Montag, Mai 28, 2012

FC Mendrisio-Stabio:FC Gossau 0:0




Gästeblog von Günther: Mendrisio – FC Gossau 0-0

Ein Auswärtsspiel im Tessin ist von sich aus schon speziell, als dieses dann noch auf das Pfingstwochenende terminiert wurde, war klar, dass wir daraus einen legendären Campingtrip machen würden. Zufällig war sogar ein Live-Ticker-Reporter vor Ort.

Live-Ticker

Freitag, 25.05.12

14.33​ Abfahrt im schönen Gossau, das Auto des halb
​Italieners ist vollgepackt mit seinem halben
Hausrat. Unter anderem an Bord: 2 Kisten Stadtbühler

19.30​ Ankunft im idyllischen Camping Ai Bosconi im
​noch idyllischeren Caslano. Fazit: ruhige Fahrt,
​an Bord: 1 Flasche Stadtbühler weniger

19.32​ Erste Konfrontation mit einem Camping-Bewohner Zürcher Herkunft

19.47​ der Cheffe vom Camping (Typ: Surferboy ohne Brett) erscheint endlich und erklärt uns alles, für’s Duschen braucht es Jetons! Daraufhin erste Heimwehbekundungen unserers halb-Italieners

19.55​ Bezug der Wohnwagen, erstes Camping-Feeling kommt auf. Der halb-Italiener versteht die Welt nicht mehr

kurze Pause

21.06​ Beschlagnahme des Gemeinschaftstisches und Kühlschrank.

22.24​ Ankunft der VW-Büssli-Crew, nun endlich komplett.

22.25​ Erste Erklärung zur späten Ankunft: E. aus Appenzell sei falsch gefahren

23.10​ Es brennt auf dem Campingplatz, ist aber nur der Grill.

23.40​ Scheint hier in die Verlängerung zu gehen

02.30​ Bereits einige Penalties versenkt, jedoch kein Sieger in Sicht.

03.00​ Aus, es ist Aus!


Samstag, 26.05.2012

09.00​ Der Halb-Italiener meldet, er sei bereits über die Grenze rübergelaufen, keiner versteht das richtig

09.21​Erklärung: in Ponte Tresa findet ein Markt statt.

11.43​ Nach dem Frühstück Aufbruch zum Markt, grossartige Atmosphäre hier, Touristen treffen auf deren Abzocker

13.21​ Es findet sich ein hübsches Restaurant, draussen viel zu viel Sonne, sitzt man halt im Dunkeln drin!

13.54​ der Halb-Italiener flucht auf schweizerdeutsch über die viel zu kleine Portion

16.00​ endlich wieder zu Hause auf dem Campingplatz

16.14​ Hier ist die Hölle los, der Camping-Chef Urs lädt alle in seinen Wohnwagen ein, ausser uns

16.21​ Ein neues Spiel aus Amerika wird ausprobiert, als Beer-Pong-Spezialist etabliert sich unser IT-Journalist und Tierfreund

17.33​ Wahnsinn hier, erste Stühle gehen zu Bruch.

17.58​ Abpfiff! Der Ticker-Typ braucht auch mal Pause!


Sonntag, 27.05.2012

08.00​ Der Halb-Italiener meldet sich schon wieder, hat anscheinend Frühstück besorgt. Danke

10.34​ Frühsport! Volleyball-Spiel beim nahe gelegenen Strandbad.

10.45​ Aufschreie im Strandbad, ein mysteriöser Tessiner im Anzug kriegt den Ball an den Kopf. Spielabbruch???

10.46​ Spiel geht weiter, ein kurzes „scusi“ hat genützt.

10.54​ Der Banker fliegt am Ball vorbei

12.30​ Spiel ist vorbei

12.46​ Nervosität nimmt zu hier auf dem Camping, erste Gedanken an eine Ligaerhalts-Party mit Urs, dem Dauerbewohner hier kommen auf. Denke Urs hätte keine Freude daran.

14.30​ Im Beerpong spielen sich dramatische Szenen ab, der Reihe nach:

14.32​ Der Aargauer der in Appenzell wohnt verzweifelt, weil sein Teampartner (der halb-Italiener) so schwach wirft.

14.35​ Deren Gegenspieler sind gewohnt locker, treffen ein ums andere Mal.

14.50​ nur noch ein Treffer und das Spiel ist entschieden!

15.02​ Spiel ist aus, endet unentschieden, im Schwingen würden jetzt die Punktrichter entscheiden

15.27​ Abfahrt des Zuges Richtung Mendrisio

16.32​ Ankunft im Stadion

16.40​ Der halb-Italiener bereits ohne T-Shirt unterwegs

16.50​ nun alle ohne T-Shirt (ausser die Frauen, leider)

17.00​ Anpfiff zum Spiel Mendrisio – FC Gossau

17.01​ Mendrisio-Supporter treffen ein und wollen uns mit Bier bestechen, damit wir unseren Standort einige Meter verschieben

17.05​ Bestechung funktioniert

nun noch zum Spiel

17.25​ Rote Karte gegen Safet Etemi

17.45​ Halbzeitpfiff

18.30​ Es fängt an zu regnen

18.34​ Regen tut dem Spiel nicht gut

18.50​ Abpfiff, Null – Null

19.12​ Rückfahrt mit dem Zug

19.55​ Gewisse Leute werden diese Zugfahrt nicht so schnell vergessen

20.30​ Gemütlicher Ausklang, leider ohne Ligaerhaltsfeier


Fazit:

Dem FC Gossau fehlt noch ein einziger Punkt zum Ligaerhalt. Das sollte zu schaffen sein, wir wollen doch nächste Saison wieder zu Urs auf den Campingplatz...

Donnerstag, Mai 24, 2012

FC Tuggen : FC Gossau 2:1

2:1
1.Liga
Linthstrasse
340 Zuschauer

Tuggen, Kanton Schwyz. Hier gibt es angeblich die besten Poulet der Schweiz. Ebenfalls einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt der örtliche Fussballverein. Mit einer bewundernswerten Konstanz spielt der Club aus dem 3'000 Seelen-Dorf seit Jahren in der 1.Liga. Meistens sogar in der Spitzengruppe. Zum Aufstieg in die NLB reichte es allerdings nur einmal. In der Saison 1994/95 spielte der FC Tuggen in der zweithöchsten Schweizer Fussball-Liga.

Die Märchler stehen in dieser Saison kurz vor dem Aufstieg in die neugeschaffene 1.Liga Promotion. In Sachen Ticketing herrschen bereits jetzt professionelle Strukturen. Der Ticketkauf ist direkt bei der Einfahrt in den PKW-Parkplatz möglich. Vielleicht will man im Kanton Schwyz ein ganz neues Fussballerlebnis in die Welt hinaus tragen. Jedenfalls könnte man theoretisch sogar vom Auto aus dem fussballerischen Geschehen zuschauen. Fehlt nur die Stadionwurst, welche durch das Autofenster gereicht wird und perfekt wäre das "Auto-Kino" . Unser ökologisches Gewissen wurde durch die Hinreise mit einem alten VW Bus allerdings schon genug strapaziert. Daher unterliessen wir es, bei laufendem Motor, im geheizten Auto, das Spiel zu verfolgen. Die warmen Temperaturen gaben uns dazu auch überhaupt keinen Anlass.

Vom Glockengebimmel der anliegenden Kuhwiese begleitet absolvierten die Akteure eine durchzogene 1.Halbzeit. Die Gossauer zeigten dabei aber eine engagierte Leistung. Der auffällige Thomas Knöpfel hatte schon nach wenigen Minuten das 1:0 auf dem Fuss. Er entschied sich leider für den Pass, statt für den Torschuss. In der Heimat des "Poulet" agierten die Fürstenländer im Abschluss manchmal wie aufgeschreckte Hühner. Ansonsten vermochten die Gäste zu überzeugen. Vorallem kämpferisch und im Abwehrverhalten hat sich das Team unter Vlado Nogic stark verbessert. Trotzdem kassierten sie gegen die abgeklärten Tuggener kurz vor der Pause das 1:0. Diese Tatsache hatte Konsequenzen. Die Gästekabine wurde durch eine kroatische Pausenpredigt in ihren Grundmauern erschüttert.

Die lauten Worten drangen wohl bis zum Heimteam vor. Die Schwyzer wirkten in der zweiten Halbzeit wie aufgeweckt. Der beste Akteur wäre aber trotzdem ein Gossauer gewesen, wenn er seine zahlreichen Chancen verwertet hätte. Safet Etemi scheiterte aber dreimal aus ausichtsreicher Position gegen den Torwart seiner Ex-Mannschaft.

In der 83.Min. sorgten die Favoriten für die Entscheidung. Nach einem Notbremse Foul von Imhof verwandelten die Aufstiegsaspiranten den darausfolgenden Freistoss fulminant. Es zeugt von Moral, dass die Gossauer weiter um einen Torerfolg kämpften. Auf der Homepage der Platzherren stand nach dem Spiel "es schien nach dem 2:0 als wäre das Heu im Trockenen". Eine durchaus passende Beschreibung in der schönen ländlichen Umgebung des Sportplatzes in Tuggen. Die Gäste sorgten zumindest dafür, dass nochmals Nervosität bei den 340 Zuschauern aufkam. Das 1:2 durch Thomas Knöpfel in der 88.Minute fiel allerdings zu spät für die abstiegsgefährdeten Blau-Weissen.

Auf der Heimreise philosphierte unserer Fahrer. Er entwarf mögliche bauliche Szenarien, wie man in Gossau Heimspiele vom Auto aus begutachten könnte. Anstatt auf diese abwegigen Ideen einzugehen freuten wir uns lieber mit den Handball spielenden Gossauern. Sie schafften an diesem Abend in Stäfa den NLA Ligaerhalt. Der Optimismus, dass die Fussballer auch bald etwas zu Feiern haben bleibt gross.

Montag, Mai 21, 2012

FC Gossau : FC Luzern U:21

4:2
1.Liga
FC Gossau : FC Luzern u-21
250 Zuschauer

Selbst die durchinstrumentalisierte und kommerzialisierte Fussballwelt ist ab und zu sehr klein. Manchmal findet sich der vermeintliche Auslöser von sportlichen Grossereignissen auf der Holztribüne eines kleinen Fussballclubs. Der FC St.Gallen Profi Daniel Imhof begutachtete aufmerksam das Geschehen auf dem Gossauer Rasen.

Der kanadische Internationale Imhof und der gebürtige Schaffhauser Roberto di Matteo lieferten sich im Jahr 2000 einen folgenschweren, unglücklichen Zweikampf. Während des UEFA Cup Spiel zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Chelsea brach sich der italienische Nationalspieler das Schien- und Wadenbein. Der erst 30-jährige Di Matteo musste aufgrund dieser Verletzung seine Karriere beenden.
Der Italo-Schweizer lancierte daraufhin frühzeitig seine Trainerkarriere. 12 Jahre nach jenem tragischen Ereignis im Hardturm Stadion Zürich gewann Di Matteo mit Chelsea die Champions League. Es darf sehr bezweifelt werden, ob der Londoner Verein auch ohne den Catenaccio Stil von Di Matteo den wichtigsten Titel im europäischen Fussball gewonnen hätte.

Einer der 250 Zuschauer des Spiel FC Gossau:FC Luzern U-21 hat, wenn man so will indirekt, Uli Hoeness das "Final Doham" verdorben. Es darf aber bezeweifelt werden, ob sich der Bruder des Gossauer Spieler Dominic Imhof seiner geschichtsträchtigen Bedeutung an diesem Tag bewusst war. Für einen Profifussballer symphatisch unaufällig gekleidet verfolgte er an diesem Sonntag die 1.Liga Partie auf der Buechenwald Sportanlage. Es gab auch keine betrunkenen Engländer, die ihm dankbar die Hand schüttelten.

Viel wichtiger als ein läppisches Champions League Finale war die Partie des Fürstenländer Abstiegskandidaten. Mit der Titelmelodie von Sergio Leone's Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" betraten die 22 Akteure das Spielfeld. Der Stadionsprecher wollte damit wohl die Wichtigkeit dieser Partie unterstreichen. Immer noch kämpft Gossau um das Überleben in der dritthöchsten Schweizer Liga. Die schlechteste Mannschaft aller drei 1.Liga Gruppen steigt in die 2.Liga ab. Dies wäre momentan der FC Baulmes. Da aber auch in Fall der Westschweizer noch ein Urteil in der Causa "Sion" aussteht (U-21) weiss niemand so recht, wieivel Punkte am Schluss zum Klassenerhalt reichen. Das Ganze ist bezeichnend für den derzeitigen Zustand des Schweizer Fussball. Noch schlimmer wird’s in der nächsten Saison, dann wir die völlig überflüssige 1.Liga Promotion (eine dritte nationale Liga) aus der Taufe gehoben. Gossau hofft auf einen Platz in der 1.Liga Classic. Der FC Luzern U-21 will aus ausbildungstechnischen Gründen in die 1.Liga Promotion….alles klar?

In den ersten Partien unter Trainer Vlado Nogic zeigte sich das Heimteam bereits verbessert. Dieser Eindruck bestätigte sich auch an diesem Sonntag. Die Innerschweizer Nachwus Equipe führte zwar zur Pause 1:0, davon liess sich die Heimmannschaft aber nicht beeindrucken. Vorallem Etemi und Knöpfel blühen unter ihrem "Ziehvater" wieder auf. Zusammen mit Enzo Todisco bildeten sie ein gefähliches Offensiv Trio. Der kroatische Trainerfuchs scheint die richtigen Worte gefunden zu haben, um die Gossauer Mannschaft (gerade noch rechtzeitig) wachzurütteln. In der torreichen 2.Halbzeit präsentierte sich die die Heimelf stark und entschlossen.

Allerdings mochten die Geschehnisse trotz des 4:2 Endstand nicht mit der Dramatik des Münchner Final vom Vorabend mithalten. Zu einem denkwürdigen Moment kam es trotzdem. Der Gossauer Einwechselspieler Lulzim Mehmeti schaffte es innerhalb von 60 Sekunden, eingewechselt zu werden, in Drogba Manier ein Tor zu köpfen und die gelbe Karte zu kassieren. (Zerstörung einer Eckballfahne).

Zur vollständigen Zufriedenheit der Gossauer Anhänger sorgte die Meldung, dass der letzte Platz in der Gruppe an Höngg weitergegeben werden konnte. So scheint die Saison für die Ostschweizer doch noch ein positives Ende zu finden. Obwohl die Gossauer zu grossen Teilen der Saison unterlegen waren, werden sie ihr Ziel wohl erreichen. Irgendwie kommt einem der Umstand in diesen fussballerisch bewegten Tagen bekannt vor.

Montag, April 23, 2012

Der April macht was er will...auch in Zürich (Marathon Zürich 2012)

Vor fünf Jahren war ich schon mal am Marathon in Zürich. Eigentlich war das damalige Erlebnis nicht so faszinierend, dass ich mir die 42,195km durch die grösste Stadt der Schweiz nochmals antun wollte. Die Atmosphäre an der Strecke kann nicht mit ähnlich grossen Frühlings-Marathons mithalten (z.b.Freiburg) das Startgeld ist aber "schweizerischen" Verhältnissen angepasst…

Aus terminlichen Gründen wollte ich aber unbedingt einen Marathon am zweitletzten April Wochenende machen. Linz, London und Zürich standen zur Auswahl. In der Stadt an der Themse war ich 2010 und die Ergatterung eines Startplatzes ist dort reine Glücksache. In der Stadt an der Donau war ich 2011 und daher wollte ich dieses Jahr nicht schon wieder dahin. Blieb also nur noch die eher ungeliebte Limmat-Variante übrig. Es gab allerdings auch positive Aspekte bei dieser Wahl. Mir blieben eine lange Reise und Hotelübernachtungen erspart, zudem gilt Zürich als schnelle Strecke.

Weiterer Anreiz eines "Heimrennen" ist, dass man viele bekannte Gesichter trifft. Allerdings habe ich diesen Aspekt bei meiner zeitlichen Planung nicht mit einberechnet. Einige interessante Gespräche später, bleiben nur noch wenige Minuten bis zum Start des 10.Zürich Marathon. Das Aufwärmprogramm fällt dementsprechend kurz aus, was allerdings bei dieser Laufdistanz nicht weiter tragisch ist.


Kurz vor 8.30h, als sich die Sportlermeute vor der Startlinie besammelt, meint ein Bekannter zum mir:"Traumhafte Bedingungen für einen Marathon". Ich stimme ihm zu. Trockenes Wetter, wolkenverhangener Himmel und ca. 10 Grad, Läuferherz was willst du mehr? Nur etwa fünfzehn Minuten später sieht das Ganze schon ganz anders aus. Heftiger Wind und viel Regen sorgen bei den über 3'000 Läufer/innen für reichlich Frust. Es gelingt mir zwar einigermassen einen gleichmässigen Kilometer Schnitt zu laufen, aber der Kräfteaufwand ist immens. Anfangs laufe ich im Schlepptau von Jasmin Nunige. Die fantastische Bergläuferin (u.a. Siegerin des K-78 Swiss Alpine Marathon) scheint mit ihrem Tempo eine Zeit von 2.44.xx zu avisieren. Bewundernswert, wenn man bedenkt, dass bei der Davoserin im letzten Jahr Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert wurde.

Ich merke allerdings nach etwa 8 Kilometer, dass ich das Tempo von Nunige auf Dauer nicht halten kann. Um meine Moral ist es zu diesem Zeitpunkt nicht zum Besten bestellt. Meine Frau will mir netterweise bei Kilometer 12 ein trockenes Laufshirt reichen, ich winke aber aufgrund des Zeitaufwandes ab. Klitschnass mache ich mich also auf den Weg, den Zürichsee entlang nach Meilen. Es folgt nun die schwierigste Phase des Rennens, einerseits werde ich mehrfach überholt, anderseits sinkt mein Kilometer Schnitt auf ca. 4.00min/km. Die schwierigen äusseren Bedingungen gilt es nun möglichst zu ignorieren. Den Halbmarathon laufe ich in 1h 23min. Dies entspricht in etwa meinen Erwartungen (Endzeit ca. 2h 50min). Durch die Auswertungen meiner Trainingsergebnisse war mir vor den Rennen bereits klar, dass ich nicht ganz den Formstand des letzten Jahres habe. 2011 lief ich in Frankfurt und Linz jeweils nach 2h 47min durchs Ziel. Im diesen Frühling konnte ich aufgrund diverser Verpflichtungen meinen Trainingsaufwand nicht im gleichen Masse aufrecht erhalten (ca. 70-80 Kilometer in der Woche).


Nach 25 Kilometern folgt in Meilen der Wendepunkt des Marathon. Der Zürcher Vorort ist neben der Bahnhofsstrasse der stimmungstechnische Höhepunkt dieses Marathons. Wir Läufer durchlaufen hier ein Zelt und werden lautstark angefeuert. Der Frust folgt aber nur wenig später. Der Gegenwind auf dem Rückweg bläst sehr heftig. Ein Gefühl, als ob man gar nicht mehr vorankommt. Das kann ja heiter werden, denke ich für mich. Gott sei Dank schlägt das Aprilwetter nun um. Der Regen hört auf und auch der Wind lässt nach. Das Laufen fühlt sich ziemlich gut an. Ich überhole wieder mehrere Läufer. Auf der Gegenseite befinden sich die Läufer/innen auf dem Weg nach Meilen. Viele Gesichter sind gezeichnet von den Strapazen und Wetterkapriolen. Mein Kilometer Schnitt pendelt sich nun zwischen 4.04-4.07km/min ein. Herrliberg kommt bei Km 32, unweigerlich kommen die Gedanken auf einen Ex-Bundesrat. Ich laufe ein ziemlich einsames Rennen, am liebsten würde ich mich einer kleinen Gruppe anschliessen. Nur einmal bei Km 33 bietet sich dazu die Möglichkeit, allerdings sind die 5 Läufer zu schnell. Ich bin froh, als ich bei Km 35 meine Familie sehe. Cola, Gel und ein Isostar-Shot werden mir gereicht. Diese Unterstützung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, die Kilometer 34-37 sind meine Langsamsten (4.10km/min). Ich laufe aber nicht in den sogenannten "Hammer". Im Gegensatz zu meinen zwei letzten Stadtmarathon Läufen bleibt mir das an diesem Tag erspart. Ab Km 38 drehe ich nochmals auf. Was für ein geniales Gefühl, unweigerlich kommen meine Gedanken an London 2010. Dort gelang mir ein ähnlicher Schlussspurt. Seit langer Zeit schaue ich nun wieder einmal auf die Uhr. Ich sehe das mit einer Effort Leistung sogar noch eine Zeit von 2h 49min xx drinliegt. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Ein Bekannter feuert mich kurz vor dem Ziel an. Die Sonne strahlt, die Beine schmerzen, das Ziel ist nah. In 2h 50min 09 Sek bin ich sprichwörtlich am Ende. Knapp hinter dem ehemaligen Radprofi Fabian Jeker überquere ich die Ziellinie. Unter 2494 klassierten Männern ist das der 77 Rang, in meiner Alterskategorie bin ich auf dem 15 Platz rangiert (587 Finisher).

Die Verpflegung am Ziel ist ein wenig dürftig. Wasser, Apfel und Rivella. Die meisten Schweizer Marathon Veranstalter schaffen es leider trotz üppigem Startgeld nicht, ein reichhaltiges "Buffet" anzubieten...Schade.


Meine Familie nimmt mich in Empfang, ich tausche mich mit einigen Läufern aus. Die meisten beklagen das schlechte Wetter, viele verlieren 2-3 Minuten auf ihre persönlichen Bestzeiten. Die warme Dusche entschädigt nun für die Mühsal der letzten 42,195km. Einige schlottern, für kälteempfindliche Läufer war heute kein guter Tag.

Das Schlussfazit nach meinem 19. Marathon. Negativ ist sicherlich, dass ich so knapp über 2h 50min gelaufen bin, schlecht war natürlich auch der viele Gegenwind und der Regen. Ich nehme aber mehrheitlich positive Dinge mit in das Laufjahr. Es gelang mir einen relativ ausgeglichenen Marathon zu laufen, ohne nennenswerte Krisen. Trotz schlechter Bedingungen konnte ich meine drittbeste Marathon Endzeit erzielen. Wahrscheinlich "wäre" bei normalen Bedingungen sogar eine Zeit um 2h 47min dringelegen. Es ist allerdings müssig darüber zu spekulieren.

Ich freue mich nun auf meinen 20.Marathon, dieser findet in gut zweieinhalb Monaten in Stockholm statt. Es wird ein ganz spezieller Lauf, genau 100 Jahre nach dem Olympia Marathon von 1912.

Dienstag, April 17, 2012

FC Barcelona : FC Getafe 4:0



Primera Divison
F.C.Barcelona : FC Getafe 4:0
Camp Nou
76'041 Zuschauer

Meiner Schwester unterläuft ein typischer Touristen Fehler. Ihre modische Frühlingsjacke ist für den Spielbesuch im Camp Nou nur bedingt geeignet, denn auch katalanische April Abende können kühle Temperaturen hervorrufen. So machen wir uns in den umliegenden Quartieren des Stadiongeländes auf die Suche nach einem Kleidergeschäft. Der hochpreisige Barcelona Fan Shop, unmittelbar beim Camp Nou, fiel nämlich schnell aus den Traktanden. Zu teuer die Ware und zu gering die Chance auf eine nochmalige Verwendung des Kleidungsstück. Schlussendlich fand meine Schwester wenig überraschend ihre Rettung bei einer grossen schwedischen Kleidungskette. Der spanische Kleiderladen für Umstandsmode nebenan war eine nicht sehr attraktive Alternative dazu.

Fussballstar Lionel Messi und Architektur-Legende Antoni Gaudi sind die zwei grossen Aushängeschilder der katalanischen Metropole. An diesen beiden Künstlern kommt kein Besucher vorbei, ob man will oder nicht. An jeder Ecke wird ein Trikot mit der Nummer 10 des FC Barcelona angeboten und jede Bustour führt entlang an den schönsten Bauwerken von Gaudi.

Vor dem Stadion herrscht schon Stunden vor dem Spiel reger Betrieb. Die Osterferien locken Menschen aus allen Teilen Europas zum derzeit wohl besten Verein der Welt. Ein Österreicher fragt mich vor dem Stadion, wie viel ich für meine Karte bezahlt hätte? Der hohe zweistellige Orginal Preis für den 2.Ring erschreckt in sichtlich. Er verrät mir seinerseits, dass er nicht mehr als 25 Euro berappen möchte. Schliesslich bezahle er in der heimischen 1.Bundesliga auch nicht mehr. Ich verkneife mir einen Kommentar. Wahrscheinlich ist es aber schon in Ordnung, wenn man für die Betrachtung der technischen Finessen von Stefan Meierhofer gleich viel bezahlen will, wie für jene von Xavi Iniesta.

Das Camp Nou bietet 99'354 Zuschauern Platz und ist das grösste Stadion Europas. Am heutigen Spieltag, unter der Woche gegen den Mardrider Vorortsverein Getafe, ist das imposante Rund nicht ausverkauft. Zur Freude aller Franzosen, Schweizer, Deutschen, Engländern und Katalanen lässt Trainer Pepe Guardiola trotzdem alles was Rang und Namen hat auflaufen. Der enge Titelkampf mit dem Erzrivalen aus der spanischen Hauptstadt erlaubt keine Schonung der "Superstars".
Die beiden Teams werden mit der Vereinshymne "Blu Grana" empfangen, stimmungstechnisch war dies eigentlich schon der Höhepunkt. Für einen weiteren Gänsehautmoment sorgen die Zuschauer im Verlauf der Partie, als sie den Namen von Eric Abidal skandieren. Der französische Verteidiger des FC Barcelona ist an Leberkrebs erkrankt.

Der FC Getafe ist von Beginn weg absolut chancenlos. Der biedere Mittelfeldverein will von Anfang an den Schaden möglichst in Grenzen halten. Dies ist nachvollziehbar, die Hausherren zeigen ihren unerbittlichen Kombinationsfussball. Zur Pause steht es 2:0, was allerdings nur an der mangelnden Chancenauswertung der Gastgeber liegt.

Der Wind bläst ohne Halbzeitunterbrechung durch das Stadion. Zu unserem Vorteil spielt hier nicht ein Fürstenländer 1.Liga Verein, ansonsten wären die äusseren Bedingungen kaum erträglich. Der gute Fussball auf dem Rasen lässt Wind, Kälte und Regen beinahe vergessen. Lionel Messi zaubert auch in der zweiten Hälfte. Der Argentinier führt die Gastgeber zu einem ungefährdeten 4:0 Erfolg.

Wir verlassen das Stadion. Ein merkwürdiges Gefühl kommt auf. Als Fussballanhänger hat man beinahe das Gefühl einem Theater oder einem Ballett beigewohnt zu haben. Das Publikum beklatschte gelungene Aktionen und schüttelte verhalten den Kopf bei den (sehr) wenigen Fehlpässen. Der Hauptdarsteller mit der Nummer 10 wurde ab und an durch das Rufen des Namens gefeiert. Dazu wurden Nüsse verköstigt und alles lief äusserst sittsam ab.

Mein Bruder stöberte vor dem Spiel über zwei Stunden im Fanshop des FC Barcelona. Sein Sohn im Kindergarten-Alter ist ein riesengrosser Fan des Barca-Weltfussballer. Trikot, Poster, Schal und vieles mehr standen auf der Wunschliste des Fünfjährigen. Die bescheidenste Bitte war allerdings auch die Unmöglichste. Wir sollten doch bei Messi an der Haustür klingeln und um ein Autogramm bitten...

Da zogen wir diesem unmöglichen Unterfangen lieber einen Abstecher auf die Prachtstrasse "Ramblas" vor. Dieses Vorhaben machte wesentlich mehr Sinn.

Mittwoch, Januar 18, 2012

A.C. Milan : Inter 0:1







Serie A
San Siro
80'074 Zuschauer

Borghetti, diese Likör/Espresso Mischung findet man in fast jedem italienischen Stadion. Optisch erinnert das Fläschchen an ein kleines Parfüm-Flacon der Ehefrau. Geschmacklich lässt es sich allerdings eher mit kaltem Coretto-Grappa vergleichen. „Nur 20 Euro für 5 Stück“ meint der eifrige Verkäufer. Dieser Preis verwundert, da der Einzelpreis mit 3 Euro pro Borghetti angeben ist. Dies sei nun mal so, entgegnet der Angestellte mit einem Achselzucken...

Die Handschuhe mit dem aufgedruckten Wappen des AC Milan sind an diesem Abend ausverkauft. Der Verkäufer am offiziellen Merchandising -Stand des italienischen Meister schüttelt entschuldigend den Kopf. Fabio, ein Rossoneri-Anhänger aus St.Gallen, muss also weiter frieren. Der berüchtigte Lombardei Nebel sorgt für kühles Januar Wetter in Norditalien.

Die Eltern von Fabio stammen aus Sizilien, wie so viele Secondos unterstützt auch er einen Verein aus Norditalien. Der Reisecar aus der Ostschweiz brachte an diesem Tag einige Milanisti und Interisti mit Migrations Hintergrund in die Lombardei. Bereits im Bus wurden Gesänge auf den jeweiligen Lieblingsverein angestimmt, wobei die Rot-Schwarzen die Überhand behielten. Die AC Milan hat an diesem Sonntag Heimrecht.

Dick eingepackt warten die Zuschauer auf den Anpfiff des 190. Mailänder Derby. Die beiden Fankurven begrüssen die Mannschaften mit einer Choreografie. Dem spektakulären Auftritt der Gästefans in der Curva Nord zollen gar einige Milan Tifosi ihren Respekt. Die beiden Teams aus der „Mode-Stadt“ zeigen danach eine engagierte Leistung. Leider entwickeln sich nur wenig Torchancen. Die Stimmung ist den Offensiv Aktionen entsprechend eher entäuschend. Vielleicht liegt dies aber auch an der Einführung des „Tessera del tifoso“. Der umstrittene Fanausweis schwächt die lebendige italienischen Fankultur merklich. Die Gewalt ging gemäss Statistik des italienischen Innenministerium zurück. Der Erwerb des Ausweis bringt aber einen grossen bürokratischen Aufwand mit sich. Da überlegt ein „normaler“ Familienvater zweimal, ob er das Spiel im Stadion, oder im TV sehen möchte. Die Regierung führte mit aller Konsequenz den "gläsernen Fan" ein. Die Folge sind weniger Zuschauer und ein Nachlassen der Stimmung. Die beiden Ultra-Szenen überzeugen am heutigen Tag also weniger mit langen, einstudierten Gesängen, sondern mit unzähligen Transparenten. Der einen Seite wurde u.a. eine „Facebook Mentalität“ vorgeworfen, während sich die Gegenpartei als „das einzig wahre Mailand“ betitelt.

Diego Milito sorgt schliesslich für die Entscheidung. Der Argentinier erzielt den einzigen Treffer dieser Partie. Inter gewinnt und die Mehrzahl der Zuschauer verlässt enttäuscht das Stadion. Die Stimmung im Car ist dann auch eher gedrückt. Einzig ein Inter Fan singt davon, dass er von den Milan Anhänger gar nichts mehr höre. Ein Rossoneri Fan entgegnet heiser „Forza Milan“ und schläft weiter. Seine Stimmte deutet darauf hin, dass er auch während des Spiels gesungen hat. Vielleicht trank er auch fünf Borghetti, wer weiss…

Freitag, Dezember 23, 2011

Eine (fast) perfekte Saison.

"Der Lauf startet in Bregenz. Angenehme Temperaturen herrschen an diesem Samstag im März. Die schnellsten Läufer aus dem Vorarlberg sind am Start, aber auch Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz. 32 Kilometer, den Bregenzerwald hoch bis nach Lingenau, 795 Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Schnell integriere ich mich in der Spitzengruppe. Vorbei an kleinen Dörfern, entlang an kaum befahrenen Strassen. Alle paar Kilometer muss ein Läufer der hohen Geschwindigkeit Tribut zollen und lässt sich zurückfallen. Das Feld der Führenden wird immer kleiner. Als wir nur noch zu Fünft sind, denke ich an einen Platz unter den ersten Drei. Bei Kilometer 28 ist es nur noch eine Vierergruppe und schon bald fällt ein weiterer Läufer zurück. Ich wage einen Angriff, instinktiv, mit Mut, mit guten Beinen. Ich erreiche einen Kilomter Schnitt von 3.30min. Niemand kann mir Folgen. Vor mir nur das Spitzenfahrzeug. Ich gewinne mein erstes Rennen. Meine Familie empfängt mich am Ziel. Ein wunderschöner, unvergesslicher Moment."

Hatte das Jahr 2010 mit dem traumhaften London Marathon und dem Podestplatz (M30) beim Arlberg-Montafon Marathon schon einige Höhepunkte parat, sollte das folgende Jahr für mich noch besser werden. Da ich sozusagen nie eine Laufpause einlege konnte ich meine gute Form nahtlos ins neue Jahr mitnehmen. Die stark besetzte Crosslauf Serie in Lustenau verschaffte mir im Winter eine Tempohärte. Die mehreren Top-Platzierungen beim Laufcup steigerten zudem mein Selbstvertrauen. Die ersten Lorbeeren durfte ich beim Halbmarathon in Oberriet ernten. Ich konnte eine neue persönliche Bestzeit von 1h 16min erzielen. Danach sollte der erste Saisonhöhepunkt folgen. Der Linz Marathon in Niederösterreich. Eine Zeit zwischen 2h 40min-2h 45min war mein Ziel. Lag ich bei Rennhälfte noch auf Kurs für diese Endmarke, reichte es schliesslich "nur" zur neuen persönlichen Bestzeit von 2h47min. Im letzen Teil des Rennens durchlief ich eine Krise. Der Gegenwind und schwere Beine machten mir zu schaffen (lag es am schnellen Halbmarathon zwei Wochen zuvor?). Trotz allem begeisterten mich, einmal mehr, die netten Helfer und Zuschauer in Österreich. Schliesslich geht es ja nicht nur um Tempobolzerei. Ein gutes Essen am Vorabend des Marathon, ein feines Getränk nach dem Lauf, nette Gespräche mit anderen Leuten, neue oder bereits bekannte Städte laufend erleben. All dies gehört für mich zu einer Marathon Reise dazu.


Nach dem Rennen in Linz stand ein wahrer Klassiker an, die 20km de Lausanne galt es zu absolvieren. Ein Laufperle mit einem fantastischen Publikum. Die 20 Kilometer mit den vielen Steigungen in der Lausanner Altstadt haben es durchaus in sich. Mit dem 29. Rang unter 2847 Teilnehmern und dem 14. Rang in meiner Altersklasse war ich bei diesem stark besetzten Teilnehmerfeld überaus zufrieden. Nun stand die Berglauf Saison an. Nach dem "Gehetze" im Frühling freute ich mich nun auf neue Herausforderungen.

Die einzelnen Etappen des Rheintal-Walgau Berglaufcup und die Kreuzegg Classic bildeten meine Vorbereitung auf den LGT Alpin Marathon in Liechtenstein. Da ich überall persönliche Bestzeiten aufstellen konnte ging ich mit einem guten Gefühl an den Start des Berg-Marathon im Ländle. Ich erreichte einen Top Ten Platz und erlebte meinen zweiten Traumlauf der Saison. Schon 14 Tage später wartete der nächste Höhepunkt. Ich durfte anlässlich des Muttersberglauf den dritten Gesamtrang beim Rheintal-Walgau Berglaufcup feiern. Eine Flasche Grappa als „Preisgeld“ und eine grosse innere Zufriedenheit waren der Lohn dafür. Zusammen mit den Schwiegereltern und meiner Familie verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag in einer Berghütte oberhalb von Bludenz. Das war auch so ein unvergesslicher Moment im Laufjahr 2011.

Beim Hundwilerhöhelauf kurz vor den Sommerferien lief ich mit schweren Beinen auf den dritten Gesamtrang und gewann die Hauptklasse auf der Strecke Herisau-Hundwilerhöhe. Müde Beine und ein müder Kopf waren nun aber froh, um die erste Wettkampfpause der Saison. Nach dem Urlaub am Gardasee, wo ich meine Trainingsrunden in einem herrlichen Naturpark drehte, hiess mein nächstes Ziel Davos. Nach dem letztjährigen 78 Kilometer Ultra-Lauf sollten es dieses Jahr die 21 Kilometer von Klosters nach Davos sein. Der Lauf glückte mir nicht wunschgemäss. Ein Hungergefühl plagte mich bis zu Rennhälfte. Ich hatte mich wohl am Vormittag nicht ideal verpflegt, auch nach bald 10 Jahren Wettkampferfahrung lernt man nicht aus. Trotzdem reichte es auch bei diesem Lauf für den 2.Rang in meiner Altersklasse.

Nun kam der Lauf, mit dem ich seit dem Überqueren der Ziellinie eine Rechnung offen habe. Der Berglauf Klassiker Sierre-Zinal hat es in sich. Die extrem steilen ersten Kilometer schocken einen erstmaligen Teilnehmer. Selbst das Höhenprofil auf der Homepage kann einen Bergläufer nicht auf diese Qualen vorbereiten. Das erste Mal seit Jahren fühlte ich mich im Ziel körperlich am Ende, dies war nicht mal nach dem Ultra Marathon in Davos der Fall. Sierre-Zinal ich komme wieder!

Der Rütilauf, Etappenort des Züri Laufcup, bildete im September den Start zu meiner Herbsaison. Heisse Temperaturen, selbst im Wald sorgten für grosses Schwitzen und ich lief eine gute Zeit. Der Brunnen im Ziel entlohnte die Teilnehmer für die Strapazen. Meine Kinder freuten sich über den Ballonwettbewerb des Hauptsponsor. Später litt ich während des schlechten Gastspiel des FC Gossau in Rapperswil mehr, als während des Hitze-Lauf.

Mitte September startete ich beim Greifenseelauf. Fast alle, die irgendetwas mit Laufen am Hut haben, finden sich in Uster ein, vom übergewichtigen Gelegenheits-Jogger bis zu Viktor Röthlin. Wieso ich das auch noch Jahr für Jahr mache, kann ich mir auch nicht erklären? Ein mühsames Geschupfe und Gedränge am Start, eine Strecke dir mir nicht wirklich gefällt. Dazu meistens warme Temperaturen aufgrund der Startzeit am Nachmittag. Da kam es nicht überraschend, dass ich auch dieses Jahr die Zeit unter 1h 20min um eine Minute verfehlte. Trotzdem wäre es keine Überraschung, wenn man mich auch 2012 wieder auf der Startliste finden würde.

Nach dem Greifenseelauf kamen Zweifel an der Form, die ich aber zwei Wochen später wiederlegen konnte. Beim Halbmarathon anlässlich des 3-Länder Marathon in Lindau lief ich meinen dritten Traumlauf der Saison. Mit einer Zeit von 1h 17min erreichte ich den dritten Rang in meiner Alterskategorie. Im Ziel hatte ich zudem das Gefühl nicht wirklich ausgelaugt zu sein. Danach ging es zum Fischen, wobei sich dort der Erfolg nicht einstellen sollte. Zum Leidwesen meiner Tochter.
Eine Woche vor meinem grossen Herbst-Highlight lief ich dann beim Laufcup im Speicher ebenfalls wieder als Dritter über die Ziellinie.

Frankfurt Marathon! Zweitgrösster Marathon Lauf in Deutschland, eines der Teilnehmer stärksten Rennen in ganz Europa. Sehr akribisch bereitete ich mich auf dieses Abenteuer vor. Leider nervte ich damit manchmal meine Frau. Doch ich wollte nichts unversucht lassen, um endlich die Zeit unter 2h 45min zu erreichen. Da kann es entscheidend sein, ob es nun beim Mittagessen Pizza, oder eben doch besser Spaghetti gibt :-).
Die Stadt am Main hat den perfekten Marathon geliefert, besser kann man wohl so einen Anlass nicht organisieren. Trotz schnellem Kurs reichte es aber wieder "nur" zur neuen persönlichen Bestzeit. Nochmals 40 Sekunden schneller als in Linz. Der Einbruch kam wie in Linz zwischen Kilometer 34 und 37. Hier vergab ich mein Zeitziel. Wenn es in dieser Saison eine wirkliche Enttäuschung gab, war es das Verpassen dieser Marke. Trotzdem konnte ich meine Marathonbestzeit gegenüber dem Vorjahr um 5 Minuten verbessern. Darauf trank ich zufrieden ein "Äppelwoi" und freute mich auf die Zugfahrt zurück in die Schweiz.

Sozusagen als Schlusspunkt des Jahres kam der Frauenfelder Halbmarathon und damit auch ("Ole, Ole") der vierte Traumlauf der Saison. Das Ziel erreichte ich nach 1h14min27 Sekunden, ganz klare neue persönliche Bestzeit und der 11.Rang unter 841 Teilnehmern.
Eine Woche später, lief ich gesundheitlich bereits leicht angeschlagen, auf den dritten Rang beim Laufcup in Henau. Mein Husten machte mir nach dem Lauf Sorgen, völlig zu Recht wie sich herausstellen sollte.

Der Weihnachtslauf, mein Heimrennen, fand dieses Jahr nämlich ohne mich statt. Das erste Mal seit drei Jahren litt ich an einer Grippe. Sportlich hatte ich für diesen Lauf keine grossen Ziele, da die Streckenlänge nicht meinen Stärken entgegenkommt. Trotzdem war es Schade, diesen Lauf das erste Mal seit 10 Jahren zu verpassen.

Eine schöne Überraschung hatte der Dezember trotz der gesundheitlichen Probleme doch noch parat. Ich wurde für die Wahl zum Gossauer Sportler des Jahres nominiert. Eine Nomination, die mich unheimlich freut. Mein Wohnort liegt mir sehr am Herzen. Ich engagiere mich politisch in Gossau, bin Anhänger des lokalen Fussballvereins und lebe nun schon 25 Jahre hier. Ich freue mich sehr über die engagierte "Wahlwerbung" von Freunden, Familie, Bekannten und dem Laufverein.

Allgemein bin ich dankbar für die wertvollen Tipps von routinierten Laufkollegen, die harten Intervall-Trainigseinheiten mit meinem deutschen Trainigspartner, das Interesse und die motivierenden Worte von Familie, Freunden und Bekannten.
Vor 10 Jahren begann ich mit dem Laufen. Anfänglich mit Fussballtrikot, alten Hallenschuhen und sackschwacher Kondition. Ich war stolz auf mich, wenn ich 20 Minuten durchlaufen konnte. Im Jahr 2011 kann ich mir ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen.

"Niemand kann mir Folgen. Vor mir nur das Spitzenfahrzeug. Ich gewinne mein erstes Rennen. Meine Familie empfängt mich am Ziel. Ein wunderschöner, unvergesslicher Moment."