Dienstag, Dezember 21, 2010

35 Allgemeinplätze über den Schweizer Fussball

das Magazin "11 Freunde" hat in seiner neusten Ausgabe 150 Allgemeinplätze aufgelistet. Sätze und Aussprüche mit denen ein Fussballfan so durchs Leben kommt. Eine grossartige Idee, und darum habe ich so eine Auflistung mit Bezug auf die Schweizer Fussballlandschaft aufgestellt.

Wikipedia beschreibt Allgemeinplätze übrigens wie folgt: Gemeinplatz wird nicht immer negativ gesehen: „Wortschablonen haben einen großen Vorteil: Sie erleichtern den Austausch über unsere inneren und äußeren Erfahrungen. Doch manchmal verselbständigen sie sich auch. Jeder von uns trägt seine geliebten Gemeinplätze mit sich herum und läßt seine Mitmenschen daran teilhaben.“ Da Sprache den Menschen nicht nur dabei hilfreich ist, neue Gedanken zu entwickeln und zu kommunizieren, sondern auch bei der Begründung und Weiterführung der sozialen Kontakte, lassen sich Gelegenheiten vorstellen, bei denen Gemeinplätze eine positive Funktion erfüllen

also los geht’s:

1) Lausanne und Servette gehören einfach in die Nationalliga A.

2) man kann heutzutage gar nicht mehr mit Kindern ins Stadion, es ist zu gefährlich.

3) das sind doch heutzutage keine Fussballfans in den Stadien, das sind Chaoten.

4) die Tifosi im Tessin sind als besonders heissblütig bekannt.

5) das Tourbillion ist ein richtiger Hexenkessel

7) der FC Sion ist eine Cupmannschaft.

8) Es ist schon ein Wahnsinn, wie der Constantin mit den Trainern umspringt.

9) Hakan Yakin wäre ein Weltklassespieler geworden, wenn er sein Potential besser ausgeschöpft hätte.

10) Murat Yakin wäre ein Weltklassespieler geworden, wenn er sein Potential besser ausgeschöpft hätte.

11)Alain Sutter's Frisur ist ganz schlimm, seine Analysen sind aber nicht schlecht.

12)das Spiel an der WM 1994 gegen Rumänien war das beste Spiel einer Schweizer Fussballnationalmannschaft.

13)Wir waren immerhin die einzigen, die den Weltmeister Spanien geschlagen haben..

14)Alex Frei hat viel für den Schweizer Fussball gemacht, aber er ist mir unsymphatisch.

15)Köbi Kuhn war als Trainer zu lieb, aber genau darum war die Nati so erfolgreich.

16)St.Gallen hat das schönste Stadion der Schweiz

17)Bern hat das schönste Stadion der Schweiz

18) YB hat auch einen Vorteil wegen dem Kunstrasen, das darf man nicht unterschätzen

19) YB gewinnt nie irgendeinen Titel.

20)Basel hat das schönste Stadion der Schweiz

21) Der FC Basel ist nur so erfolgreich wegem dem Geld von Gigi Öehri.

22)Luzern hat bald das schönste Stadion der Schweiz

23)Leute die Fackeln in einem Stadion anzünden gehören eingesperrt.

24)Die Zürcher interessieren sich einfach nicht für Fussball, darum haben sie keine Zuschauer.

25)die Schweizer Fussballverband macht eine vorbildliche Juniorenarbeit.

26)Ich finde es ganz schlimm, dass die Secondos von anderen Verbänden abgeworben werden.

27)2006, das war die goldene Generation des Schweizer Fussball.

28)Beni Thurnherr sollte endlich aufhören.

29) Beim Blick lese ich sowieso nur den Sport-Teil

30) Ich finde es gut, dass GC so auf die jungen Spieler setzt.

31)Ciriaco Sforza wird einmal ein grosser Trainer

32)Es würde mich nicht wundern, wenn GC diese Saison absteigt

33)Es würde mich nicht wundern, wenn St.Gallen diese Saison absteigt.

34) Das Nati-Publikum, das sind auch keine richtigen Fussballfans.

35)Ich schaue sowieso nur Bundesliga und Premier League, das Niveau in der Schweiz ist mir einfach zu schlecht.

36)der österreichische Fussball ist sicher schlechter, als unser Fussball.

Montag, November 15, 2010

Gästeblog: FC Zug 94 - FC Gossau 5:2

Gästeblog: von Dani
1.Liga
Stadion Herti
250 Zuschauer

Zug 94 - FC Gossau vor gefühlten 50, offiziell aber 250 Zuschauern.Mit Mobil ging es am Sonntag gegen 1230 los in Richtung Innerschweiz. Gegen den Tabellenvorletzen machte man sich gewisse Hoffnungen, unsere Gossauer beim nächsten Sieg zu sehen. Die Voraussetzungen hierfür waren nicht so schlecht, zumal man mit einem Einsatz vom neuen Hoffnungsträger Rodrigo rechnen konnte. Ich erreichte das Spiel dannnoch bei Minute 0:00, was mich erst sehr verwunderte. Zumal ich meiner Verspätung bewusst -und schon heftige Bewegungen auf dem Platz auszumachen waren. "D'Stadionuhr funktioniert hüt nöd, mir müend üs uf d'Uhr vom Schiri verloh", wurde mir dann der Stadionsprecher von den mitgereisten Gossauern zitiert. Das Spiel begann ganz ok, bis dann in Minute 14 und 16 ein Doppelschlag seitens der Zuger zum ganz bösen Erwachen führte. Leider muss man erwähnen, dass seitens FCG bei keinem der beiden Tore die Unschuld festzustellen war. In Minute 30 pfiff derSchiedsrichter dann aber einen Elfer für Gossau. Leider wurde die Vision eines der Mitgefahrenen (da git jetzt aber niemols öppis!) auch Realität und kurze Zeit darauf fiel ein Ball sogar nochzum 3:0 hinter die Linie von Adi Zürcher. So ging man also mit einem 0:3 in den Pausenkaffee (Kirsch, nicht Träsch! Man sei hier in Zug, gefälligst :-)).

Zu Beginn von HZ 2 spielten die Gossauer munter mit und es kam so etwas wie Hoffnung auf, hier doch noch die eine oder andere Torchance zu erleben (mehr durfte an diesem Tag nicht gehofft werden, so trüb sah das alles aus). Zumal der mit Spannung erwartete Rodrigo nun mit der Nr. 20 im Mittelfeld zauberte. Leider kassierte man aber nach gut 20 Minuten bereits das 5:0, womit das Spiel endgültig entschieden war. Ein Einheimischer gesellte sich dann noch zu uns in die Kurve und schwärmte von der Ostschweiz. Seit irgend ein Verwandter von ihm irgendwo inder Ostschweiz lebe finde er das alles absolut klasse. Wir mussten ihm dann erklären, dass es da auf der A1 nahe der Kantonsgrenze einen ganz schwarzen Fleck gäbe, welcher auch ihm unmöglich gefallen könne.Zwischenzeitlich konnte Gossau auf 5:1 verkürzen. Rodrigo spielte einen Zuckerpass und man musste nur noch einschieben. Als man wenige Minuten später dank eines Freistosses im Strafraum (nach Rückpass) den Andersson machen konnte keimte sogar wieder Hoffnung auf. Leider war aber nur die Stadion-, nicht aber die Schiedsrichteruhr kaputt, womit läppische 2 Minuten plus Nachspielzeit für 3 Tore übrig blieben.Anzunehmen, dass hier nichts mehr ging. Nach Spielschluss wurde die Mannschaft in die Kurve geschickt, wo sie sich für die Leistung entschuldigten. Netter Zug von Olaf Sager. Hoffen wir beim nächsten Male kommt die Mannschaft wieder freiwillig und nicht um sich zu entschuldigen.

Dienstag, November 09, 2010

FC Gossau : FC Rapperswil-Jona 3:1


1.Liga
Sportanlage Buechenwald
300 Zuschauer

Die Mitglieder der SPP (SPurt-Partei) waren sich einig. Das ausufernde und kapital schlechte Wetter muss endlich überwunden werden. Die letzten Jahrzehnte zeigten auf, dass diese Wetterlage langfristig nicht zu gerechten Läufen auf der ganzen Welt führen kann. Gleiche Chancen für alle! Dieser Punkt gilt als Fernziel im Parteiprogramm der SPP.
Die Abschaffung des teuren und kühlen Spätherbst stand auch zur Debatte und wurde ebenfalls klar angenommen. Obwohl die Schweiz bekanntlich den besten November der Welt besitzt. In naher Zukunft soll nun trotzdem das Thema Spätherbst mit einer Initiative angegangen werden. Es kämpften am heutigen Tag nämlich eine Armee von 200 Läufern 17,6 Kilometer gegen die misslichen Bedingungen an.

Ob linker Parteiflügel, oder rechter Parteiflügel, alle hatten mit den mühsamen Bedingungen zu kämpfen. Einige Genossen zogen trotzdem ein horrendes Tempo an. Da wurde keine Rücksicht auf Solidarität gelegt.

Die Revolution beginnt bekanntlich von unten. Doch nicht das hintere Läuferfeld machte den Sieg unter sich aus, sondern die Parteibonzen an der Spitze. Trotzdem darf der Wettkampf als Sieg der gesamten Läuferbewegung verstanden werden, zumal ein wichtiger Erfolg gegen imperialistische Feinde eingefahren werden konnte.

Die Freude war umso grösser, dass nach dem Athletik-Triumph von Dynamo Gossau, auch ein weiterer Sieg für die geliebte Stadt erkämpft wurde. Auf dem fussballerischen Parkett überzeugten die Genossen auf ganzer Linie. Ein übermächtiger Gegner, der an diesem Sonntag das fremde Territorium erobern wollte, wurde zurück an den See geschickt. Packende Rededuelle lieferten sich der Gäste Torwart und ein junger Mann aus dem Publikum. Lenin und Trotzki hätten das nicht besser gemacht. Die Gossauer Spielerpartei konnte die Zuschauer mit ihren Argumenten vollumfänglich für sich gewinnen. Hoffentlich kein Strohfeuer. Ein dauerhafter Sieg der sportlichen Bewegung aus dem Fürstenland scheint möglich.

Konterrevolutionäre scheinen dieses Jahr nicht im Team zu sein. Ideologische Abweichler konnten keine ausgemacht werden. Die Führung im Politbüro macht ebenfalls einen gefestigten Anschein. Der Rückhalt in der Bevölkerung muss allerdings noch zurück erkämpft werden. Die Parteilinie muss hier durchgezogen werden.

Venceremos
*Läufer hört die Signale*

Donnerstag, November 04, 2010

Weisse Zähne, Schnelle Füsse, Lucerne 2010

"Stephan Weiler, das sei doch dieser Ex-Meister Schweiz, der sich nach der Wahl sofort die Zähne restaurieren liess." Einige Ostschweizer diskutieren im Zug nach Luzern angeregt über den ehemalig schönsten Eidgenossen. "Ja und im Augang habe ich ihn auch schon oft gesehen, und heute kann man ihm 21,1km hinterher rennen ". meint eine junge Läuferin schmunzelnd. Der St.Galler Beau ist einer der (Cervelat-) prominenten Tempomacher am Lucerne Marathon 2010.

Die Veranstaltung in der Innerschweiz hat sich in den letzten Jahren als beliebter Herbstlauf etabliert. An diesem Sonntag pilgern über 8'000 Sportler nach Luzern. Darunter auch "Zege". Hochmotiviert, von einem Fuss auf den anderen hüpfend steht der Athlet zuvorderst im ersten Startblock. Dieser Mann wird über sich hinauswachsen, dieser Mann ist Bereit für grosse Taten, dieser Mann wird heute Geschichte schreiben. Seine Gestik und seine Mimik, verdeutlichen ganz klar, Muhammad Ali und Haile Gebrselassie waren Gestern, heute ist der Tag von "Zege". Die Empfehlung des Speakers an die Läufer, die warmen Kleider aufgrund der angenehmen Temperaturen abzulegen, ignoriert "Zege" ohne ein Schulterzucken. Wollmütze, Trainingsanzug und Töfffahrer-Handschuhe, Rocky Balboa schlug in den Achtziger Jahren in dieser Aufmachung auf Schweinehälften ein.
Der Startschuss ertönt, abgegeben vom griechischen Botschafter. 2500 Jahre Marathon-Geschichte liegen hinter der Menschheit und nun möchte man "Zege" zurrufen: "Flieg mein Junge, Flieg bis zum Olymp". 400 Meter weiter, fällt "Zege" in ein unerwartetes Leistungsloch, stark schnaufend wird er von vielen Läufern überholt. Die "Töffhandschuhe" haben sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausbezahlt

Beim Luzerner KKL, in der Nähe des Bahnhofs, werden die Teilnehmer frenetisch angefeuert. Aus den Boxen ertönt die Stimme der Innerschweizer Laufikone Viktor Röthlin. Das Spitzenfeld besteht vornehmlich aus Halbmarathon-Läufern, die jetzt schon um jede Sekunden kämpfen. Auf hügligen Strassen geht es über Langensand, St.Nikolausen und Kastanienbaum hinweg. Sportler, welche Strecken bevorzugen, die flach sind wie die Hinterteile von französischen Topmodels sind hier am falschen Rennen. Persönliche Bestleistungen fallen nicht wie Äpfel von Luzerner Obstbäumen. Der schöne Lauf führt am malerischen Vierwaldstättersee entlang. Ein gegelter Jüngling steht vor einer herrschaftlichen Villa und schaut verschlafen dem Treiben vor seinem Haus zu. "Ja, hier lasse sich gut leben, er könne sicher nicht klagen" beantwortet er die Frage eines neugierigen Zuschauers am Streckenrand.

Bei Kilometer 13 erreichen wir Horw. Neben der Luzerner Innenstadt, einer der Stimmungshochburgen dieser Veranstaltung. Kinder strecken die Patschhändchen zum Abklatschen aus. Iso Getränke werden gerreicht und klebrige Energie Gels für eine konstante Geschwindigkeit auf den letzten Kilometer hinuntergewürgt. Die Batterie der Sportuhr am Armgelenk hat sich blöderweise in die ewigen Jagdgründe verabschiedet. So heisst es nach Gefühl laufen. Halb so schlimm, der Typ der vor 2'500 Jahren von Marathon nach Athen rannte hatte ja schliesslich auch noch keinen Schimmer, was eine Pulsuhr mit integrierter Zeit-und Kilometermessung ist.

Die Kircheglocke schlägt 10.00. Eine Stunde hetzt die Läufermenge nun schon durch den Kanton Luzern. Die letzten 5 Kilometer stehen an. Ein Läufer glaubt nicht mehr an seine anvisierte Zeit unter 80 Minuten und beendet das Rennen kurz vor dem KKL. Nochmals Tempobolzen, vorbei an den Zuschauermassen in der der Leuchtenstadt. Wo jetzt wohl Zege ist? Er führt jedenfalls nicht das Feld der Marathonläufer an. Der spätere Sieger passiert soeben den Wendepunkt zur zweiten Runde. Die Halbmarathonläufer preschen Richtung Ziel im Verkehrshaus. Noch 50 Meter, die Uhr zeigt 1h 19min 49 Sekunden an, ai ai ai, persönliche Bestzeit? Ein Schlussspurt lohnt sich jedenfalls. Im Ziel meint jemand von den Helfern. "Stopp, Stopp, ganz langsam, der Lauf ist hier vorbei".

Stephan Weiler erreicht samt weissen Zähnen in 1h 54min die anvisierte Zeit unter 2 Stunden. Später sitzt FDP Präsident Fulvio Pelli in Laufkleidung auf dem Schiff Richtung Bahnhof Luzern. Der See glänzt im herbstlichen Sonnenlicht und passt zur entspannten Atmosphäre, weitab vom Trubel der Grossveranstaltung.

1 Stunde 19 Minuten 57 Sekunden

Montag, November 01, 2010

Gästeblog:SC Cham : FC Gossau 3:2

Gästeblog von Günther:
1.Liga
Stadion Eizmoos
120 Zuschauer

„De Grilleur wär bereit, es isch em langwilig“, waren die Worte vom Stadionsprecher Mitte der zweiten Halbzeit. Lag es am nicht gerade Wurst-freundlichen Wetter oder weil das Spiel zu diesem Zeitpunkt schon fast entschieden war? Ein Blick zurück: Vor fast 3 Jahren spielte der FC Gossau ebenfalls auswärts gegen Cham, damals jedoch in Zug, da das heimische Eizmoos (noch) nicht NLB-würdig war. Es war Mitte November und noch ein wenig kälter als Heute, die damalige Mannschaft führte in der 83. Minute mit einem Mann weniger 2-1, verlor anschliessend doch noch 3-2. Trotzdem war man irgendwie zufrieden mit der aufopferungsvollen Leistung. Heute hiess es am Schluss auch 3-2 für Cham, von aufopferungsvoller Leistung oder Zufriedenheit konnte man aber nicht sprechen. Zu viel läuft momentan schief. Das Talent ist vorhanden, der Wille bei einigen Spielern nicht, hat man (manchmal) das Gefühl.

Dabei fing alles so gut an, in der zweiten Hälfte zumindest. Zum ersten Durchgang gibt’s nicht viel zu berichten, ausser von mindestens drei Grosschancen des SC Cham und der schönen Frisur von Altmeister Ronny Hodel. Die Chamer selber nennen sich übrigens „Chomer“. Das ist hier in der Inner.. äää Zentralschweiz so. Ein Dankeschön hiermit an unsere Freunde und Geographie-Lehrer aus der Inner.. nein, sorry, schon wieder, aus der Zentralschweiz natürlich.

Nach 48 Minuten und der ersten wirklichen Chance für unsere Jungs hiess es 1-0. Nach einem Traumpass von Stan Freid netzte Silvan Eggmann souverän ein. Der Jubel hielt leider nicht lange. Gleich im Gegenzug fiel der Ausgleich, kurz darauf der Führungstreffer für die Zentralschweizer (so ist’s richtig). Also schon wieder eine Niederlage, langsam aber sicher erinnert man sich an letzte Saison...

Danke an unseren Fahrer, der uns im Fiat Punto sicher und pünktlich hin und zurück fuhr.


"Allein sein zu müssen ist das Schwerste, allein sein zu können das Schönste."

(hier am Beispiel des FC Gossau Präsidenten auf der verlassenen Tribüne des SC Cham)

Montag, Oktober 25, 2010

FC Gossau : FC Mendrisio-Stabio 1:2

250 Zuschauer
1.Liga
Sportanlage Buchenwald

Ein schöner Tag im Herbst. Dunkelgelbes Laub auf frisch asphaltierten Trottoirs. Coole Jugendliche sitzen mit coolen Kapuzen tief im Gesicht auf abgewetzten Parkbänken. Zigarette hinterm Ohr, Stimulations-Getränk in der Hand, geht der Blick Richtung Eingang der Sportanlage.

Heimspiel. Freundliche Damen mit Blau-Weissen Westen stanzen kleine Löcher in plastifizierte Saisonkarten. Jemand kratzt mühsam die Kleber eines fussballerischen Kantonsrivalen vom Flutlichtmast. Vor dem VIP Container parlieren drei Personen eher gelangweilt. Der Geruch von Bratwurst und warmem Rum-Punch liegt in der kühlen Luft.

"Wötsch ä grosses?" "Nei ä chlises". Die Dialoge im Clubbeizli reichen nicht für den Universitäts-Debattierclub. Langzeitverletzte Spieler sitzen neben kurzzeitverletzten Akteuren auf der Gegengerade. Der Coach aus dem Tessin macht einen Kniefall neben der Bank. Er verharrt in dieser Stellung. Es ist wohl keine Geste der Ehrbietung vor dem kaum majestetischen Gegner. Ein Zuschauer erzählt faszinierende Erlebnisse aus dem Florida-Urlaub. 75'000 Zuschauer beim Football in Miami. 250 Zuschauer in Gossau beim Fussball. Keine US-Nationalhymne und Mega-Pommes Frites im Fürstenland, allerdings mehr Spannung und Daunenjacken gegen die einbrechende Ostschweizer Kälte.

Mendrisio, da war doch was? Richtig! Foxtown-Outlet Store. Der Fuchs prangt dann auch geldwitternd auf den Trikots der Gäste. Herr und Frau Deutschweizer konsumieren im Tessin- Urlaub mit Vorliebe verbilligt Markenartikel in Mendrisio. Rabatt, Rabatt auf Brutto-Tore (Chancen) ergeben Netto-Tore (Treffer). Diese fallen in Gossau derzeit nicht oft. Dies zu Verhindern ist am heutigen Tag Andrea Cataldo vorbehalten. Dampf-Plauderer und starker Rückhalt der Südschweizer. Der Portiere der Gastmannschaft ist engagiert und motiviert, wie drei Gossauer Mannschaften zusammen. Tattoo hinter dem Ohr, Kurzarm-Torwart Trikot, der Goalie ist geradezu eine Verkörperung des romanischen Fussballers im 21. Jahrhundert. Extrovertierte Körperverzierungen sind heutzutage beinahe Pflicht ennet dem San Bernadino.

Zur Pause steht es 1:1. Für Belustigung sorgt das Spielgerät. Der Ball fliegt in das offene Fenster einer angrenzenden Asyl-Wohnung. Sind da höhere Mächte im Spiel? Will der Ball die Flucht ergreifen? Endlich Hoffnung auf ein besseres Leben auf einem anderen Fussballplatz? Aber Halt! Liegt hier vielleicht kriminelles Delikt vor? Etwa "Unbefugtes Betreten eines Grundstücks"? Was passiert mit dem Ball nach Annahme der Ausschaffungsinitiative?

Mendrisostar hiess der Verein bis 1982! Andrea Cataldo hätte das Zeug zum Star der Tessiner. Leider fehlt es ihm an den, für einen Torhüter, entscheidenden Zentimeter. Die grosse Karriere wirds daher nicht werden. Wie von der Tarantel gestochen rast Cataldo Richtung Linienrichter. Mit einer Nicht-Offside Entscheidung ist er gar nicht einverstanden, und erhält dafür den gelben Karton.

Sechshunderstes 1.Liga Spiel des FC Gossau. Die Dunkelheit schleicht sich über die Holztribüne. Die Hausherren verlieren 1:2. Dunkelgelbes Laub auf frisch asphaltierten Trottoirs weist den Weg nach Hause.

Montag, Oktober 18, 2010

FC St.Gallen U-21 : FC Gossau 3:0


1. Liga
Stadion Espenmoos
250 Zuschauer

Es gab schon oft unkluge Entscheidungen in der Geschichte der Menschheit. Es war sicherlich nicht gerade schlau, als Zar Alexander im 19. Jahrhundert Alaska für einen läppischen Betrag an die Amerikaner verkaufte. Das Gegenteil eines genialen Schachzuges bewerkstelligte auch die Plattenfirma, welche die Beatles mit der Begründung ablehnte "Gitarrenmusik sei am Aussterben". Ebenfalls nicht wirklich durchdacht war es an diesem Samstag die Degustationshallen der Olma für ein Fussballspiel zu verlassen.

Das Espenmoos erscheint mittlerweile ziemlich seelenlos. Nur noch die muschelförmige Haupttribüne ist vom altehrwürdigen Bau übriggeblieben. Ansonsten wirkt die Stätte, die jahrzehntelang ungeahnte Emotionen beim Ostschweizer Publikum auslöste, wie ein normaler Sportplatz. Beim Eingang stehen ein paar Ordner mit FC St.Gallen Stadionjacken und verkaufen Tickets an das spärlich erschienene Publikum. Die meisten Zuschauer kommen erst kurz vor der Partie. Einigen sieht man durchaus an, dass sie zuvor am regionalen Bier nicht nur genippt haben. Ob es dem Alkohol geschuldet ist, dass eine ältere Dame dem kleinen Haufen Gäste-Fans ein wütendes "Scheiss Gossau" entgegen raunt? Ansonsten herrscht alledings eine friedliche 1.Liga Atmosphäre. Ein Groundhopper knipst einige Fotos, und in der angrenzenden Boccia Bar wird der erste Glühwein der Saison verkauft. Arg verlassen sieht die Tribüne aus. Wo früher die St.Galler Cervelat Prominenz böse Schimpfwörter Richtung Schiedsrichter schrie, verlieren sich heute nur gerade 250 Zuschauer. Darunter etwa 50 hartgesottene Anhänger der Grün-Weissen. Genau wie ihr Fanionteam kämpft auch die Nachwusmannschaft der Stadt-St.Galler gegen den Abstieg. Dasselbe gilt für die 1.Mannschaft des FC Gossau. Trotzdem herrscht beim Anhang auf beiden Seiten keine wirkliche Derby-Stimmung. Manch einer scheint in der herbstlichen Kälte dem kühlen Getränk in der überfüllten Messehalle nachzutrauen. Ein Vorstandsmitglied der Blau-Weissen zeigt sich ebenfalls wenig euphorisch. Die Tatsache, dass der Gastgeber auf mehrere NLA-erfahrene Akteure setzt lässt ihn Schlimmes befürchten. Das 1:0 für die Heimmanschaft kommt daher etwa ähnlich überraschend, wie Messe-Rabatt auf eine Waschmaschine.

Zielsicher und präzise, wie die Bohrmaschine beim Gotthard Durchschlag spielte das Heimteam. Eine Ärzte-Serie im deutschen TV ist spannender als der Verlauf dieser Partie. Die Gäste zeigen wieder einmal ihr schlechtes Gesicht. Die Mannschaft des NLB Absteiger scheint eine gespaltene Persönlichkeit zu haben. Einmal der erfolgreiche Dr. Jekyll, ein anderes Mal der Angst einflössende Mr.Hyde. Wären die Ausstellungs-Hallen nicht in Kürze geschlossen worden, hätten wohl einige Gossau Fans diese Rückzugs-Möglichkeit in Erwägung gezogen. Nach dem 2:0 durch die Espen wird ein Punktgewinn für die Blau-Weissen genau so realistisch wie ein dunkelhäutiger Capo bei Lazio Rom. Die Anhänger der Nachwus-Kicker feiern nun lautstark ihre auftrumpfende Mannschaft. Der Lieblingsverein wird gefeiert, und das Führungskonstrukt der Betriebs AG in Gesängen verflucht. Das 3:0 folgt.

Nicht gerade Alaska ist für die Gossau Anhänger verloren, aber doch ein wichtiges Spiel. Entäuscht, depremiert und wahrhaft ernüchtert verlassen die Gossauer Supporter den Ort der bitteren Niederlage. Es kann daher nicht verwundern, dass sie in die nächstgelegene Bar flüchten. Es muss einiges nachgeholt werden...

PS: Foto Stecki