesen von Heinsohn sind sehr interessant und irgendwie auch beänstigend.

Donnerstag, November 16, 2006

Schweiz : Brasilien


Es darf nicht wahr sein! 3 Stunden von Gossau nach Basel. Ein Hoch auf die ganzen Aargauer Pendler, die natürlich mit dem Auto jeden Tag von Wohlen nach Zürich und zurück fahren müssen. Es fährt ja nur alle 5 Minuten ein Zug, wir sind schon arm dran in der Schweiz... Ein weiteres Hoch auf unsere unzähligen Autobahn-Baustellen. Es ist wie bei einer dieser neuen unsäglichen Telenovelas es findet einfach kein Ende! Nie, Nie, Nie. "Ich schwöre, heute bin ich wirklich zum letzten Mal mit dem Auto unterwegs nach Basel", sage ich noch zu Dani T. bevor wir um kurz vor acht den St.Jakob Park betreten. Für "kostengünstige" 70.-- Fränkli hat uns der SFV netterweise Tickets für diesen "Fussball-Hit" zukommen lassen.
Da heute nicht die "bösen" Basel Fans vor Ort sind, hat der Stadionbetreiber oder die UEFA oder der Zloczower oder wer auch immer dafür gesorgt, dass das schöne Gitterchen, das vor der Muttenzer Kurve nach der Basler Apokalypse vom Mai dieses Jahres montiert wurde, urplötzlich verschwunden war. So waren die zahlreichen Teenies, in Brasilien Trikot und mit Schweizer Schal ausgestattet, noch ein wenig näher an den Robinihos, Kakas und Ronaldinhos dieser Welt. Schnell war uns bewusst, gut es war uns eigentlich schon vorher klar, dass heute das typische "Brasilien" Publikum in unserem Sektor, gut was heisst in unserem Sektor im ganzen Stadion wäre treffender, sitzen wird.
Die üblichen Verdächtigen (Appenzeller, Berner, Gossauer, Luzerner,Rheintaler, St.Galler) sammelten sich zu einer kleinen "Stehtruppe" und so warteten wir gespannt was uns denn da die Zuckerhut Kicker alles so technisch herrvorgagendes zeigen würden. Die TV Werbung lässt da ja jeweils einiges erhoffen, aber natürlich boten die Brasilianer wie auch schon an der WM und wie eigentlich fast immer, ausser in der TV Werbung, einen eher pragmatischen Fussball europäischer Prägung. Die Schweizer liessen sich einlullen und in Person von Herr "Formschwäche" Vogel hatten wir auch jemanden auf dem Platz der seine Pässe meist gekonnt in die Füsse der Gelb-Blauen spielte. Die Folge war das 1:0 der Brasilianer und ziemlich kurz darauf durch eine absolute Glanztat des "statistisch besten Torwart der Fussball WM" das 2:0. Das er danach aber gnadenlos ausgepfiffen wurde von Leuten die ihn Monate zuvor (sicher ein wenig übertrieben) anhimmelten fand ich dann ein weiteres Zeichen für die Fussball-Unkenntnis mancher Zuschauer am heutigen Abend. Zu unserem Thurgauer Nationalhelden noch so viel, je höher man in guten Zeiten fliegt desto tiefer fällt man in schlechten Zeiten.
Die Stimmung war übrigens auch überdurchschnittlich schlecht, einzig hinter uns hatte sich eine jüngere Dame wohl vor dem Spiel einen gröberen Drogen Cocktail gegegeben " Uh Uh Uh Uh Uh" schrie sie das ganze Spiel, an einer verruchten Trance Party im Londoner Underground wäre sie wohl nicht krasser abgegangen als hier. "Uh Uh Uh Uh Uh" (unsere Luzerner + Appenzeller Freunde hatten mächtigen "Spass" an dieser Darbietung)
Nach der Pause, dann das Highlight aller milchgesichtigen Exil-Brasilianer aus Brugg, Frick und Affoltern am Albis usw.. Der momentan wohl beste Spieler der Welt lief sich an der Toraus-Linie warm. Ein riesen Gerenne, sämtliche Teenies stürzten mit ihren Handys und Digital Kameras Richtung Brasil-Ersatz Kicker. Unser Lukas machte sich schon Sorgen um seinen kleine Bruder, den er auch in diesem Getümmel vermutete. Auf dem Platz lief genau das Gegenteil der ersten Halbzeit ab. Die Schweizer zeigten technisch teilweise feinen Fussball und kamen durch ein glasklares Eigentor (natürlich sprach der Stadionsprecher Alex Frei den Treffer zu…wem auch sonst) zum 1:2 und so keimte noch Hoffnung auf, schlussendlich dann aber ein irgendwie verdienter (und das schreibe ich ungern) Sieg der Brasilianer. Heute fand das Spiel übrigens das erste Mal vor 39'000 Zuschauer im erweiterten St.Jakob Park statt, haben sie hübsch hingekriegt die Herrn Herzog + de Meuron muss man anerkennen.
Nun sollte es wieder auf die mühsame Heimfahrt gehen, mit dem David und einem Kumpel von ihm im Gepäck. Mein Warnungen an den Kollegen vom David, ob er sich denn wirklich sicher sei mit dem Dani T. nachhause fahren zu wollen, nützten nichst. Gut man muss ihm zugute halten, dass er ganz ruhig blieb, auch als Dani kurz vor dem Baregg Tunnel einen kleinen Zwist mit einem Zürcher ("Zürcher, Zürcher eu hani scho immer ghasst") ausgefochten hatte. Um 1.00 waren wird dann aber doch heil zu Hause.

Schweiz : Brasilien 1--2
Länderspiel
15.11.2006
Basel St.Jakob Park
39'000 Zuschauer (ausverkauft)

Unvergessen! Istanbul! 16.11.2006 1.Jahrestag


Türkei : Schweiz 4 : 2


WM Barrage Rückspiel 16.November 2005

Istanbul
Sükrü Saracoglu Stadyumu 42'000 Zuschauer


Schon seit einigen Tagen hatte mich dieses nervöse Gefühl gepackt. Spätenstens seit dem Hinspiel Sieg in Bern wurde die Spannung aber fast unerträglich. Man hatte irgendwie nur einen Gedanken und das war dieses Rückspiel am Mittwoch in Istanbul. Neben der grossen Nervosität auf das Spiel, kam auch noch das mulmige Gefühl auf, was uns wohl in der Türkei erwarten würde. Der Empfang unserer Nationalmannschaft, war ja wie zu erwarten nicht gerade herzlich. So machten sich natürlich unsere Nächsten schon einige Gedanken und oft kam die Frage auf „Wollt ihr da wirklich hin?“

Aber klar wollten wir da hin und so machten sich 4 Ostschweizer und 6 Berner am Dienstag Abend via Stuttgart auf nach Istanbul. Die Reise begann schon sehr ereignisreich, so hat es z.b der geschätzte Kollege Lüthi („Heute fährt die 18 bis nach Istanbul,Istanbul“) tatsächlich fertig gebracht jeden uniformierten Deutschen den wir sahen in äusserste Rage zu versetzen. Ein weiterer Berner, ich nenne aus Rücksicht keinen Namen, verbrachte den Hinflug von Stuttgart nach Istanbul dagegen mit einer Tüte vor dem Mund (tja, scheiss Ami Fast Food, ich sags ja immer...).
In Istanbul kamen wir nachts um 3.00 an.Wir waren gespannt, ob es auch für uns irgendwelche Schikanen am Zoll geben sollte, aber nichts dergleichen. Ein freundlicher Türke, der auch mit der Maschine aus Stuttgart angekommen war, besorgte dann drei Taxis, die uns zum Hotel bringen sollten, dass uns wiederum freundlicherweise der Mark ausfindig gemacht hatte. Hotel Erdim hiess unser Ziel, eine türkische Arbeitskollegin von Mark hatte da angerufen und man sagte ihr, wir sollten nur kommen, es gebe genügend freie Zimmer.

Hundemüde freuten wir uns alle auf ein Bett, als wir vor dem Hotel standen. Tja,zu früh gefrüht. „Hotel Erdim, Problem, Hotel Erdim Full“! genau diesen Satz hörten wir nun ca. eine halbe Stunde andauernd von unsern 3 Taxi Fahrern. Wieso auch immer, dass Hotel auf einmal voll sein sollte keine Ahnung, aber nach hitzigen Diskussionen, liessen wir uns einigermassen wiederwillig von den 3 Taxi Fahrern nach Bendik fahren, wo „zufälligerweise“ ein Bekannter eines Taxi Fahrers noch mehrere Zimmer frei hatte
.
Am folgenden Morgen, wurden die meisten von uns um halb sechs bereits wieder geweckt. Der Capo von den Ultras Islam gab via Lautsprecher einige Sprechchöre zum besten. Im Halbschlaf dachte ich im ersten Moment, dass Ayatollah Khomeini persönlich bei uns im Zimmer steht, so laut kamen die Aufrufe von der Moschee gegenüber in unser Zimmer gedröhnt. Nachdem man dann doch noch ein paar Stunden Schlaf fand, zeigte uns der freundliche Besitzer des Hotels die Einkaufsstrasse von Bendik und auch noch die schon erwähnte Moschee. Es war natürlich von Vorteil, dass der Hotel Besitzer deutsch sprach („ich arbeiten 15 Jahr in Uster, schön da, schön da, kennst du?).

Mit Kollegen vom Chef (ich glaube mittlerweile alle Türken sind irgendwie Kollegen untereinander, wenn’s ums Geld verdienen geht), gings dann gegen vier Uhr zum Stadion von Fenerbahce. Die Fahrt war eindrücklich, jetzt bei Tageslicht sah man wie eindrücklich dieser Millionen Moloch Istanbul ist.
Beim Stadion angekommen, sahen wir tausende Türken die sich auch schon Stunden vor dem Spiel eingefunden hatten. Wir zehn Individual-Reisenden suchten jetzt einigermassen orientierungslos nach dem Eingang zum Gäste Sektor. Wir wollten natürlich auf keinem Fall noch lange vor dem Stadion rumlungern, was wohl jeder verstehen kann. Die Polizei war dabei keine grosse Hilfe, keiner konnte (wollte?) uns sagen, wo sich der Eingang zum Gäste Sektor befand. Nachdem wir beinahe einer Horde Hardcore Türken Fans in die Hände gelaufen wären, fanden wir schliesslich doch noch unseren Eingang. Wieviel tausende Polizisten im Einsatz waren, sah man auch daran, dass es nur wenige Sekunden ging und es standen ca. 30 Polizisten zu unserm Schutz vor dem Gäste-Eingang. Die Eingangskontrollen waren irgenwie total chaotisch, so wurde ich ca. 6 mal durchsucht, u.a unsere Fahne wurde da eingezogen, Dani Thoma musste sein Handy abgeben.
Die nervöse Warterei bis zum Spiel war kaum auszuhalten. Die Türken sorgten schon 2 Stunden vor dem Spiel für mächtig Dampf auf der Tribüne und wir konnten jetzt schon erahnen was auf uns zukommen würde. Von unserem Sektor aus konnten wir auch beobachten wie die Schweizer Fan Busse ankamen, diese wurden wie zu erwarten mit reichlich Gemüse und sonstigem Zeugs eingedeckt. Nach und nach trafen auch weitere Nati-Stammfahrer ein, sogar die Luzerner schafften es noch 10 Minuten vor Spielbeginn ins Stadion, sie hatten mit dem Fan-Bus eine mühsame Anfahrt von 2 Stunden vom Hotel ins Stadion hinter sich.

Endlich ging es los, die Spannung erreichte ihren Höhepunkt. Unsere Hymne wurde natürlich total verpfiffen, auch kam danach bei jedem Ballkontakt eines Schweizers der Stadionsprecher ins Spiel, der die Zuschauer aufforderte zu pfeiffen. Ich finde es ja genial, wenn das Publikum so heissblütig mitgeht, aber jedes Mal wenn sich in irgend einem Stadion der Sprecher während des Spiels einmischt, krieg ich die Krise. Das andauernde Hineinwerfen von Gegenständen ist auch eine Unsitte in der Türkei und hat aus meiner Sicht mit Fussball-Fan sein, nichts zu tun. Zum Spiel will ich ansonsten nicht mehr viel schreiben, hat ja eh jeder gesehen. Ich persönlich ging durch ein Wellenbad der Gefühle, zwischen höchster Euphorie und tiefster Resegnation. Zusätzlich mussten wir im Gästeblock auch immer darauf achten, was gerade von den türkischen Fans geflogen kam, da waren einige „schöne“ Sachen darunter, wir „freuten“ uns über eine bengalische Fackel, diverse Batterien, Flaschen, Golfbälle und vieles mehr. Der Hammer kam allerdings erst nach dem Spiel, nachdem wir zuerst total enthusastisch unsere WM-Teilnahme feierten, schoss auf einmal ein total verrückter Türke einen Farbeimer auf uns hinunter, es reichte ihm allerdings noch nicht das nun einige Schweizer Fans weiss eingefärbt waren. Der geisteskranke Typ schoss nun auch noch ein Ablaufrohr auf uns herunter, was dem Erich von der Luzerner 60’ Fraktion eine Fingerprellung einbrachte. (Anm.Die oberste Tribüne links von unserem Block aus gesehen, ist noch nicht ganz fertig, daher hatte der Spinner wohl die Möglichkeit einiges an Baumaterial auf uns zu werfen.) Wir verzogen uns daraufhin verständlicherweise in das Innere des Blocks, wo es dann bis auf ein bisschen Pfefferspray, den irgend ein Vollidiot rumgesprüht hatte, ereignislos blieb. Ein weiteres Mal wagten wir uns allerdings noch auf die Tribüne. Köbi Nationale lief über den Rasen des Sükrü Saracoglu Stadyumu und so konnten wir wenigstens noch mit unserem Nationaltrainer den historischen Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft feiern. Nach ca. 1,5 Stunden war dann die Blocksperre vorbei und meine schlimme Befürchtung wurde war, unser „Gossau-fen“ Transparent war nirgends mehr....Scheisse! Ich habe mich innerlich schon damit abgefunden, als plötzlich jemand ihn unseren Bus kam und fragte „Ob hier jemand ein Ostschweizer Transparent suche?“ DANKE

Nun gings mit den Travel-Club Bus, hier ein Dank an die Westschweizer Nati-Stammfahrer die uns im Bus untergebracht haben, zurück zum Flughafen. Die Strassen waren hermetisch von der Polizei abgeriegelt, jede kleinste Seitengasse war von 3-4 Polizisten bewacht und so kamen wir schlussendlich heil am Flughafen an. Der unvergessliche Tag fand sein Ende mit einigen Bierchen am Flughafen.

PS 1: Ich habe sehr viele nette und gastfreundliche Türken kennengelernt. Die Türken die deutsch gesprochen haben, entschuldigten sich bei mir auch für das teilweise primitive Verhalten ihrer Landsleute. Wie schon im Bericht erwähnt, ist mir ein fanatisches Publikum tausendmal lieber als ein Publikum das nur emotionslos dem Spielgeschehen zusieht. Allerdings hatte ich bei einigen Türken eher das Gefühl, dass es sich bei dem Spiel um einen Krieg handeln würde. Die hasserfüllten Augen von einigen Spielern und Fans waren schon beänstigend. Man hatte das Gefühl es gehe hier um Leben und Tod. Die FIFA muss einschreiten, man muss dem türkischen Verband klar machen, dass es so nicht weitergeht.

PS 2: Als ich vor ca. einem Jahr mein Team Ticket für die Schweizer Nationalmannschaft bestellt habe, dacht ich ehrlich gesagt nicht daran, dass wir die Quali überstehen würden. Ich habe mich glücklicherweise getäuscht, was unsere Jungs im Rahmen der WM-Qualifikation abgeliefert haben, ist für eine so junge Mannschaft schlichtweg grandios. Wir spielten zweimal ein Unentschieden gegen die Franzosen und gegen die Iren und kamen über die Spiele gegen den WM-Dritten Türkei an die WM, diese Mannschaft hat Potenzial und Charakter und macht richtig Freude.

Montag, November 13, 2006

Amateure Derby


Der Steph hat es wieder mal geschafft. Trotz Abmachung sass er nicht am Steuer des Autos das uns heute Richtung München führen sollte. Sein Kollege Flo E. hatte diesen Job freundlicherweise von ihm übernommen und so düsten wir zu Sechst los Richtung Landeshauptstadt. An Bord waren neben Flo E. und Steph noch zwei weitere frustrierte Austria Lustenau Fans. Der Grund, am Vorabend bezog die ambitionierte Mannschaft von Austria Lustenau eine weitere Niederlage, diesesmal gegen das "weltbekannte" Gratkorn. Das die Stimmung nicht ganz so bedrückend wurde hatten die vier Dani R. und mir zu verdanken, mit einigen Sprüchen (FC Lustenau) versuchten wir die angeschlagenen Jungs wieder aufzuheitern. Nach dem Genuss von einigen St.Gallischen, Rheintalerischen und Voralbergischen Getränke Spezialitäten waren wir dann auch schon gegen Mittag an der Säbener Strasse. Dort trafen wir auf unsere beiden Zugfahrer Fabio und Lorenz ("wenn ich BK'90 höre, kann ich nicht wiederstehen"). Nachdem wir dem lustigen Treiben im Vereinsheim des FC Bayern noch ein wenig zuschauten, irgendwelche Kinder stürzten sich auf jeden B-Jugend Spieler der einen Bayern Trainings Anzug anhatte, gings dann zur Hermann Gerland Kampfbahn. Kurzes Anstehen an der Stadionkasse für das Ticket auf der Gegentribüne, alles ganz locker nur unser jüngster Fabio hatte ein Problem mit der Karten Verkäuferin "i ha sie nume wöle locker mache, nume wöle ä chli locker mache" meinte er danach zur seiner Verteidigung.
Das altehrwürdige Stadion war hermetisch abgeriegelt das war jedoch zu erwarten nach dem letzten Amateure Derby, bei dem der eine oder andere doch eine kleine Schramme davon getragen haben soll. Zu Beginn des Spiels wurde bei uns im Block, der trotz Profi Spiel in Leverkusen recht ordentlich gefüllt war, ein Spruchband gezeigt mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen in der Hermann Gerland Kampfbahn von den Giesinger kam eine lahme Choreo "Warum seid ihr weggelaufen, wir wollten doch nur Danke sagen". Somit war auch schon klar, aus welchem Grund die meisten von denen im Stadion waren, dieses sollte sich dann im späteren Verlauf auch noch bestätigen. Das Spiel war sehr mittelmässig, vorallem unser Sturm war quasi inexistent, unsere schwarze Perle mit dem geläufigen Name Ngwat-Mahop brachte mich schier zur Verzweiflung. So kam es dann soweit, dass halb der starke Wind halb unser eigener Torwart den Anderen das 0:1 schenkte. Zur Stimmung, das meiste der Giesinger wurde vom Himmel verweht, was man dann doch an Gesängen hörte war dann von der bekannt primitiven Sorte "Schickeria Hurensöhne" etc.etc. ist hier aber alles keine Erwähnung wert. Von unserer Seite kam vorallem das "FC Bayern Amateure" gut rüber, ansonsten gab es auch einige Hänger. Zur zweiten Halbzeit drehte dann unser Franzose Ngwat-Mahop mächtig auf und so kam endlich mal ein wenig Gefahr vor das Tor der Anderen. Fürstner sei Dank viel dann das 1:1, völlig verdient muss man dazu sagen. Etwa fünf Minuten vor Schluss wurde dann durch den Stadionsprecher verkündet, dass die Giesinger noch ein wenig im Regen stehen bleiben dürfen d.h. Blocksperre nach Spielende. Dieses führte dazu, dass 2/3 des Blocks wie wild zum Ausgang stürmten, soviel zum Thema "ich bin wegen dem Fussball hier".Natürlich gab es aber auch vor Spielschluss kein Entrinnen für die Giesinger, die natürlich den Support nun komplett eingestellt hatten, war ja auch kaum einer mehr im Block von denen. Nach Spielende wurde durch Günther Becksteins Leibgarde wieder alles hermetisch abgeriegelt und so gings durch Umwege wieder zu Säbener Strasse. Lorenz zog einen kurzen Spurt an, ich weiss nicht ob Durst der Grund war oder die 2 Halbzeit im TV von Leverkusen gegen Bayern. Fabio und Lorenz blieben dann in München um noch den Bierkeller 90' unsicher zu machen. Die Restlichen fuhren wieder in die Schweiz rsp. ins Voralberg zurück. Auf dem Rückweg wurde noch der Siegestreffer durch Claudio Pizarro bejubelt und dem Steph der eine oder andere Tipp für das Essen mit seinen Schwiegereltern in Spe. auf den Weg gegeben und schon war man fast wieder Zuhause.

18.11.2006
FC Bayern München Amateure : Turn Sport Verein 1860 München Amateure 1:1
Regionalliga Süd

Hermann Gerland Kampfbahn
2'200 Zuschauer

Sonntag, November 12, 2006

Heinz + Thomy in Basel


Freitag Abend gings mit der Aktions Tageskarte der SBB und zusammen mit dem David nach Basel. Es stand ein Spiel der 1.Liga an. Die Nachwus Mannschaft des FC Basel traf auf die selbige des FC Luzern. In der höchsten Schweizer Liga hätte dieses Spiel für erhitzte Gemüter gesorgt, hier hingegen verliefen sich nur gerade 100 Zuschauer in das Leichtathletik Stadion St.Jakob.
Wir trafen ziemlich pünktlich zum Spielbeginn im Stadion ein und man sah gleich auch einige bekannte Gesichter, zugegen waren die wenigen treuen FC Basel II Supporter, die noch ein wenig Atmosphäre in diesen tristen November Abend brachten, desweitern waren auch noch Hopper-Carsten aus Weil am Rhein und seine Kollegin Sabrina vor Ort. Die Luzerner Fans glänzten leider komplett mit Abwesenheit, obwohl wer will es ihnen schon verüblen, wenn man bedenkt, dass das Hinspiel in Luzern 0:6 zu Gunsten der Basler ausging.
Schon von Beginn weg machten die Basler Nachwus Talente mächtig Druck und die Luzerner konnten froh sein nicht schon früh ins Hintertreffen zu gelangen. Das Ganze lief unter den Augen zweier ehemaligen Berühmtheiten der Schweizer Fussballszene ab, auf der einen Seite der Trainer des FC Basel Heinz Hermann, seines Zeichens Schweizer Rekord Internationaler. Der Verdienst als Nachwustrainer unter Gigi Öeri dürfte allerdings nicht allzu hoch sein, die Beinkleider die Herr Hermann trug stammten grösstwahrscheinlich noch aus seiner Zeit als aktiver Fussballer. Der Trainer auf der anderen Seite war Thomas "Thomy" Wyss, WM Teilnehmer 1994, FC L Legende und Absteiger in die NLB mit dem FC St.Gallen. Ein weiterer "Star" war auch noch zugegen, ganz alleine in einer verlassenen Ecke des Stadions stand mit verschränkten Armen, mit dem Blick eines Feldherrn über seine Soldaten, Christan Gross. Das Spiel plätschert so dahin, man tauschte ein paar lustige Anekdoten aus und als wir zufällig auf Volker Finke und seinem umstrittenen Umgang mit Spielerfrauen zu sprechen kamen rief uns eine Dame die neben uns stand zu: "Der Volker Finke das war mein Volkskunde Lehrer in der Schule, der war ein Super Lehrer". Tja, wenn die Freiburger weiter so erfolgreich spielen wird er ja vielleicht bald wieder ein Super Lehrer. Auf dem Platz schafften die Basler es weiterhin nicht aus 1000prozentigen Chancen ein Tor zu erzielen.
Herr Gross hatte nun genug gesehen und verzog sich heimlich still und leise in etwa so wie er gekommen war. Weil uns das Spiel weiterhin nichts spannendes zu bieten vermochte, erzählte Hopper-Carsten noch ein wenig aus dem Nehkästchen "Wir waren mal mit 120 Leuten beim Rollhockey Auswärtsspiel von Weil am Rhein gegen Remscheid" und "als ich letztens bei einem Heimspiel von Concordia Basel mit dem Matchprogramm in der Hand lässig an der Bande lehnte kam auf einmal der Murat Yakin vorbei, riss dem Kind das neben mir stand den Stift aus der Hand und meinter nur " ich unterschrieb no rasch". Trotz dieser erheiternden Geschichten wurde es langsam kalt und Tore zur allgemeinen Erwärmung wurden den wenigen Zuschauern weiterhin nicht geboten, so waren dann doch alle irgendwie froh, dass der müde Kick endlich zu Ende war. Trotz völlig untypischer Verspätung der SBB waren der David und ich dann doch um gut halb eins wieder in der Ostschweiz um davon zu träumen auch einmal völlig ungefragt ein Autogramm von Murat Yakin zu erhaschen.

FC Basel U 21 : FC Luzern U 21 0--0
LA Stadion St.Jakob
100 Zuschauer
10.11.2006

Mittwoch, November 08, 2006

"Gut so, Amerika" PS: "Ciao Rumsi"


Das erste Mal seid einigen Jahren hat die Mehrheit der Amerikaner wieder eimal ein wenig Verstand bewiesen, wo sie diesen allerdings die letzten Jahre gelassen haben bleibt weiter ein Rätsel.
Dank seiner desaströsen Irak Politik hat es die Marionette von Dick Cheny geschafft und die Amerikaner wieder in die Arme der Demokraten getrieben. Das Repräsentantenhaus ist wieder fest in der Hand von normal denkenden Amerikaner und wird hoffentlich zukünfitg nicht mehr durch die Waffen Lobbyisten der Republikaner unterlaufen. Der "kleine Georgie" wird es jetzt nicht mehr so einfach haben seine irrwitztigen Gesetzte gegen das "Böse" durchzusetzen, vorallem wenn tatsächlich auch noch die Mehrheit im Senat an die Demokraten gehen würde.

Bei der Berichterstattung in den deutschsprachigen TV Sendern wurden vorallem 3 Protagonisten dieses Wahltages stark hervorgehoben:
1) Hillary Clinton: Überrargend wiedergewählte Senatorin von New York. Die Siegesrede von ihr hörte sich für mich schon fast an wie eine Wahlkampfrede für das Präsidenten Amt 2008.
Da passte ihr Ehemann, seines Zeichen letzter intelligenter US-Präsident, Bill Clinton irgendwie so gar nicht ins Bild. Er klatschte seiner Ehefrau zwar euphorisch zu und strahlte wie ein Marienkäfer aber die nachfolgende Umarmung wäre wohl zwischen George W.Bush und dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad nicht viel frostiger ausgefallen. Wir werden sehen ob die selbsternannte "grösste Nation der Welt" 2008 den Mut aufbringt eine Frau ins Weisse Haus zu wählen. Der jetztige Präsident dürfte ja den Beweis erbracht haben, das Männer nicht unbedingt für grosse Aufgaben prädestiniert sind.
2) Arnold Schwarzenegger: Dem Ex-Bodybuilder und Ex-Namensgeber des Grazer Fussballstadions hätte man eigentlich im letzten Jahr nicht mehr viele Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt. Er schaffte aber den Spagat zwischen dem umstrittenen und ablehnenswerten Todesurteilen in seinem Bundesstaat und einer "grün" angehauchten Umwelpolitik. Er brachte somit das traditionell eher demokratisch stimmende Kalifornien wieder auf seine Seite. Einen grossen Dank sollte er vorallem seiner Frau Maria Shriver aussprechen. Die Nichte von John F.Kennedy ist wahrscheinlich das Hirn und die treibende Kraft der ganzen Kampagne. Tja und wäre Arnie nicht in Graz geboren, stände ihm 2008 wohl nichts im Wege der zweite Österreicher an der Spitze einer Weltmacht zu werden ;-)
3)Donald Rumsfeld: Geborner Unsymphat und Hauptbefürworter des Irak Feldzuges bekommt seinen unverdienten Ruhestand. Die beste Leistung der ganzen Bush Ära war wohl seine Absetzung(offiziell Rücktritt) an diesem Wahltag. Diesen 74-jährigen Hardliner aus Chicago wird man hoffentlich nie mehr wieder irgendwo zu sehen kriegen, vorallem nicht in dem von ihm vor einigen Jahren abschätzig genannten "alten Europa" wird er kaum irgendwo willkommen sein.
Es ist zu hoffen, dass nun ein wenig Vernunft einkehrt in Washington.....Halt, Sorry Bush jr. ist ja noch 2 Jahre im Amt, aber trotzdem die allgemeine Intelligenz sollte ja durch die Mehrheit der Demokraten und die Abwahl einiger christlichen Fundamentalisten im Senat und Repräsentantenhaus erheblich gestiegen sein.

Dienstag, November 07, 2006

Samstag Nachmittag an der Ringstrasse Chur


Eigentlich, ja eigentlich hätte ich heute Nachmittag beim Oberliga Derby in Mannheim sein müssen, aber ein Kollege von mir, seines Zeichen Exil-Rheintaler, musste am Freitag Abend wieder seinen kompletten Wochen-Konsum des heimischen Sonnenbräu Bieres nachholen. Seine SMS irgendwann Freitag Nachts um ein Uhr liess jedenfalls nichts gutes erahnen: "Flo, ich glaube ich bin nicht fit um sechs Uhr morgens!" Weil ich selber keine grosse Lust auf eine 6 stündige Solo-Zugfahrt durch ganz Baden Württemberg und zurück hatte, entschloss ich mich es ruhiger angehen zu lassen und bloss in die Hauptstadt des Kantons Graubünden zu fahren.
1993 war es als der FC Chur das letzte Mal in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse spielte, danach folgten turbulente Jahre in denen man finanziell in arge Nöte geraten war. Es endete damit, dass der FC Chur im Jahre 1997 mit dem SC Grischuna und dem FC Neustadt fusionierte und neu unter dem Namen FC Chur 97 am Ligabetrieb teilnahm. Letztes Saison war man nun wieder mal von der 2.Liga in die 1.Liga aufgestiegen, man rutschte aber ziemlich schnell auf den letzten Platz ab. Dem heutigen Gast der Bünder läuft es da wesentlich besser. Die Nachwusmannschaft des FC St.Gallen befindet sich momentan auf dem 2.Tabellenplatz.

Das Stadion an der Ringstrasse mag nur schon durch den herrlichen Ausblick auf die umliegenden Berge zu überzeugen, auch die hübsche Haupttribüne ist für 1.Liga Verhältnise doch ziemlich respektabel. Am Eingang drückte mir ein freundlicher älterer Herr für ziemlich happige 13.--Franken Eintrittspreis ein Matchprogramm und einen Casino-Chur Wettbewerb in die Hand. "Do chasch den öpes gwünne, i dä Pause" meinte er strahlend und erwartete wohl irgendeine freudige Reaktion meinerseits. Ich lächelte zurück und lief erstmal zur Tribüne, wo ich sehnlichst eine Toilletenanlage erwartete. Während ich mich endlich erleichtern konnte hörte ich von draussen irgendwelche lauten Gesänge auf den FC St.Gallen. Was machen denn die hier, dachte ich für mich. Es ist zu erwähnen, dass das Spiel in Chur praktisch gleichzeitig mit dem Spitzenkampf der NLA zwischen GC und dem FC SG stattfand und bei aller Liebe zum Nachwus, diesen 1.Liga Kick wird ja wohl kaum ein eingefleischter FC SG Fan, einem der eh schon rar gesäten Highlights seines Vereines vorziehen. Schnell leuchtete mir dann ein, wahrscheinlicher Grund für die Anwesenheit der ca. 15 St.Gallen Fans ist Stadionverbot.....was sonst. So setzte ich mich dann auf die Tribüne, die recht ordentlich gefüllt war, für einen Verein der an letzter Stelle steht. Die St.Galler wurden heute durch Freddy Strasser betreut, ein Mann der wohl auch schon fast jede Funktion im bezahlten Fussball ausgeführt hat. Die eigentlichen Verantwortlichen Giorgio "1xLänderspiel auf Zypern" Contini und der "schöne" René Weiler weilten bei der 1.Mannschaft in Zürich. Dies hatte wohl Auswirkungen auf die St.Galler, jedenfalls überliessen sie den Churer ziemlich schnell den Ball und die Bündner konnten schalten und walten wie sie wollten. Selbst die Anfeuerungen der mittlerweile oberkörperfreien St.Galler Fans " Wir haben alle Stadionverbot, Wir haben alle Stadionverbot! Scheissegal, Scheissegal" konnten sie nicht zu einer Leistungssteigerung bewegen. So überraschte es keineswegs, dass die Churer nach 20 Minuten in Führung gingen. Bis zur Pause blieben die St.Galler weiterhin sehr harmlos gegen die Bündner, die auch nur am Muster und in den Farben ihrer Trikots und nicht dank ihren technischen Finessen an eine grosse Mannschaft (River Plate) zu erinnern vermochten. Zur Pause gab es dann das herbeigesehnte Gewinnspiel für das Casino Chur. Der Sinn diese Gewinnspiel ist mir aber bis heute noch unklar. Irgendwie war der Hauptpreis ein Casino Besuch mit 15 Freunden. Was man dort aber zu bieten bekam war oder ist mir immer noch schleierhaft, jedenfalls rief ein einheimischer Matchbesucher: "Die wöred gschieder än Puff-Bsuech für 15 Lüt velose, hahahaha".
Zu Beginn der 2 Halbzeit kleideten sich die St.Galler Fans wieder an, sie zollten nun der Temperatur ihren Tribut. Es wurde langsam doch ein eher ungemütlicher November Abend und alle Jahre wieder freut man sich samt frierenden Füssen wieder auf den Frühling. Die St.Galler Spieler froren wohl langsam auch ein wenig und fingen an sich zu bewegen, manchmal sogar schnelle Bewegungen und so hatten die technisch limitierten Bündner dann doch schon mehr Mühe als in der 1. Halbzeit. Trotzdem brachten es die Talente aus Ostschweiz nicht fertig den Ball im Tor des FC Chur unterzubringen. Ich war dann irgendwie erleichtert als das Spiel fertig war, zurück ins warme Auto.
Respekt an die 15 St.Gallen Fans die trotz dürftiger Leistung praktisch das ganze Spiel durchsangen.

FC Chur 97-FC St.Gallen U-21 1--0
Stadion Ringstrasse 300 Zuschauer
1.Liga

Sonntag, November 05, 2006

"Oh du mein gefährliches Gossau"


Gossau und Neapel, 2 Städte die wohl kaum unterschiedlicher sein könnten, so würde man jedenfalls denken. Aber Halt! Die grösste Schweizer Boulevard Zeitung schrieb unter dem Titel "Bandenkrieg mit Ausländern" eine Story die es in sich hatte. Von "fliegenden Fäusten jeden Tag" war da die Rede, wenn man den Artikel las konnte einem Angst und Bange werden. Eltern aus Nachbargemeinden verboten ihren Kindern den Kontakt mit gleichaltrigen "Ghetto Kids" aus Gossau, Ausgangssperren wurden in Betracht gezogen....Nein, soweit ist es gottseidank in unserer kleinen Stadt dann nicht gekommen, noch nicht muss man wohl sagen.
Ich persönlich habe jedenfalls Gefallen gefunden am Leben in unserm Banlieu. Das schönste daran sind die Gerüchte. Ich habe die letzen 2 Wochen seid dem Erscheinen des "Blick"-Artikels schon mit 3 oder 4 Personen gesprochen die mir alle ungefähr folgendes erzählten: "Jetzt isch scho wieder öpert woni kenn am SBB-Billetautomat apöblet worde,so chas nöd wiedergo" Meine Gegenfrage lautete dann immer, wer denn der "angepöbelte" gewesen sei? Ich meine ist ja Gossau, man kennt sich und man möchte ja wissen wer nun jedes mal seelische Höllenqualen erleidet, sobald er in die Nähe des Gossauer Bahnhofs kommt. Leider kamen immer nur vage Vermutungen als Antwort und man wisse halt auch nicht genau wer das gewesen sei und überhaupt man habe das auch nur von jemanden gehört.
So liegt der Verdacht auf der Hand, dass da nur eine OLMA-Schlägerei von der Zeitung mit den grossen Buchstaben hochstiliesiert wurde und Gossau vielleicht doch nicht der legitime Nachfolger der New Yorker Bronx werden wird. Die Polizei und die Stadt Gossau bleiben gottseidank ruhig und greifen nicht auf übertriebenen Massnahmen zurück, so bleibt zu hoffen das der "Blick Artikel" niemanden in unserer kleinen Stadt nachhaltig in Erinnerung bleibt und das natürlich die neue Ortspartei der Schweizer Demokraten nicht im geringsten von diesen Schlagzeilen profitieren wird. Es wird bald wieder Ruhe einkehren in Gossau und auch das kürzlich geschlossene Städtli-Cafe (Grund:Kiffen und Ausschank von Alkohol an Minderjährige) wird irgendwann wieder öffnen und unsere Probleme werden wieder der Lärm an einem Fest nach 22.00 Uhr und der Stangen Preis in der neuen "Beiz" nebenan sein.

Samstag, November 04, 2006

Schweizer Trainer in Deutschland

Irgendwie hat man gestern schon mitgelitten mit den beiden. Da der symphatische Berner Oberländer der sich in der Rheinmetropole als Berufsoptimist Tag für Tag mit den "schlagzeilen-süchtigen" Boulevard Medien herumärgern muss, auf der anderen Seite der ruhige und besonne Meister Trainer, der bei der grauen Maus aus dem Ruhrgebiet trotz Aufstieg irgendwie das Gegenteil von beliebt ist. Meine Prophezeiung, dass nach diesem Freitag Abend wohl wieder 2 Trainer mehr als Kanditaten des FC Aarau gehandelt werden dürften ist allerdings nicht ganz eingetroffen. Der Eine, nämlich der aus dem Ruhrgebiet gewann überraschenderweise in der niedersächsischen Hauptstadt, ob dies daran lag dass die gegnerischen Spieler in Gedanken noch beim "Spiegel Nr.1 Bestseller" ihres berühmtesten Mitbürgers waren, sei dahingestellt. Der Andere, nämlich der aus der Karnevals Hochburg blamierte sich bis auf die Knochen bei der "Fussball-Grossmacht" Koblenz, dabei hatte der "Vollblut Trainer" doch auf dieses Saison hin alle seine Lieblinge an den schönen Rhein gelockt, aber ob man wirklich mit dem lieben Herr Cabanas und dem netten Herr Haas in die Bundesliga zurückmarschieren kann, wage nicht nur ich immer mehr zu bezweifeln. Grundsätzlich stellt sich die Frage an was liegt es, dass sich die Schweizer Trainer, obwohl in taktischer Ausbildung den deutschen sicher ebenbürtig, trotzdem nie lange an ihrem Arbeitsplatz halten können. Ob der jetzige FC St.Gallen Trainer beim Club aus Schwaben oder der Zitterkanditat vom VFL Bochum bei seinem früheren Club nie konnten sich die Schweizer Trainer lange über das Rampenlicht Bundesliga freuen. Meines erachtens wird der kleine Schweizer Trainer trotz aller Symphatien von den Deutschen eben doch schlussendlich nur belächelt und da nützten auch gestrenge Massnahmen eines Andy Egli beim SV Walhof Mannheim nichts, schlussendlich war er eben doch der "kleine Schweizer". Das soll keine Kritik an den Deutschen sein, es ist einfach normal und würde einem Schweizer Trainer auch in Italien,Frankreich oder England ähnlich wiederfahren. Der Basler Trainer kann ein Lied davon singen und dies mag wohl auch der Grund sein wieso er den lukratiken Angeboten aus Schalke und Gladbach, dann doch immer wieder den Kick auf der Schaffhauser Breite vor 3500 Zuschauern vorzog.....