Donnerstag, August 04, 2011

SC Cham : FC Gossau 2:1 n.Verlängerung


Cup 1.Qualifikationsrunde

Sportplatz Eizmoos

150 Zuschauer

Was für Normalbürger die Neujahrsvorsätze darstellen, sind für Fussballfans die Saisonvorsätze. Dies hat jetzt nur leidlich damit zu tun, dass gewisse FC Gossau Anhänger dem Alkohol in der neuen Spielrunde vielleicht weniger zusprechen sollten. Nein, die Vorsätze beziehen sich ganz alleine auf die Mannschaft.

Zusammen mit dem Gossauer Pressechef und Historiker Karl Schmucki bestiegen wir den Zug nach Cham. Diskutiert wurde über die Vorbereitung, über die positiven, wie auch negativen Eindrücke der insgesamt neun Testspiele. Wie jede Saison bekräftigten auch dieses Mal alle, dem Verein nahen stehenden Personen, eine positive Erwartung auf die neue Spielzeit. In der Vergangenheit gingen bekanntlich einige Experimente in die Hosen. Mit "unglaublich" talentierten Spielern scheiterte man ebenso, wie mit Söldnern diverser Nationen und Kantone. Nun versucht man es im Fürstenland mit Österreichern. Fussballerisch vermochte die Alpenrepublik in den letzten Jahren nicht gerade durch Grosserfolge zu überzeugen, eigentlich nicht mal durch Kleinerfolge. Trotzdem wagt der FC G nun den Versuch mit zwei Vorarlbergern. Mit Trainer Martin Schneider (nicht der Komiker) und Verteidiger Christoph Fleisch (nicht Gemüse) setzt man auf sportlichen Enthuisiasmus und Leidenschaft aus dem Ländle.

So etwas wie Leidenschaft brachten auch eine Mehrzahl der 150 Zuschauer mit, die an diesem Mittwoch Abend dem Cupspiel der 1.Qualifaktionsrunde beiwohnten. Der Sportplatz Eizmoos ist malerisch in einer schmucken Wohnsiedlung gelegen, und offenbart durch seine Randlage auch ein gewisses landschaftliches Flair. Äussere Umstände, die den Gossauer nicht unbekannt sein sollten. Gibt es doch zurzeit Pläne die Spielstätte des FC G auch aus seiner zentralen Lage zu verdrängen. Passenderweise nahm die Gossauer Mannschaft in den ersten 45min ebenfalls eine periphere Lage auf dem Spielfeld ein. Die Chamer wirbelten ungehindert durch das Mittelfeld des Gästeteams. Die Innerschweizer vermochten ihre Überlegenheit allerdings nicht auszunützen. Das Leistungsvermögen erinnerte aber augenscheinlich an den momentanen Vergleich Schweizer Franken vs. Euro an den Börsen dieser Welt. In der 36.Minute war es dann soweit. Nach einem 40 Meter Sololauf, bei dem sich die Gäste so geschickt anstellten, wie Clowns in einer Zirkusshow, netzten die Zuger zum 1:0 ein. Da hätte auch die Nationalbank nichts dagegen ausrichten können.

Auffallend im ersten Abschnitt waren die schwache Defensiv Leistung der Gäste, obwohl Verteidiger Fleisch akustisch schon die Leaderfigur einnahm. Leider gelang ihm mit den Füssen nicht immer die optimale Umsetzung. Dies bewies der Neuzugang auch in der 77.Minute, als er einen Penalty nicht verwehrten konnte. Trotzdem muss man dem Defensiv-Akteur aus dem östlichen Nachbarland zu Gute halten, dass er gleich Verantwortung übernommen hat. Insgesamt trat der FC Gossau in der zweiten Spielhälfte überzeugender auf. Rückkehrer Safet Etemi scheiterte einmal knapp, und der eingewechselte Maksuti brachte ebenfalls Schwung in die Partie. Diesem Spieler war es dann auch vorbehalten in der 87 Minute den verdienten Ausgleich zu erzielen.

Vielumjubelt wurde dieser Treffer auf Gossauer Seite. Trotz des Ausgleichs war ein langhaariger Chamer Zuschauer dermassen erfreut, über die emotionalen Gäste Anhänger, dass er eine Runde Bier spendieren wollte. Wieso der gute Mann schlussendlich ein paar Hot Dog's vorbei brachte wissen wohl nur die Götter über dem Zugersee.

Die Verlängerung zeigte in der Folge leichte Vorteile für den SC Cham. Als sich alle Zuschauer bereits auf einen Elfmeterkrimi einstellten, verursachten die Gossauer mit einer ungeschickten Aktion einen Elfmeter. Eiskalt wurde dieser verwandelt und der Traum vom grossen Cuplos war für die Ostschsweizer damit ein weiteres Mal begraben.


Die Blau-Weissen stehen vor einer weiteren schwierigen Saison. Wichtig ist, dass die erfahrenen Spieler, wie z.b Todisco, Alija, Etemi und Goalie Zürcher (im Cup nur Ersatz) ihr Leistungsvermögen optimal abrufen können. Dieses Cup-Out hinterliess wie die gesamte Vorbereitung positive und negative Eindrücke. Wir bleiben jedenfalls bescheiden optimistisch im Hinblick auf die kommende Spielzeit.


PS: Viro, Besten Dank für den Fahrdienst. So wurde uns die nächtliche, mühsame Zugreise erspart.

Mittwoch, August 03, 2011

Von Klosters nach Davos

Vor einem Jahr überquerte ich nach 7h 48min und 78 Kilometer die Ziellinie des Ultra Alpin Marathon von Davos. Ein unvergessliches Erlebnis bei traumhaften Bedingungen.

Dieses Jahr sieht meine Saisonplanung anders aus. Im Frühling stellten der Linz Marathon und der Alpin Marathon in Liechtenstein die Höhepunkte dar. Nach den Sommerferien gilt mein Fokus der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon Ende Oktober. Dabei werde ich bis Ende August noch ein-zwei Bergläufe bestreiten.

Die Wetteraussichten waren nicht berauschend, trotzdem entschied ich mich spontan für die Teilnahme am Halbmarathon anlässlich der Swiss Alpine Veranstaltung. Mit dem Zug fuhr ich am Samstag Vormittag Richtung Bünderland los. Bereits in Gossau traf ich auf einen weiteren Teilnehmer dieses Rennens. So verlief die Anfahrt kurzweilig und sogar lehrreich. Der Sportfunktionär erklärte mir den Unterschied zwischen Turnfest und Sportfest (2012 in Gossau). Wie in der Schweiz nicht anders zu erwarten, hat das Ganze etwas mit den Konfessionen zu tun.

Der K21 (so nennt sich hier der Halbmarathon) startet in Klosters. Die Sunnibergbrücke bildet den imposanten Startort für diesen Lauf. Unterschätzen darf man hierbei nicht, dass man vom Bahnhof Klosters noch per Extrazug zu dieser Brücke fahren muss. Anfänglich wollte ich meine Anreise knapper gestalten, da hätte ich wohl nur noch den fernen Startschuss vernommen. Das Glück war mir aber wieder mal Hold, und alles verlief planmässig. Vor Rennbeginn wurde unter den Vorjahrs-Teilnehmern rege diskutiert, ob die neue Streckenführung nun schneller und besser, oder langsamer und mühsamer sei. Da ich das erste Mal dabei war hatte ich naturgemäss zu dieser Diskussion nicht viel beizufügen. Es sollte sich aber herausstellen, dass das Rennen langsamer wurde.Teilweise verloren (auch) Spitzenleute bis zu 8 Minuten auf ihre Vorjahreszeit. Vielleicht war der Lauf dieses Mal auch ein wenig länger. Meine Sportuhr zeigte im Ziel jedenfalls 22 Kilometer an. Letzes Jahr reüssierte übrigens der Schweizer Langlauf Star Dario Cologna mit einer Fabelzeit von 1h 20min. Bei der Austragung 2011 fehlte der Weltcup Gesamtsieger. Dafür sprang sein Teamkollege Toni Livers in die Bresche und lief auf den hervorragenden dritten Rang.

Ich platzierte mich von Beginn weg zwischen Rang 15 und 25. Die zwei langen und intensiven Steigungen bis Kilometer 13 konnte ich gut verkraften. Allerdings hatte ich das komische Gefühl, dass mir ein wenig Energie fehlt. Ich bildete mir auch ein, dass ich dringend etwas Essen sollte. Dabei hatte ich eigentlich genügend gegessen am Vormittag. Merkwürdigerweise begleitete mich dieses Hungergefühl aber schon die ganze Woche, evtl. war meine Ernährung nach den Ferien nicht ideal. Man hat ja auch (oder vor allem) als Sportler das Gefühl nach dem Urlaub müsse man sich wieder gesünder ernähren. Vielleicht war das Ganze auch nur Einbildung, zumindest habe ich keinen Einbruch erlitten, und auch mein Kilometer Schnitt spricht dagegen. Trotzdem war ich froh, dass es bei Kilometer Zehn Bananen als Verpflegung gab.

Die letzten 8 Kilometer nach Davos führten durch den schönsten Streckenabschnitt. Durch ein Waldstück und später entlang des Davosersee erreichte man den Winterskiort. Hier hatte ich "schnelle" Beine und konnte sogar zu meinen Vorderman aufschliessen, der mich zwischenzeitlich doch einige Sekunde abgehängt hatte. Zwei Kilometer vor dem Ziel überholte ich ihn dann sogar, allerdings blieb er an mir dran und schlug mich beim Endspurt. Er konnte nochmals zusetzen, das traf auf mich nicht zu. Mit dem Gesamtrang 19 und den zweiten Platz in der Altersklasse M30 war ich denoch sehr zufrieden. Vorallem weil der Lauf auch ein starkes Teilnehmerfeld aufwies. Man kann wohl von einer soliden Leistung sprechen, an einem sehr guten Tag wäre vielleicht noch ein wenig mehr dringelegen.


Anmerkungen:
Den letztjährigen K78 erlebte ich in Sachen Organisation als perfekten Anlass. Beim K21 gab es da schon einige Schönheitsfehler, die auch von anderen Läufern kritisch gesehen wurden.

- Die Kilometer Angaben fehlten teilweise. Für mich war das kein Problem, weil meine Uhr die Kilometer erfasst. Ein älterer Läufer erzählte mir nach dem Rennen, dass ihm dieses Hilfsmittel fehlte, und die Renneinteilung deshalb schwierig war.
-Das hohe Startgeld. Der Swiss Alpine gilt in Läuferkreisen, als ziemlich teure Angelegenheit. Natürlich steht hinter diesem Anlass eine riesige Organisation, die auch nicht kostenlos ist. Gerade das Antrittsgeld für den K21 ist im Vergleich zu anderen Läufen allerdings doch recht hoch.

Montag, Juni 27, 2011

Gästeblog: Schweiz U-21 -Spanien U-21

Gästeblog von Voegtu, der sich mit zwei Kollegen und einem schwedischen PKW nach Dänemark ans EM Finale aufmachte.





EM Finale U-21


Die Idee nach Dänemark zu fahren, entstand noch vor dem Halbfinale gegen die Tschechen. Es würde ja sowieso ein Endspiel geben: Entweder um die Olympia-Teilnahme oder um den EM-Titel 2011. Wie wir alle wissen, spielte die Schweiz im lauschigen Städchen Aarhus auf dem dänischen Festland um Gold oder Silber. Laute Stimmen, dass es sich nur um ein Juniorenspiel handele, ignorierten wir geflissentlich.

Nach langem hin und her entschieden wir uns für das Auto als Verkehrsmittel und starteten am Freitag Abend um 22 Uhr mit zwei Wagen, unter anderem einem VOLVO. Dieser brachte uns in nur zehn Stunden längs durch die schöne Bundesrepublik Deutschland nach Aarhus. Da wir im Hotel schon einchecken konnten, trennten sich die Wege. Während sich einige schlafen legten, gingen andere auf Erkundungstour durch die Stadt.

Die Bierpreise hielten sich frühmorgens mit acht Franken pro Becher noch in Grenzen. Ein Basler, der sich zu uns setzte schien das wenig zu interessieren. Er orderte sich eine Ovo und leerte sich diese Flugs über die Hose, weil er sich beim Herausklauben der Eiswürfel aus seinem Orangensaft etwas gar ungeschickt anstellte. Wir überliessen den jungen Mann vorerst seinem Schicksal und suchten das Irish Pub auf, das Bier zum halben Preis ausschenkte.

Nach einer unvergleichlichen Siegesserie im Töggelen holten wir den Fetzen aus dem Hotel und lauschten in der Fanzone Aarhus der schönen Stimme von Marie Ditte. Nicht nur deswegen hingen wir wie gebannt an ihren Lippen und konnten unseren Blick kaum mehr von dieser dänischen Schönheit nehmen. Wenn das Konzert nicht um sieben Uhr geendet hätte, wären einige wohl auf die Idee gekommen, das Spiel sausen zu lassen und weiterhin der Blonden zuzusehen.

Kurz vor dem Stadion kauften wir die obligate Flasche edlen Weissweins aus dem Tetrapak und schafften es tatsächlich, diesen auf die Zuschauerränge mitzunehmen. Aufgrund des unvorsichtigen Verhaltens einer Einzelperson, wurde uns der Traubensaft von einem Ordner aber wieder abgenommen. «Dä het sowieso Zapfe gha», versuchte sich der Mann mit dem Bauch anschliessend rauszureden. Irgendwas war tatsächlich: Nach zwei Schlücken hatten die zwei anderen VOLVO-Fahrer plötzlich immense Kopfschmerzen.

Das Spiel plätscherte so vor sich hin und ging aufgrund der besseren Effizienz der Spanier verdient verloren. Bis wir zurück in der Stadt waren, zeigte der Zeiger unserer Digitaluhren Mitternacht. Zeit für ein Bier. Wie aus dem Nichts tauchte der Ovo-Basler wieder auf und zeigte allen ein Foto von sich und Arno del Curto. Bravo. Für die Härtesten dauerten die Festivitäten bis um drei Uhr morgens, andere legten sich vorher hin. Höhepunkt: Drei Küsschen von den zweit- bis viertschönsten Däninnen im Tausch für drei Gossau-Kleber.

Für den Heimweg erhofften wir uns eine ähnlich reibungslose Fahrt. Daraus wurde aber aufgrund einer Motorrad-Predigt nichts. 60'000 Töff-Fahrer machten uns einen Strich durch die Rechnung. Weil wir aufgrund der Entscheidung eines Einzelnen mit dem VOLVO die Autobahn verliessen, verdödelten wir über zwei Stunden. Zum Zeitvertrieb spielten wir auf der Fahrt neben der neusten Michael-Holm-Scheibe lustige Wortspielchen, die immer mit im gleichen Thema endeten, weil wir einen kapitalen Fehler machten: «Du muesch immer am Vorabig vode Rückfahrt nudle, süsch bisch när di ganz Zit spitz».

Montag, Juni 13, 2011

12.LGT Alpin Marathon 2011

Gegen acht Uhr morgens erreiche ich das Fabrikgelände eines grossen Liechtensteiner Fleischverabeiters. Hier befindet sich das Startgelände. Die Wettervorhersagen hatten Recht behalten. Es tropft fleissig vom Himmel. Der Speaker dieses Anlass macht den Läufern fairerweise keine grossen Hoffnungen, dass sich an diesen Gegebenheiten noch etwas ändern wird.

Die rund 800 Läuferinnen und Läufer lassen sich vom regnerischen Wetter aber nicht beirren. Akribisch werden die letzten Vorbereitungen durchlaufen. Ein Schluck aus der Iso Flasche, ein Biss in die Banane, der Austausch mit den Kollegen über die Tücken der Strecke.
In der Personalkantine der bekannten Firma befindet sich die Starnummernausgabe. Ein Plakat sticht mir ins Auge. Wahrscheinlich der Firmengründer meint darauf "ich habe mich 50 Jahre mit Speck beschäftigt und nicht mit Sport, und habe trotzdem kein Kilo zu viel". Ich muss Schmunzeln, ein symphatischer Spruch in Zeiten des "Bewegungs-Wahns".
10 Minuten stehe ich für meine Nummer an. Leider findet die freundliche Dame meinen Namen auf der Startliste nicht. Schlussendlich stellt sich heraus, dass ich als Elite Läufer vermerkt bin. Deshalb darf ich einen sepearten "Schalter" benutzen. Ich erröte beinahe und hoffe inständig diesem Status und meiner tiefen Startnummer 15 während des Laufes gerecht zu werden.

An ein Aufwärmprogramm ist nicht zu Denken. Jeder Teilnehmer sucht sich irgendwo auf dem Gelände ein trockenes Plätzchen. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Markus Merk schlendert fünfzehn Minuten vor dem Start noch seelenruhig mit der Sporttasche umher. Natürlich wird der ehemalige Weltklasse-Referee pünktlich beim Start sein. Das Ziel in Malbun erreicht er dann gut viereinhalb Stunden später. Eine sehr ansprechende Zeit des bald 50jährigen Deutschen.

Vor dem Startschuss herrscht nicht das übliche Gedränge um die besten Plätze. Bei einem Berg-Marathon entscheiden im Normalfall keine Sekunden über Sieg oder Niederlage. Die ersten 10 Kilometer wird trotzdem Tempo gebolzt. Dem Rheindamm entlang, geht es vorbei am Stadion des FC Vaduz, hinein in die Hauptstadt des kleinen Landes. An der Spitze hat der Ostschweizer Patrick Wieser bereits einen grossen Vorsprung heraus gelaufen. Diesen wird er bis zum Ziel im Liechtensteiner Skiort sogar noch ausbauen.
Wir laufen am Schloss des Fürsten vorbei. Meine Beine fühlen sich gut, aber ich merke das Unterleibchen wäre trotz "Schafskälte" nicht nötig gewesen. So vollbringe ich einen fliegenden Wechsel während des Laufens und entsorge die überflüssige Kleidung nicht ganz umweltgerecht. Es geht nun stetig aber nicht sehr steil hoch bis auf rund 1'600 m.ü.Meer. Bereits jetzt laufe ich ein ziemlich einsames Rennen. Vor mir erblicke ich nur Konkurrenz, wenn das Gelände übersichtlich ist. Ein Zuschauer ruft mir zu, dass ich mich auf dem 13. Zwischenrang befinde.

Die Strecke ist sehr schön, leider verhindert das schlechte Wetter einen Ausblick auf das Rheintal. Ab Kilometer 21 geht es relativ flach weiter. Ich muss mich regelrecht zusammereissen, dass ich mich auf mein Rennen konzentriere. Diese Ruhe in den Wäldern, das entspannte Laufen, die Einsamkeit...
Für Abwechslung sorgen die Verpflegunsposten mit reichlicher Auswahl. "Weiter so Meister, weiter so". meint ein netter Helfer mit italienischem Akzent. Ich schmunzle und mache mich bereit für den Aufstieg zum höchsten Punkt der Strecke auf 1'771 m.Ü.Meer. Jetzt heisst es Kämpfen. Zu meiner Überraschung erblicke ich vor mir zwei Läufer. Einer davon ist Felix Schenk, ein bekannter Athlet aus dem Thurgau, der viele Erfolge vorweisen kann. Ich komme immer näher ran, und kurz vor Ende des langen Anstiegs überhole ich die Beiden. Schenk wünscht mir viel Glück für den Rest des Rennens, eine sehr symphatische Geste.

Oben angekommen verpflege ich mich ein letztes Mal. "Es hört auf zu Regnen" sage ich zu den Helfern. Eine umgekehrte Fatamorgana, aber in Anbetracht meiner guten Stimmung sehe ich wohl beinahe die Sonne durch die regenverhangen Wolken scheinen. Es geht nun nur noch bergab bis Malbun. Ein tolles Laufgefühl begleitet mich. Bei Kilometer 37 führt die Strecke nahe am Ziel vorbei. Ich höre den Speaker von nun an bis zum Schluss meines Rennens. Allerdings liegt noch eine Runde im "Kessel" obehalb von Malbun vor mir. Zwei Schulmädchen rufen mir zu "Den Läufer vor ihnen holen Sie noch ein". Ich bedanke mich für Anfeuerungen und mache mich auf die Verfolgung. Tatsächlich zwei Kilometer vor Schluss überhole ich meinen Konkurrenten, just nach dem letzten kurzen Anstieg dieser Strecke.

Die Beine tragen mich nun von selbst in den Touristen-Ort. Ziemlich Geschafft, aber glücklich erreiche ich das Ziel. Zu meiner grossen Verblüffung reicht es zu Rang 9 im Gesamtklassement. Eine Platzierung die ich in diesem gut besetzten Marathon nie erwartet hätte. Das Preisgeld verpasse ich um einen Rang. Natürlich ärgert mich so etwas nicht im Geringsten.

Mein 16.Marathon war einer der Schönsten, trotz Dauerregen, trotz einer Vorbereitung, die ich nicht unbedingt zielgerichtet auf diesen Lauf absolvierte. Viele Laufkollegen schwärmten mir von diesem Alpin Marathon vor. Sie haben Recht behalten. Eine malerische Strecke, sehr freundliche Helfer, und ein reibungsloser Ablauf. Ein grosses Kompliment geht an das Organisationsteam im Ländle. Ich komme wieder.

Montag, Mai 23, 2011

FC Gossau : FC Zug 94 3:1

("Gebt mir ein H!.....")

1.Liga
Sportplatz Buechenwald
500 Zuschauer

Die Chrüzegg liegt 1'265 m.ü.Meer. Von dort oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den Zürichsee und den Bodensee. Rund 180 Teilnehmer des "Kreuzegg Lauf" liefen an diesem sommerlich warmen Frühlingstag die 12 Kilometer den Berg hoch, um diese fantastische Fernsicht zu geniessen. Keuchend und ziemlich ausgelaugt konnte ich in der Höhe noch einige Momente verharren, um danach gleich wieder den Weg nach unten anzutreten.
Dabei dachte ich bis vor einigen Wochen, dass ich an diesem Samstag endlich einmal in Ruhe vor einer Toggenburger Berghütte entspannen kann. Mit einem Bier hätte ich mich von den Strapazen erholt, mit anderen Läufern Erfahrungen ausgetauscht, irgendwann gemütlich den Heimweg angetreten...

Es kam wie so oft anders... Der FC Gossau startete vor einem Monat ein furioses Comeback und erspielte sich an diesem Tag ein finales Spiel gegen den FC Zug. So lief ich um 15.02h über die Ziellinie, um rund 110 Minuten später auf der Tribüne beim Buechenwald Sportplatz zu stehen. Sehr erfreut nahm ich den 2:0 Vorsprung der Gastgeber zur Kenntnis. Die Nervosität gewisser Leute liess mich aber vermuten, dass hier noch niemand den "Appenzeller Alpenbitter" kalt gestellt hatte. Es mussten also nochmals 45.Minuten 1.Liga Existenzkampf erdultet werden, befürchtete ich. Doch diese Angst war unbegründet. Die Fürstenländer spielten absolut souverän. Der Kampf gegen den Berg war für mich an diesem Tag definitv anstrengender, als die Nervenschlacht in der 2.Halbzeit dieser Partie. Man fragte sich als Anhänger erneut, wieso konnte diese Mannschaft nicht die ganze Saison solch tolle Leistungen abrufen? Man wäre nie in diese unbequeme Lage gekommen. Der Matchbericht auf der Homepage des FC Zug fand für die Darbietung des Heimteams jedenfalls die passenden Worte: "Die St. Galler suchten den Erfolg mit weiten Bällen aus der Abwehr heraus und schnell vorgetragenen Angriffen über die Aussenbahnen. Und weil sie mit Herzblut um jeden Zentimeter des Rasens kämpften, lachte ihnen das Glück des Tüchtigen".
Selten zuvor gab es eine Mannschaft die zwei so verschiedene Gesichter zeigte, wie der FC Gossau in der Saison 2010/11. Ein Unterschied, wie John Lennon und Dieter Bohlen, wie Alex Frei und die Schweizer "Nati", wie Christoph Mörgeli und ein Juso Delegierter, wie YB und ein Titelgewinn. Eine Übernahme von Neuchatel Xamax durch einen tschetschenischen Oligarchen schien vor Monaten um einiges realistischer, als der Klassenerhalt durch die Fürstenländer.

Als der Schiedsrichter nach einigen Minuten Nachspielzeit die Partie beendete, bejubelten die Zuschauer den ungefährdeten 3:1 Sieg. Natürlich feierten auch die Spieler, ausgelassen, emotional und euphorisch. Bis einige Spieltage vor Schluss hätte man dieser Mannschaft nicht einmal beim Sommerurlaub mit einem schwedischen Damen-Volleyballteam einen Gefühlsausbruch zugetraut. Roli "Gerland" Näf und Jan Berger haben diese Mannschaft wachgerüttelt. Gerne hätte man die beiden auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie gesehen. Der Vorstand hat allerdings andere Pläne, es bleibt zu hoffen, dass mit dem neuen Trainer trotzdem endlich die erhoffte Kontinuität in den Verein kommt. Diese Saison mussten die Anhänger die dritte desaströse Spielzeit hintereinander über sich ergehen lassen. Trotz geglücktem Ligaerhalt muss ganz klar betont werden, dass diese 1.Liga Meisterschaft aus Gossauer Sicht eine herbe Entäuschung darstellte. Einige Spieler werden den Verein nun verlassen. In Anbetracht dieser Tatsache bricht man nicht gerade in Tränen aus. Andere Leute wie z.b. Zürcher, Grämiger, Güntensperger, Todisco und Oertig sollten hingegen gehalten werden. Das alles dann aber wieder in der neuen Saison.

Nach dem Spiel gegen Zug feierte die ganze Mannschaft mit den Fans vor dem Clubheim. Eine "Humba" wurde inszeniert, Zigarren geraucht, Gesichter ohne Schnäuze begutachtet und von langjährigen Vereinsmitgliedern wurden die üblichen Geschichten aus alten Tagen erzählt.

Mittwoch, Mai 18, 2011

Dramatik + Spannung Pur in Gossau

Pokalendspiel in Berlin! Titelduell und Abstiegskampf in der Schweiz! Dieses Wochenende belastet das Nervenkostüm vieler Fussballfans.

Dramatik und Spannung gibt es auch in Gossau. Unsere wiedererstarkte erste Mannschaft benötigt einen Sieg um den Abstieg zu verhindern. Mit engagierten und kämpferischen Auftritten hat sich das Team diese "Letzte Chance" erarbeitet. Die Mannschaft braucht in dieser finalen Partie die Unterstützung des gesamten Vereins und aller Anhänger der Blau-Weissen.

Unser FC Gossau soll in der 1.Liga bleiben. Eine starke erste Mannschaft stellt das Fundament für die Zukunft des FC Gossau.

Ob Gross, ob Klein, ob Junior oder Trainer, ob Fan oder Sympathisant…

"Chömed alli zum Sportplatz Buechewald"

FC Gossau - Zug 94
Sportanlage Buechenwald
Samstag, 21. Mai 2011 16.00 Uhr

HOPP GOSSAU

Donnerstag, Mai 12, 2011

FC Gossau : SC Cham 3:2

1.Liga
Stadion Buechenwald
200 Zuschauer

Wer hätte das gedacht? Die Natur in Mitteleuropa freut sich Mitte Mai auf ausgiebige Regenschauer. Wer hätte das gedacht? Die Schweiz schaffte den Einzug ins Finale des Concours d'Eurovision. Wer hätte sich das erträumen lassen? Bundesrat Ueli Maurer hält im Sommer die Festtagsrede zum "Walter Zoo" Jubiläum.

All diese Dinge würde man vielleicht in den verrücktesten Fantasien für möglich halten. Jedoch wäre jeder Mensch als hoffnungsloser Spinner hingestellt worden, wenn er auf ein Comeback des FC Gossau im Abstiegskampf gewettet hätte.

Noch vor zwei Wochen präsentierte sich ein emotionsloser Haufen wechselwilliger Spieler auf dem Buchenwald Sportplatz. Kraftlos, willenlos und dem eigenen Schicksal gleichgültig ergeben kassierten sie Kanterniederlage auf Kanterniederlage. Die Wörter "Debakel," "Chancenlos" und "Absteiger" kamen in beinahe jedem Spielbericht über die Fürstenländer Kicker vor. Und nun die überraschende Wende…

Völlig überraschend fuhren die Gossauer mit drei Punkten im Gepäck zurück vom Auswärtsspiel in Mendrisio. Auf einmal ist der Ligaerhalt wieder möglich, wenn auch nur theoretisch. Die Skeptiker interpretierten den Sieg nur als erneutes Strohfeuer, der eigentlich talentierten Blau-Weissen "Tschütteler". Solche lichte Momente hatte diese Mannschaft bekanntlich einige Male in dieser ansonsten desaströsen Saison. Doch es scheint kein kurzes Aufflackern gewesen zu sein. Der FC Gossau zeigte auch beim Heimspiel gegen den SC Cham eine überzeugende Leistung.

Der neue Trainer Roli "Gerland" Näf trifft wohl den richtigen Ton. Die Mannschaft wirkt gefestigter und vor allem kämpferisch überzeugend. Ein Spieler wie Tastemel präsentiert sich geradezu wie verwandelt. Freude bereitet auch der junge Simani im Mittelfeld. Das Gossauer Eigengewächs zeigte gegen die Innerschweizer ein tolles Spiel. Stürmer Silvan Eggmann ist im Moment der erhoffte Torgarant. Adi Züricher, der als einziges Teammitglied (fast) die ganze Saison überzeugte, hielt in überragender Manier einen Elfmeter.

Die Truppe schaffe es gar, seit langem wieder so etwas wie Emotionen auf der Tribüne auszulösen. In letzter Zeit herrschte auf dem Sportplatz ansonsten ein Geräuschpegel, wie beim Ja-Wort von William und Kate im Westminster Abbey. Die letzten Minuten wurde mit der Mannschaft mitgezittert, ob es beim knappen 3:2 bleiben würde. Der Schiedsrichter liess lange nachspielen, zum Ärger aller Beteiligten. Die Spieler wollten den Sieg, die Zuschauer wollten nach Hause, weil ein Gewitter im Anmarsch war, und die Chamer Spieler mussten auf den Zug. Nicht nur durch Wahl des Fortbewegungsmittel hinterliessen die Gäste einen symphatischen Eindruck. Das Team des Ex-FSV Mainz Profi Sven Christ musste zwar in Gossau die lezten vagen Hoffungen auf die Aufstiegs Playoffs begraben, trotzdem blieben sie zu jeder Zeit fair.

Nun muss der FC G aus den letzten beiden Partien vier Punkte holen um den Ligarerhalt doch noch zu schaffen. Es gibt durchaus Stimmen aus dem Umfeld, die einen Abstieg in die 2.Liga Interregional begrüssen würden. Der Eindruck ist insgesamt gespalten. Vielleicht wie wenn man Sommeferien in einem schönen Hotel bucht, auch wenn im letzten Jahr nur schlechtes Wetter war. Der Rahmenbedinungen waren zwar gut (1.Liga), aber es nützt nichts, wenn das Wichtigste eine reine Enttäuschung (Mannschaft) ist.

Allgemein zur Situation des FC Gossau: Sollte es tatsächlich reichen, oder auch nicht. Eins ist klar, es muss ein klarer Schnitt gemacht werden. Diejenigen Spieler, die eine Söldner Mentalität besitzen, wie ein afrikanischer Profi bei einem ukrainischen 2.Liga Verein müssen endgültig verschwinden. Diese Leute sind pures Gift für eine Mannschaft. Junge Eigengewächse, Leute die sich mit dem FC Gossau identifizieren, und vielleicht ein paar ältere Spieler, die schon mal bei den Blau-Weissen spielten. So sollte das Fanionteam der Fürstenländer im nächsten Jahr aussehen.
Der Gesamtverein muss als Einheit gegenüber aussen auftreten. Das Image in der Bevölkerung ist im Moment nicht gerade toll, da könnte man die ganze Saison mit dem Zug an Auswärtsspiele fahren, die Sympathiewerte wären immer noch bescheiden…