Mittwoch, Januar 18, 2012

A.C. Milan : Inter 0:1







Serie A
San Siro
80'074 Zuschauer

Borghetti, diese Likör/Espresso Mischung findet man in fast jedem italienischen Stadion. Optisch erinnert das Fläschchen an ein kleines Parfüm-Flacon der Ehefrau. Geschmacklich lässt es sich allerdings eher mit kaltem Coretto-Grappa vergleichen. „Nur 20 Euro für 5 Stück“ meint der eifrige Verkäufer. Dieser Preis verwundert, da der Einzelpreis mit 3 Euro pro Borghetti angeben ist. Dies sei nun mal so, entgegnet der Angestellte mit einem Achselzucken...

Die Handschuhe mit dem aufgedruckten Wappen des AC Milan sind an diesem Abend ausverkauft. Der Verkäufer am offiziellen Merchandising -Stand des italienischen Meister schüttelt entschuldigend den Kopf. Fabio, ein Rossoneri-Anhänger aus St.Gallen, muss also weiter frieren. Der berüchtigte Lombardei Nebel sorgt für kühles Januar Wetter in Norditalien.

Die Eltern von Fabio stammen aus Sizilien, wie so viele Secondos unterstützt auch er einen Verein aus Norditalien. Der Reisecar aus der Ostschweiz brachte an diesem Tag einige Milanisti und Interisti mit Migrations Hintergrund in die Lombardei. Bereits im Bus wurden Gesänge auf den jeweiligen Lieblingsverein angestimmt, wobei die Rot-Schwarzen die Überhand behielten. Die AC Milan hat an diesem Sonntag Heimrecht.

Dick eingepackt warten die Zuschauer auf den Anpfiff des 190. Mailänder Derby. Die beiden Fankurven begrüssen die Mannschaften mit einer Choreografie. Dem spektakulären Auftritt der Gästefans in der Curva Nord zollen gar einige Milan Tifosi ihren Respekt. Die beiden Teams aus der „Mode-Stadt“ zeigen danach eine engagierte Leistung. Leider entwickeln sich nur wenig Torchancen. Die Stimmung ist den Offensiv Aktionen entsprechend eher entäuschend. Vielleicht liegt dies aber auch an der Einführung des „Tessera del tifoso“. Der umstrittene Fanausweis schwächt die lebendige italienischen Fankultur merklich. Die Gewalt ging gemäss Statistik des italienischen Innenministerium zurück. Der Erwerb des Ausweis bringt aber einen grossen bürokratischen Aufwand mit sich. Da überlegt ein „normaler“ Familienvater zweimal, ob er das Spiel im Stadion, oder im TV sehen möchte. Die Regierung führte mit aller Konsequenz den "gläsernen Fan" ein. Die Folge sind weniger Zuschauer und ein Nachlassen der Stimmung. Die beiden Ultra-Szenen überzeugen am heutigen Tag also weniger mit langen, einstudierten Gesängen, sondern mit unzähligen Transparenten. Der einen Seite wurde u.a. eine „Facebook Mentalität“ vorgeworfen, während sich die Gegenpartei als „das einzig wahre Mailand“ betitelt.

Diego Milito sorgt schliesslich für die Entscheidung. Der Argentinier erzielt den einzigen Treffer dieser Partie. Inter gewinnt und die Mehrzahl der Zuschauer verlässt enttäuscht das Stadion. Die Stimmung im Car ist dann auch eher gedrückt. Einzig ein Inter Fan singt davon, dass er von den Milan Anhänger gar nichts mehr höre. Ein Rossoneri Fan entgegnet heiser „Forza Milan“ und schläft weiter. Seine Stimmte deutet darauf hin, dass er auch während des Spiels gesungen hat. Vielleicht trank er auch fünf Borghetti, wer weiss…

Freitag, Dezember 23, 2011

Eine (fast) perfekte Saison.

"Der Lauf startet in Bregenz. Angenehme Temperaturen herrschen an diesem Samstag im März. Die schnellsten Läufer aus dem Vorarlberg sind am Start, aber auch Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz. 32 Kilometer, den Bregenzerwald hoch bis nach Lingenau, 795 Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Schnell integriere ich mich in der Spitzengruppe. Vorbei an kleinen Dörfern, entlang an kaum befahrenen Strassen. Alle paar Kilometer muss ein Läufer der hohen Geschwindigkeit Tribut zollen und lässt sich zurückfallen. Das Feld der Führenden wird immer kleiner. Als wir nur noch zu Fünft sind, denke ich an einen Platz unter den ersten Drei. Bei Kilometer 28 ist es nur noch eine Vierergruppe und schon bald fällt ein weiterer Läufer zurück. Ich wage einen Angriff, instinktiv, mit Mut, mit guten Beinen. Ich erreiche einen Kilomter Schnitt von 3.30min. Niemand kann mir Folgen. Vor mir nur das Spitzenfahrzeug. Ich gewinne mein erstes Rennen. Meine Familie empfängt mich am Ziel. Ein wunderschöner, unvergesslicher Moment."

Hatte das Jahr 2010 mit dem traumhaften London Marathon und dem Podestplatz (M30) beim Arlberg-Montafon Marathon schon einige Höhepunkte parat, sollte das folgende Jahr für mich noch besser werden. Da ich sozusagen nie eine Laufpause einlege konnte ich meine gute Form nahtlos ins neue Jahr mitnehmen. Die stark besetzte Crosslauf Serie in Lustenau verschaffte mir im Winter eine Tempohärte. Die mehreren Top-Platzierungen beim Laufcup steigerten zudem mein Selbstvertrauen. Die ersten Lorbeeren durfte ich beim Halbmarathon in Oberriet ernten. Ich konnte eine neue persönliche Bestzeit von 1h 16min erzielen. Danach sollte der erste Saisonhöhepunkt folgen. Der Linz Marathon in Niederösterreich. Eine Zeit zwischen 2h 40min-2h 45min war mein Ziel. Lag ich bei Rennhälfte noch auf Kurs für diese Endmarke, reichte es schliesslich "nur" zur neuen persönlichen Bestzeit von 2h47min. Im letzen Teil des Rennens durchlief ich eine Krise. Der Gegenwind und schwere Beine machten mir zu schaffen (lag es am schnellen Halbmarathon zwei Wochen zuvor?). Trotz allem begeisterten mich, einmal mehr, die netten Helfer und Zuschauer in Österreich. Schliesslich geht es ja nicht nur um Tempobolzerei. Ein gutes Essen am Vorabend des Marathon, ein feines Getränk nach dem Lauf, nette Gespräche mit anderen Leuten, neue oder bereits bekannte Städte laufend erleben. All dies gehört für mich zu einer Marathon Reise dazu.


Nach dem Rennen in Linz stand ein wahrer Klassiker an, die 20km de Lausanne galt es zu absolvieren. Ein Laufperle mit einem fantastischen Publikum. Die 20 Kilometer mit den vielen Steigungen in der Lausanner Altstadt haben es durchaus in sich. Mit dem 29. Rang unter 2847 Teilnehmern und dem 14. Rang in meiner Altersklasse war ich bei diesem stark besetzten Teilnehmerfeld überaus zufrieden. Nun stand die Berglauf Saison an. Nach dem "Gehetze" im Frühling freute ich mich nun auf neue Herausforderungen.

Die einzelnen Etappen des Rheintal-Walgau Berglaufcup und die Kreuzegg Classic bildeten meine Vorbereitung auf den LGT Alpin Marathon in Liechtenstein. Da ich überall persönliche Bestzeiten aufstellen konnte ging ich mit einem guten Gefühl an den Start des Berg-Marathon im Ländle. Ich erreichte einen Top Ten Platz und erlebte meinen zweiten Traumlauf der Saison. Schon 14 Tage später wartete der nächste Höhepunkt. Ich durfte anlässlich des Muttersberglauf den dritten Gesamtrang beim Rheintal-Walgau Berglaufcup feiern. Eine Flasche Grappa als „Preisgeld“ und eine grosse innere Zufriedenheit waren der Lohn dafür. Zusammen mit den Schwiegereltern und meiner Familie verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag in einer Berghütte oberhalb von Bludenz. Das war auch so ein unvergesslicher Moment im Laufjahr 2011.

Beim Hundwilerhöhelauf kurz vor den Sommerferien lief ich mit schweren Beinen auf den dritten Gesamtrang und gewann die Hauptklasse auf der Strecke Herisau-Hundwilerhöhe. Müde Beine und ein müder Kopf waren nun aber froh, um die erste Wettkampfpause der Saison. Nach dem Urlaub am Gardasee, wo ich meine Trainingsrunden in einem herrlichen Naturpark drehte, hiess mein nächstes Ziel Davos. Nach dem letztjährigen 78 Kilometer Ultra-Lauf sollten es dieses Jahr die 21 Kilometer von Klosters nach Davos sein. Der Lauf glückte mir nicht wunschgemäss. Ein Hungergefühl plagte mich bis zu Rennhälfte. Ich hatte mich wohl am Vormittag nicht ideal verpflegt, auch nach bald 10 Jahren Wettkampferfahrung lernt man nicht aus. Trotzdem reichte es auch bei diesem Lauf für den 2.Rang in meiner Altersklasse.

Nun kam der Lauf, mit dem ich seit dem Überqueren der Ziellinie eine Rechnung offen habe. Der Berglauf Klassiker Sierre-Zinal hat es in sich. Die extrem steilen ersten Kilometer schocken einen erstmaligen Teilnehmer. Selbst das Höhenprofil auf der Homepage kann einen Bergläufer nicht auf diese Qualen vorbereiten. Das erste Mal seit Jahren fühlte ich mich im Ziel körperlich am Ende, dies war nicht mal nach dem Ultra Marathon in Davos der Fall. Sierre-Zinal ich komme wieder!

Der Rütilauf, Etappenort des Züri Laufcup, bildete im September den Start zu meiner Herbsaison. Heisse Temperaturen, selbst im Wald sorgten für grosses Schwitzen und ich lief eine gute Zeit. Der Brunnen im Ziel entlohnte die Teilnehmer für die Strapazen. Meine Kinder freuten sich über den Ballonwettbewerb des Hauptsponsor. Später litt ich während des schlechten Gastspiel des FC Gossau in Rapperswil mehr, als während des Hitze-Lauf.

Mitte September startete ich beim Greifenseelauf. Fast alle, die irgendetwas mit Laufen am Hut haben, finden sich in Uster ein, vom übergewichtigen Gelegenheits-Jogger bis zu Viktor Röthlin. Wieso ich das auch noch Jahr für Jahr mache, kann ich mir auch nicht erklären? Ein mühsames Geschupfe und Gedränge am Start, eine Strecke dir mir nicht wirklich gefällt. Dazu meistens warme Temperaturen aufgrund der Startzeit am Nachmittag. Da kam es nicht überraschend, dass ich auch dieses Jahr die Zeit unter 1h 20min um eine Minute verfehlte. Trotzdem wäre es keine Überraschung, wenn man mich auch 2012 wieder auf der Startliste finden würde.

Nach dem Greifenseelauf kamen Zweifel an der Form, die ich aber zwei Wochen später wiederlegen konnte. Beim Halbmarathon anlässlich des 3-Länder Marathon in Lindau lief ich meinen dritten Traumlauf der Saison. Mit einer Zeit von 1h 17min erreichte ich den dritten Rang in meiner Alterskategorie. Im Ziel hatte ich zudem das Gefühl nicht wirklich ausgelaugt zu sein. Danach ging es zum Fischen, wobei sich dort der Erfolg nicht einstellen sollte. Zum Leidwesen meiner Tochter.
Eine Woche vor meinem grossen Herbst-Highlight lief ich dann beim Laufcup im Speicher ebenfalls wieder als Dritter über die Ziellinie.

Frankfurt Marathon! Zweitgrösster Marathon Lauf in Deutschland, eines der Teilnehmer stärksten Rennen in ganz Europa. Sehr akribisch bereitete ich mich auf dieses Abenteuer vor. Leider nervte ich damit manchmal meine Frau. Doch ich wollte nichts unversucht lassen, um endlich die Zeit unter 2h 45min zu erreichen. Da kann es entscheidend sein, ob es nun beim Mittagessen Pizza, oder eben doch besser Spaghetti gibt :-).
Die Stadt am Main hat den perfekten Marathon geliefert, besser kann man wohl so einen Anlass nicht organisieren. Trotz schnellem Kurs reichte es aber wieder "nur" zur neuen persönlichen Bestzeit. Nochmals 40 Sekunden schneller als in Linz. Der Einbruch kam wie in Linz zwischen Kilometer 34 und 37. Hier vergab ich mein Zeitziel. Wenn es in dieser Saison eine wirkliche Enttäuschung gab, war es das Verpassen dieser Marke. Trotzdem konnte ich meine Marathonbestzeit gegenüber dem Vorjahr um 5 Minuten verbessern. Darauf trank ich zufrieden ein "Äppelwoi" und freute mich auf die Zugfahrt zurück in die Schweiz.

Sozusagen als Schlusspunkt des Jahres kam der Frauenfelder Halbmarathon und damit auch ("Ole, Ole") der vierte Traumlauf der Saison. Das Ziel erreichte ich nach 1h14min27 Sekunden, ganz klare neue persönliche Bestzeit und der 11.Rang unter 841 Teilnehmern.
Eine Woche später, lief ich gesundheitlich bereits leicht angeschlagen, auf den dritten Rang beim Laufcup in Henau. Mein Husten machte mir nach dem Lauf Sorgen, völlig zu Recht wie sich herausstellen sollte.

Der Weihnachtslauf, mein Heimrennen, fand dieses Jahr nämlich ohne mich statt. Das erste Mal seit drei Jahren litt ich an einer Grippe. Sportlich hatte ich für diesen Lauf keine grossen Ziele, da die Streckenlänge nicht meinen Stärken entgegenkommt. Trotzdem war es Schade, diesen Lauf das erste Mal seit 10 Jahren zu verpassen.

Eine schöne Überraschung hatte der Dezember trotz der gesundheitlichen Probleme doch noch parat. Ich wurde für die Wahl zum Gossauer Sportler des Jahres nominiert. Eine Nomination, die mich unheimlich freut. Mein Wohnort liegt mir sehr am Herzen. Ich engagiere mich politisch in Gossau, bin Anhänger des lokalen Fussballvereins und lebe nun schon 25 Jahre hier. Ich freue mich sehr über die engagierte "Wahlwerbung" von Freunden, Familie, Bekannten und dem Laufverein.

Allgemein bin ich dankbar für die wertvollen Tipps von routinierten Laufkollegen, die harten Intervall-Trainigseinheiten mit meinem deutschen Trainigspartner, das Interesse und die motivierenden Worte von Familie, Freunden und Bekannten.
Vor 10 Jahren begann ich mit dem Laufen. Anfänglich mit Fussballtrikot, alten Hallenschuhen und sackschwacher Kondition. Ich war stolz auf mich, wenn ich 20 Minuten durchlaufen konnte. Im Jahr 2011 kann ich mir ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen.

"Niemand kann mir Folgen. Vor mir nur das Spitzenfahrzeug. Ich gewinne mein erstes Rennen. Meine Familie empfängt mich am Ziel. Ein wunderschöner, unvergesslicher Moment."

Montag, November 21, 2011

TSV Fortitudo Gossau : TSV St.Otmar St.Gallen 38:24

Handball
NLA
1200 Zuschauer

Selten bis eigentlich gar nie sehe ich in letzter Zeit begeisternde Auftritte einer Gossauer Sport-Mannschaft. Zugegeben beschränken sich meine Besuche auf den örtlichen Fussballverein, darum ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich. Am letzten Freitag traute ich daher kaum meinen Augen und Ohren.

"Man könne das Spiel auch draussen schauen" meint ein stolzes Vereinsmitglied beim Turnhallen Eingang. Vor der Buechenwald Sporthalle steht eine Grossleinwand. Das Schweizer Sport Fernsehen überträgt das Ostschweizer Handball Derby in die nationalen Wohnstuben. 1'200 Zuschauer bevorzugen trotzdem das Live Erlebnisse in der Heimspielstätte von Fortitudo Gossau. Sie sollten ihren Entscheid nicht bereuen.

An der Reinlichkeit der Halle hat sich seit meiner Schulzeit nicht viel verändert. Auf der Tribüne dürfen auch im Jahre 2011 keine Getränke und Lebensmittel verzehrt werden. Dies obwohl die Turnhalle mittlerweile sanierungsbedürftig ist. Ansonsten ist der veranstaltende Handballverein um das Wohl seiner Gäste äusserst bemüht. Moderate Bierpreise und eine freundlicher Service im "Forti-Beizli". Selbst das Stehen auf den Zwischengängen der Tribüne wird nach einigem Hin und Her erlaubt.

Die Buechenwaldhalle ist rappelvoll, Sitzplätze sind ein rares Gut und die Nervosität steht den treusten Handballfans ins Gesicht geschrieben. "Hopp Gossau, Hopp Gossau" hallt es durch die Heimspielstätte von Fortitudo. Beinahe ein Fürstenländer Hexenkessel der sich an diesem Abend bildet. Eine ähnliche Stimmung hab ich in dieser Stadt zuletzt beim NLB-Fussballderby gegen den FC St.Gallen erlebt.

Fortitudo bedeutet Tapferkeit und Stärke, beides zeigt die Heimmanschaft an diesem Tag auf vorbildliche Art und Weise. Gegen den stärker eingestuften Gegner aus der Kantonshauptstadt wächst jeder Spieler über sich hinaus. In den ersten 30 Minuten gelingt dem Aussenseiter beinahe jeder Abschluss. Wäre hier nicht ein brisantes Kantonsderby im Gang, man hätte beinahe Mitleid mit dem St.Otmar Goalie. Ein Kollege, der anderen Sportarten deutlich näher steht als dem Handball, meint über den Spielverlauf: "da isch jo wie Playoff oder wie heisst da scho wieder? Powerplay glaubs, oder?"

Beigeistert klatscht die anwesende Gossauer Bevölkerung in die Hände, als die Gastgeber das Spielfeld zur Pause verlassen. Es steht 21:14. Die "Otmärler" wirken leicht konsterniert. Der Spielverlauf entspricht nicht ihren Vorstellungen. Ein langjähriges Fortitudo Vereinsmitglied bleibt trotz des klaren Resultat skeptisch. "Mol luege öps äm Schluss langed." meint er und nimmt einen Schluck lokalen Gerstensaft gegen die Nervosität.

Daniel Stahl, heisst die Deutsche Eiche bei Fortitudo Gossau. Beim blossen Anblick des germanischen Hünen würden Nicht-Handballer auf dem Feld schon das weite Suchen. Der Legionär trifft sieben Mal bei diesem Duell der Kantonsrivalen. "Diä Mannschaft spielt dän nöd immer so!" meint ein Dauergast des Gossauer NLA Vereins mit einem Augenzwinkern. In der Tat dominiert Fortitudo auch die zweite Hälfte nach Belieben. Als Handball-Laie geht der faszinierte Blick Richtung Spielfeld. Man ist verwundert, dass dieser Verein in der Tabelle nicht deutlich höher klassiert ist.

Das Schlussresultat von 38:24 ist ein klares Verdikt. Der kleinen Stadt gelingt gegen den grossen Nachbaren der erste Sieg in der Nationalliga A. Die Welle geht durch die Halle, ein für Gossauer Verhältnisse fast schon ekstatischer Gefühlsausbruch. Das Publikum liess sich am heutigen Tag von der Mannschaft mitreissen und sorgte für eine tolle Stimmung.

Im "Forti-Beizli" spricht man von einem denkwürdigen Abend. Ein lokaler Journalist und profunder Kenner der Handballszene führt mit fröhlichen Siegern und fairen Verlierern ein Interview. Die Stimmung ist beinahe ausgelassen, ausser natürlich bei den Anhängern der Gäste. Die siegreiche Mannschaft erscheint. Die über neunzigjährige Liselie klatscht Beifall. Die agile Gossauerin freut sich über die grossartige Leistung des Teams.

Beinahe wehmütig verlasse ich den Ort des Geschehen. Endlich sah ich wieder einen tollen Gossauer Auftritt. Leidenschaft, Willen, Einsatz und Können. Der lokalen Fussballmannschaft hätte ein Anschauungsunterricht sicherlich nicht geschadet.

Gästeblog: FC Gossau : SC YF Juventus Zürich 3:5

Gästeblog von Günther:

Gossau führte 3:1 und versaute das ganze innerhalb von 5 Minuten. 200 Zuschauer schütteln den Kopf. Bei den treusten Matchbesuchern besteht die akute Gefahr einer chronischen "Halscheri".

Mittwoch, November 16, 2011

Holland:Schweiz 0:0

Länderspiel
Amsterdam Arena
50'000 Zuschauer

Memphis ist der Geburtsort des Rock n'Roll. In Athen erfand man die Demokratie und in Neapel die Pizza und was stammt aus Amsterdam? Vielleicht kam ja ein Holländer auf die Idee benebelnde Substanzen in Coffeeshops anzubieten? Möglicherweise hatte ein Bewohner dieser Stadt auch den höchst fragwürdigen Einfall halbnackte Frauen in Schaufenstern auszustellen?

Eins steht aber ausser Frage. Das nicht wirklich hübsch anzusehende Kind namens "Moderner Fussball" kam in dieser Stadt zur Welt. Bereits in den Achtziger Jahren enstanden in der holländischen Metropole Pläne für ein hochmodernes Super-Stadion. 1996 war es dann soweit. Die Amsterdam Arena wurde eröffnet inkl. dem ganzen Pi-Pa-Po der heutigen Stadiongeneration. Aufladbare Geldkarten, verschliessbares Stadiondach und Sitzplätze allüberall.

An einem milden Novembertag duellierten sich in eben diesem Fussballtempel zwei ganz unterschiedliche Mannschaften. Der orange Vize-Weltmeister und die rot-weissen Eidgenossen. Letzgenannte hatten soeben in der EM-Qualifikation gegen die Grossmacht Montenegro den Kürzeren zogen. Aufgrund der konstant ideenlosen Darbietungen der "Nati" waren es nicht viele Schweizer, die den Weg in die Niederlande fanden. Das Publikum in den Pub's des Red Light District deutete jedenfalls nicht auf ein nahendes Fussballspiel der Schweizer Elite-Elf hin. Keine Kuhglocken um den Hals, keine Kuh-Hüte auf dem Kopf, keine Plastik Kuh-Euter am Hinteteil der Gäste.

Diese Tatsache stimmte unsere Reisegruppe nicht gerade unglücklich. Den Vorabend verbrachten wir, mitten unter der einheimischen Bevölkerung, in der Karaoke Bar eines holländischen Schlagerkönigs. Ernest sang seinen Hit "Alles is anders" ziemlich spät das letzte Mal in dieser Nacht. Das touristische Rahmenprogramm des nächsten Vormittag wurde daher aus Zeitmangel fallen gelassen.

Der Anblick der hübschen holländischen Grachten, nicht zu Verwechseln mit holländischen Trachten, verzückte uns daher erst am Nachmittag. Danach machten die einen dieses, und die anderen jenes lokale Kulturprogramm. Natürlich begeisterte vorallem der niederländische Künstler Rembrandt die intellektuelle Truppe, mit seinen grandiosen Werken aus der Barock Epoche.

Der Weg zum Stadion suchten die einen per Taxi, die anderen mit dem Zug. Gefunden haben ihn alle. Ein enstpannter Abend folgte. Die Schweizer Nati beisst nicht, sie lässt sich aber auch nicht Streicheln. Ein 0:0 war daher die fast logische Folge. Einzig die Raucher unter den Gäste-Fans echauffierten sich das eine oder andere Mal. Die Ordner machten Jagd auf ihr "Lungen-Brötchen". Eine ziemliche abstruse Doppelmoral bedenkt man doch, dass in der näheren Umgebung weiche Drogen legal konsumiert würden dürfen.

Ernest sang an diesem Abend nicht. Daher liess man die Nacht bei Bier und Automaten-Pommes Frites (ja, das gibt es tatsächlich) ausklingen. "Alles is anders" in Amsterdam.

Montag, November 14, 2011

Gästeblog: USV Eschen-Mauren:FC Gossau 3:1

Gästeblog von Voegtu:

USV Eschen-Mauren - FC Gossau
1.Liga
Sportpartk Eschen

Im Fussball gibt's keinen Konkjunktiv. Es ist immer alles möglich. Trotzdem: Die Hälfte der Meisterschaft war noch nicht gespielt und der Gegner vom Wochenende hatte schon drei mal so viele Punkte auf dem Konto als der FC Gossau.

Auf der anderthalbstündigen Hinfahrt ins liechtensteinische Eschen spekulierten wir also nur über die Höhe der sich abzeichnenden Niederlage.Umso erstaunter nahmen wir die ordentliche Leistung der Fürstenländer zur Kenntnis. Die einzigen guten Chancen wurden vom starken Adi Zürcher zunichte gemacht. Aber auch die Feldspieler spielten gut mit und erhielten noch in der ersten Halbzeit einen Elfmeter zugesprochen. Die 1-0 Führung, die bis zum Pausentee hielt, war nicht unverdient.

Weil wir in der Halbzeit Bier statt das englische Nationalgetränk konsumierten, hob sich die Stimmung und wir glaubten tatsächlich langsam an das Wunder vom Ländle. Ein Fehlentscheid eines Assis führte jedoch schon kurz nach Beginn des zweiten Durchgangs zu einem sehr unglücklichen Gegentor.

Unsere Zuversicht liess dennoch nicht nach, obwohl uns die Mannschaft in dieser Saison mehrheitlich enttäuschte. Ein Punkt wäre bis zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen. Obwohl es seitens der Fürstenländer kaum mehr zu Offensivaktionen kam, war das Führungstor möglich. Aber die Chance wurde nicht genutzt. Im Gegenteil ging Eschen-Mauren mit einem astreinen Konter 2-1 in Front.Damit war der Kick gelaufen. Nach einem Frustfoul und einer überaus dämlichen roten Karte für Mehmeti gelang den Ländle-Spielern sogar noch das 3-1. Wirklich schade, weil Gossau mit dieser Leistung einen Punkt verdient gehabt hätte und mit dem Abstieg nichts zu tun hätte, wenn die Spieler immer so kämpfen würden. Leider gibt's den Konkjunktiv im Fussball offensichtlich doch.

Dienstag, November 01, 2011

Die Skyline vor Augen...(Frankfurt Marathon 2011)

Ich stehe vor dem Hotel und blicke auf die imposanten Wokenkratzer der Frankfurter Skyline. Gleichzeitig läuft eine heruntergekommene Frau an mir vorbei, nervöser Blick und Crack-Pfeiffe in der Hand. Für diese Gegensätze ist die 680'000 Einwohner Stadt bekannt. Banken-Hochhäuser und berüchtigtes Bahnhofsviertel liegen hier nur wenige Meter ausseinander. Die hessische Metropole ist eine Ort der Gegensätze.

Frankfurt ist aber vorallem auch eine Sportstadt. Sie beheimatet zwei Vereine der 2.Bundesliga. Der Deutsche Fussballbund (DFB) hat hier seinen Sitz. Ein grosser Fixpunkt im sportllichen Jahreskalender ist mittlerweile auch der Frankfurt Marathon. Dieser Anlass hat sich zu einer der grössten Marathon Veranstaltungen Europas entwickelt.

15'000 Teilnehmer nehmen an diesem Lauf-Wettbewerb teil. Viele Veranstalter erreichen solche Zahlen nur mit einem Halbmarathon im Programm. In "Mainhatten" liegt der Fokus aber deutlich auf den 42,195km. Neben der Volldistanz wird nur noch eine sehr begrenzte Anzahl an Staffelplätzen angeboten.

Der Anlass ist perfekt organisiert. Die freundlichen Helfer und der reibungslose Ablauf bei der Startnummernausgabe am Vortrag waren die Vorboten. Am Renntag ändert sich daran auch nichts mehr. Besser kann man einen Marathon schlichtweg nicht organisieren. Die kurzen Distanzen (Bahnhof/Messe/Startgelände/Zielbereich) sind für die Läufer geradezu ideal. Ambitionierte Marathonläufer sind schliesslich dafür bekannt, dass sie im unmittlerbaren Vorfeld eines Laufs jeden Schritt (zuviel) genau abwägen.

Dies gilt auch für mich, wohl kaum zuvor war ich so fokussiert auf ein Rennen. Die Vorbereitung absolvierte ich akribisch wie noch nie. Ich wollte an diesem grossen deutschen Herbst-Marathon eine Zeit von 2h 45 Minuten laufen. Meine Halbmarathon Resultate im Sommer zeigten mir, dass diese Endzeit an einem sehr guten Tag möglich ist.

Pärtel heisst der symphatische Läufer aus Estland, der mich kurz vor dem Start anspricht. Wir plaudern über unsere Pläne für dieses Rennen. Der Historiker aus Tallinn möchte unter 2h48min laufen. Die Bedingungen für Bestzeiten sind auf jeden Fall ideal. Knapp 10 Grad Aussentemperatur, der Himmel ist wolkenverhangen, aber kein Regen in Sicht. Im Spitzenfeld wird heute der Weltrekord angepeilt, mehrere deutsche Teilnehmer haben zudem das Olympialimit im Visier.

Der Startschuss erfolgt. Ich folge Pärtel, der einen guten Weg durch das Gedränge findet. Das Teilnehmerfeld läuft am Sitz der deutschen Bank vorbei. Vor dem riesigen Gebäude hat seit einigen Wochen die "Occupy Frankfurt" Bewegung ihren Standort. Am Vortag durfte ich hier einer "Slam Poetry" Veranstaltung beiwohnen. "Ihr spekuliert mit unserem Leben" steht auf einem Banner. Die Kapitalismuskritiker schauen dem Geschehen zu. "Was die wohl über die vorbeihetzenden Massen denken?" überlege ich kurz. Die tausenden Läufer rennen allerdings nicht den Problemen unseres wirtschaftlichen Systems davon. Nein, jeder von ihnen hat sein eigenes persönliches, sportliches Ziel. Ob Kapitalist oder Sozialist.

Die ersten Kilometer legen wir in der Frankfurter Innenstadt zurück. Begeisterte Massen feuern uns an. Hier dreht der Kurs einige Male. Ich versuche mich auf meinen anversierten Kilometer Schnitt zu konzentrieren. Bei einer Abzweigung nehmen einige Läufer ein paar Meter Abkürzung. Sie werden daraufhin (zu Recht) von einem Helfer beschimpft. Ich hingegen laufe freiwillig einige Meter mehr. Ein paar Euro pro Läufer werden gespendet, wenn man ein speziellen Torbogen der Caritas Stifung passiert. Bei allem Ehrgeiz, soviel Zeit muss sein.

Ich habe das Rennen im Vorfeld in gewisse Fixpunkte eingeteilt. Dies ist meine "Salami-Taktik". Mental ist es sicherlich ein Vorteil bei einem Marathon verschiedene Abschnitte "abzuhaken". Nach 13 Kilometern überqueren wir das erste Mal den Main, das erste Teilziel ist erreicht. Den Kilometerschnitt halte ich bis anhin mühelos. Ich muss eher darauf achten nicht zu schnell zu werden. Bei meinem Frühlings Marathon in Linz gelang mir dies nicht immer. Ich büsste damals auf den letzten Kilometern für den Anfangs Effort.

Die Läufer um mich herum laufen teilweise extrem unkonstant. Gerade bei einem solch grossen Marathon muss man so etwas völlig Ausblenden. Es geht nur um die eigene Zeit, es bringt nichts vorbeisprintenden Läufern nachzuhecheln. Der Lauf führt nun dem Main entlang, beinahe alles geradeaus. Schnell, schneller Frankfurt, die Strecke ist in der Tat etwas für Tempobolzer. Kinder strecken den Teilnehmern begeistert ihre Hände zum Abklatschen entgegen. Selbst bei einer Kirche sind Motivationssprüche für die Läufer angebracht.

Das zweite Etappenziel ist nun erreicht. Ich passiere die Halbmarathon Distanz in einer Zeit von 1h 22min. Ich lege also im Soll, dies stimmt mich aber nur bedingt optimistisch. Auf den letzten Kilometern fiel es mir schon schwieriger den Schnitt von 3.53km/min zu halten. Meine Erfahrung aus 16 Marathon Teilnahmen sagt eines ganz klar, Beine lügen nicht. Ich weiss innerlich also, dass es wohl nichts wird mit der Zeit unter 2h45min.

Nach 24 Kilometern überqueren wir das zweite Mal den Main. Eine Band spielt "über 7 Brücken musst du gehen, 600 Meter Weg überstehen."Wieso singen die 600 Meter, wären es doch wirklich nur noch 600 Meter!, denke ich. Auf dem Boden erblicke ich die tiefe Startnummer eines Spitzenläufer. Es steht der Name Jan drauf. Hoffentlich musste nicht Jan Fitschen aufgeben, geht es mir durch den Kopf. Die Homepage des 10'000 Meter Europameister hab ich im Vorfeld des Marathon mehrmals besucht. Sein lockere Art als TV-Experte beim Berlin Marathon hat mir Gefallen, zudem beschrieb er auf interessante Weise seine Vorbereitung zum Frankfurt Marathon.

Ich erreiche meine persönliche 3.Etappe dieses Rennens. Wir sind nun in Höchst. In diesem Stadteil wurde der älteste City Marathon Deutschlands geboren. Hier werden wir wiederum fantastisch angefeuert. Es sind jetzt noch 12 Kilometer ins Ziel. Ich verzehre meinen letzten Power Gel und erlebe zwei Kilometer später denoch einen Einbruch. Es sind noch sechs lange Kilometer bis zur Innenstadt. Eine lange, endlos lange gerade Strecke.
Zweifel an der Vorbereitung, Zweifel am Leistungsvermögen kommen auf. Dies sind die schwierigsten Phasen eines Marathons. Einige Läufer verlieren den Kampf gegen den inneren Schweinehund und fallen ins Schritttempo. Ich kämpfe weiter.

Endlich erreiche ich die Innenstadt, meine vorletzte Etappe. Mein nächstes Ziel heisst Festhalle Frankfurt, nur noch dort hin egal wie. 2h 45 Minuten vergiss es, persönliche Bestzeit vergiss es, einfach nur noch in diese Halle. Irgendwo aus meinem Körper hole ich die Reserven für die letzten Kilometer heraus. Erfreut stelle ich fest, dass meine Abschnitts Zeiten wieder besser werden. Das Zielbanner ist nun in Sichtweite. Ich höre bereits die Speaker-Stimme in der Festhalle. Eintauchen in diese Atmospähre. Schmerzen, Qualen, fantastische Ambiance...Herrlich.

Die Uhr zeigt 2h 47min 24 Sekunden an. Persönliche Bestzeit. 24 Sekunden schneller als beim Frühlings Marathon in Linz. Weiter vorne wurde der Weltrekord um ganze 4 Sekunden verpasst. Jan Fitschen reüssierte als bester Deutscher Läufer in einer sehr guten Zeit von 2h 15min 40 Sekunden. Er hat es also doch ins Ziel geschafft.

Pärtel gesellt sich zu mir. Der Este erreichte ebenfalls eine Zeit unter 2h 48min. Die Teilnahme war nicht selbsverständlich für ihn. Letztes Jahr wollte er den Pisa Marathon absolvieren. Wegen gefrorener Strasse wurde damals der Wettbewerb abgesagt. Was für ein Pech, aus Estland nach Italien gereist und dann passiert so etwas.

Wir trinken eine Cola zusammen. Wir tauschen uns über die magischen 42 Kilometer aus. Er schwärmt vom Tallinn Marathon, ich empfehle ihm den Jungfrau Marathon. Typisch für zwei Marathon Läufer. Trotz schmerzenden Muskeln und erlittenen Qualen werden schon neue Ziele definiert.

Bald schon sitze im Zug zurück in die Schweiz. Ein tolles Erlebnis liegt hinter mir. Zweieinhalb Minuten fehlten mir zum vollständigen Läuferglück. Die nächste Chance kommt bestimmt, in welcher Stadt auch immer.