Donnerstag, November 13, 2008

25 Euro Strafe fürs Fahnen schwenken...

am heutigen Tag, gibts gleich zwei Blogs. Beide behandeln das Thema Zivilcourage. Es ist schön zu sehen, dass es noch Leute gibt, die sich nicht alles gefallen lassen.

Bald ist es 18 Monate her, seit ich das letzte Mal ein Spiel des FC Bayern München verfolgt habe. Vor gut 2 Jahren wäre es für mich noch undenkbar gewesen, mehrere Wochen ohne ein Spielbesuch des Münchner Vereins zu verbringen. Doch immer wiederkehrende Schikanen und Repressionen gegen Fans, durch die Polizei und auch durch die Vereinsführung, trieben mich immer mehr von meinem damaligen Lieblingsverein weg. Es war ein schleichender Prozess.

Jahrelang besass ich eine Dauerkarte in der Südkurve, und war fast in jedem Bundesliga Stadion, an einem Auswärtsspiel. Viel Geld ging drauf, für Europapokalfahrten in verschiedenste Länder. Diese Reisen werden für immer in meiner Erinnerung bleiben. Absolut unvergesslich das Champions League Finale in Mailand 2001.
Die Liebe endgültig zum Erlöschen brachte ein Schreiben des FC Bayern München, indem über 500 Fans unter anderem auch mir, die Dauerkarte entzogen wurde, aufgrund von Vorfällen rund um ein Auswärtsspiel, an dem ich und viele andere der "Abgestraften" nicht einmal anwesend waren.

Ich habe diese Distanzierung vom FC Bayern allerdings nie bereut. Gerade in den letzen Wochen nahm die Repression gegen Fussball Fans in München wieder neue, immer abstrusere Formen an, was folgender Textauszug mehr als verdeutlicht.

Nachdem es bei den vorherigen Spielen immer wieder zu Zwischenfällen gekommen war, unverbesserliche so genannte Fans schwenkten unerlaubterweise Fahnen, die die Länge von 1 m überschritten, nur durch ein beherztes Eingreifen der Polizeikräfte konnte Schlimmeres verhindert werden, intensivierten die Einsatzkräfte beim Spiel FC Bayern – Arminia Bielefeld nun ihre Bemühungen. Der Block der Problemfans wurde mit 30 zusätzlichen Kameras überwacht und 80 Zivile mischten sich unter die Fans. Durch diese Maßnahmen konnte verhindert werden, dass es zu weiterem illegalen Fahneschwenken kam

Während sich im restlichen Deutschland, die Situation in den Kurven betreffend Fanutensilien leicht verbessert hat, ist genau das Gegenteil in der bayrischen Hauptstadt eingetreten. Bei einem Spiel im Münchner Stadion wurde kürzlich ein Fan festgesetzt, und mit einer Busse von 25 Euro bestraft. Sein Vergehen? Die Fahne war zu lang....! Ein weiterer Anhänger bekam Tage später einen Brief, er sei per Videoüberwachung identifiziert worden, wie er eine zu grosse Fahne geschwenkt habe.

80 Zivil Polizisten im Block, Ordner die während des Spiels Fahnen "einsammeln", massive Video-Überwachung im Stadion.
Ich hatte schon vor 18 Monaten endgültig die Schnauze voll, und dachte damals die Spitze des Eisbergs in Sachen "Repression" sei in München erreicht. Dies war eine falsche Annahme...
Mein absoluter Respekt gilt deshalb den Leute, die immer noch kämpfen für eine freie Fankultur beim FC Bayern, und die sich trotz allem noch jedes Heimspiel "antun".


Münchner Ordner erbeutet Fahne, und lässt sich unter höhnischem Beifall der Fans feiern...ein Bild das symtomatisch für die momentane Situation der Fussballfans in München steht)
mehr Infos unter: http://www.schickeria-muenchen.de/

kämpferische Fans in der Innerschweiz

Wie in vielen anderen Schweizer Kantonen, wurde auch in Luzern vom Kantonsrat beschlossen, dem Konkordant über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen beizutreten. Dieses Gesetz erweist in mehrfacher Hinsicht einige Mängel, es lässt z.b. einschneidende Freiheitsbeschränkungen zu (Rayonverbot, Meldeauflagen, Polizeigewehrsam).

Die Fan Dachorganisation (USL) des FC Luzern hat es nun mit einer Unterschriftensammlung geschafft, dass dieses Refrendum vor das Stimmvolk kommt. Die Initianten legen im Übrigen wert darauf, dass sie nicht pauschal eine Diskussion um Gewaltakte bei Sportveranstaltungen ablehnen, nur ist man mit diesem Konkordant auf dem falschen Weg.

Ein politischer Einsatz der Innerschweizer Fussballfans der grossen Respekt verdient. Es ist wichtig gegen solche Willkür des Gesetzgebers vorzugehen. In der allgemeinen negativ Berichterstattung vieler Medien über Fussballfans, besteht die Gefahr, dass Dinge beschlossen werden, die völlig unverhältnismässig sind.

mehr Infos dazu hier
http://www.nein-zu-polizeiwillkuer.ch/

Dienstag, November 11, 2008

FC St.Gallen : FC Wil 0:0


NLB
NSSG
14'685 Zuschauer

Mein Arbeitgeber hat zwei Dauerkarten auf der Gegengerade des neuen St.Galler Stadions. Oberste Reihe, Sektor C4. Gute Plätze sind das. Die Sicht aufs Spielfeld ist hervorragend. Ausserdem sitzt man ziemlich genau der Loge von Edgar Oehler gegenüber. Der Wirtschaftsmogul ist die graue Eminenz beim FC St.Gallen, und manchmal wird man das Gefühl nicht los, er sei das auch in der ganzen Ostschweiz. Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmer sind hoch angesehene im Kanton St.Gallen. Der AFG Verwaltungsratspräsident wird daher auch zu jedem, mehr oder weniger belanglosem ,Thema um seine Meinung gebeten. Ob dies nun ein Statement, zur Wahl von Barak Obama, im St.Galler Tagblatt ist, oder eine Einschätzung zum Potential der aktuellen FC St.Gallen Mannschaft. Edi aus Balgach im Rheintal, muss überall für einen Kommentar bereit stehen.
Heute beim Derby steht Oehler direkt unter dem Buchstaben I seiner (PIATTI Küchen Werbung). Wie einst die römischen Kaiser mit einer Daumenbewegung, lässt er sein Volk heute einfach mit modernsten Mitteln wissen, wie es um seine Meinung bestellt ist. Eine gewisse Extravaganz lässt sich jedenfalls nicht von der Hand weisen, wenn er je nach Leistung der Heimmannschaft, die Loge in Grün (zufrieden) oder Rot (unzufrieden) aufleuchten lässt.

Gegen den FC Wil strahlt die Loge anfangs in der Farbe der Hoffnung, die St.Galler haben schliesslich die bisherige Saison bravurös bestritten. Wäre da nicht der blöde Sache, mit dem finanziellen Engpass, der auf die Stimmung drückt, würde es für die Espen momentan wirklich super laufen. Die Wiler Fans versuchen zwar mit einer 113% Wil Fahne auf die historische Niederlage vor 6 Jahren aufmerksam zu machen, doch gegen solche Dinge scheinen die St.Gallen Fans sowieso schon lange abgehärtet. Im Espenblock werden die Grün-Weissen jedenfalls heftig gefeiert und der verhasste Gegner leidenschaftlich verspottet. Mit einem Transparent weisen sie darauf hin, dass heute das erste Mal seit Jahren wieder mal ein grösserer Haufen Wil Fans beisammen ist.
Das Niveau der beiden defensivstarken Mannschaften bewegt sich schon nach einigen Minuten auf unverkennbaren NLB Niveau, ganz im Gegensatz zum Publikumsaufmarsch. 14'500 Leute, dass ist bei vielen anderen Vereinen in dieser Liga, das Total an verkauften Billetten Ende Saison. Die Gegengerade ist dementsprechend sehr gut gefüllt. Hier sitzen die St.Gallen Anhänger, die im Espenmoos noch gegenüber der Haupttribüne standen. Die Emotionen kochen merklich nicht mehr so hoch wie früher, jetzt wo jeder seinen bequemen Platz hat. Ab und an, kann der eine oder andere aber nicht mehr in sich halten, und der alte Espenmoos Geist fährt bei ihm ein. Da wird kurz in die Luft gesprungen, einige Flüche gegen den Schiedsrichter zum Besten gegeben und danach links oder rechts ein zustimmendes Nicken eingeholt. Doch dieser emotionaler Ausbruch ist nur von kurzer Dauer, schnell wird wieder Platz genommen, der Kollege hinten sieht ja nichts mehr.
Den Umzug ins Stadion haben auch einige Fan Orginale mitgemacht, die irgendwie nicht richtig hinein passen wollen, in diese neue moderne Stadionwelt. Der eine vor uns zum Beispiel, der alle fünf Minuten ein sinnfreies "Hoch die internationale Solidarität" zum Besten gibt. Doch für sein sozialistisches Liedgut kassiert er von den umsitzenden Zuschauern nur verständnislose Blicke. Ein anderer steigt im T-Shirt bei kühlen November Temperaturen die Treppen hoch und hinunter. Irgendwann kommt ein Ordner und weist ihm seinen Platz zu.

Ab der 32.Minute machen sich die ersten Leute schon zum Pausen Bier auf, zu präsent sind einigen Zuschauern wohl noch die chaotischen Verpfegungszustände von den ersten Saisonpartien. Ein älterer Herr bestellt eine Portion Pommes Frites. Eine junge Frau, die nebst den vielen Bestellungen auch mit einem ziemlich Akneproblem zu kämpfen hat, entschuldigt sich peinlich berührt, aber durchaus symphatisch, für die lange Wartezeit. Auf Pommes Frites waren sie einfach nicht vorbereitet….
Man hört Diskussionen "Wa s'Bier häd kei Alkohol?" Erschreckte Gesichter, nur allzu verständlich, wenn das Spiel so weiter geht, will man nicht vollkommen nüchtern in die 2.Hälfte starten. Die Gerüchte erweisen sich allerdings als falsch, was einige Leute wohl vom lebensmüden Sprung auf die angrenzende Autobahn abgehalten hat.

Die 2.Halbzeit beginnt. "Licht-Edi" stellt nun mal auf Rot um, das Spiel ist aber auch wirklich nichts Tolles. Das Publikum auf der Gegengerade verschwört sich mittlerweile gegen den einen oder anderen Spieler, auch das ein Überbleibsel aus den guten, alten Zeiten im Espenmoos. Vorallem Thomas Weller passt ihnen nicht "so ä frisur, und den so nen seich zäme spiele". Ein spöttisches "Nehmed dä Coiffeur endlich use!" schreit jemand Richtung Trainerbank. Doch auch die Auswechslung des "Haarkünstler" bringt nichts mehr, St.Gallen gibt die ersten Punkte im neuen Stadion ab.

Eine sonderbare Mischung aus Pfiffen und Fangesängen begleitet die Grün-Weissen in die Kabine. Die Espen Fans scheinen selbst nicht so recht zu wissen, was sie von diesem Unentschieden im Kantonsderby halten sollen. Oehler hat die letzen Minuten der Partie jedenfalls wieder auf Grün gestellt, er zumindest scheint mit dem einen Zähler zufrieden zu sein.

Draussen beim Bierstand vor der hochgestylten Matchbar läuft Baschi-Fussball Musik. Ein paar St.Gallen Fans mit grün-weiss bemalten Köpfen singen etwas von "Schwizer Meister". Ihr korpulenter Kollege steht ein wenig abseits und stützt sich schwerfällig und leicht schwankend gegen einen Stehtisch. Er scheint einen guten Wochenstart erwischt zu haben. Sein Kopf kann es mit dem Rot einer Tomate durchaus aufnehmen. Zumindest diese Farbe, wird auch der allgegenwärtige Mäzen des FC St.Gallen an diesem Abend nicht mehr ändern können….

Sonntag, November 09, 2008

Yverdon Sports : FC Gossau 1:1

NLB
1'300 Zuschauer (Gratis Eintritt)

Nach dem ganzen Trubel um das Derby gegen den FC St.Gallen, kehrte an diesem Sonntag wieder der ganz normale Ligaalltag beim FC Gossau ein. Es ging in die Westschweiz, wo die Fürstenländer meist gerne hinfahren, und nicht selten mit einem Erfolgserlebnis heimkehren. Man erinnere sich nur an die Aufstiege in Genf und Monthey, oder den legendären Cup Sieg gegen den FC Lausanne.

Ligaalltag bedeut auch, dass an diesem Tag wieder die üblichen paar Verdächtigen, und keine wirklichen Fanmassen mit dem Zug von Gossau nach Yverdon unterwegs waren. Persönlich stieg ich nicht beim Bahnhof "Stadt der Liebe" ein, sondern leicht gestresst, irgendwo zwischendurch. (wird langsam zur Gewohnheit diese Läufe vor den Gossau Spielen, aber tja gibt sicher ungesünderes…)
Die Fahrt verlief sonntäglich gemütlich, mit den üblichen Geschichten vom Samstag Abend, den einige in berüchtigten Raucher-Kneipen und andere mit merkwürdigen Fernsehfilmen verbrachten ("uf PRO 7 hani "Popp dich schlank" glueget"). Dazu gab es die üblichen Diskussionen über das bevorstehende Spiel. Meiner Ankündigung, dass auf der Vereinsseite von Yverdon Sports etwas von Gratis-Eintritt gegen den FC Gossau stand, wurde aufgrund meiner hervorragenden Französisch Kentnissen kaum glauben geschenkt.

Yverdon empfing uns dann mit ziemllich angenehmen Temperaturen, freundlichen Gesichtern, und welch Überraschung mit "Gratis Einlass".
Wir Gossauer sind schon Kult. Nachdem wir mit unseren Gastspielen in der Westschweiz, regelmässig die Minusrekorde in den welschen NLB Stadien unterbieten, versuchen die Vereine mittlerweile sogar mit kostenlosem Eintritt die Zuschauer ins Stadion zu locken. Das den derzeitigen Tabellendritten trotzdem nur, sehr gut geschätzte 1380 Zuschauer verfolgen wollten, kann aber ganz sicher nicht, mit der mangelnden Attraktivität des FC Gossau entschuldigt werden, sondern nur mit mangelnder Begeisterung in der Bevölkerung. Wenig Begeisterung vermochten dann auch die "Mini Raclette" Portionen im Stadion zu entfachen, die wirklich nur für den ganz, ganz kleinen Hunger reichten. Die Wein Preise waren dagegen spottbillig….ja ja die Welschen, ein lustiges Völkchen.

Den Gästeblock kannten wir auch noch vom letzten Mal, und genau wie damals waren die sanitären Anlagen sehr symphatisch. Auf Anfrage wo man denn Flüssigkeit ablassen könne, zeigten die Security Leute, wie selbsverständlich, hinter ein stillgelegtes Kassenhäuschen. Die weiblichen Mitreisenden wollten von dieser luxuriösen Variante allerdings keinen Gebrauch machen, und nahmen lieber einen kleinen Fussmarsch Richtung andere Stadionseite auf sich. Apropos weibliche Gossau Fans, eine von diesen, war völlig überzeugt, dass der FC Gossau hier und heute einen Punkt holen würde. Dies wurde von uns, anfangs als Zweckoptimismus abgetan, doch die Gossauer Mannschaft machte dort weiter, wo sie vor einer Woche aufgehört hatte. Kämpferisch und auch teilweise mit feinen Kombinationen war man dem Heimteam ebenbürtig. Wie von uns erhofft, nahm Yverdon Sports den FC Gossau zudem auf die leichte Schulter, doch aus einem munteren Tore schiessen "wer hat noch nicht? Wer will noch mal?" wurde für den Aufstiegskandidaten, aber so ganz und gar nichts. Hinten hielt Darko Damjanovic und die starke Verteidigung den Laden dicht, im Mittelfeld zauberte Vincenzo Zinna, und vorne sorgten Zaugg, Knöpfel, Klingler und Boumelaha immer wieder für Gefahr.
So ging es mit einem hochverdienten 0:0 in die Pause, und die Yverdon Supporter schauten schon nicht mehr so freundlich drein wie vor dem Spiel. Parallelen zum 0:0 von der letzen Saison, werden auch ihnen nicht entgangen sein. Nur im Gegensatz zum Spiel vom letzten März, tauchten die Gossauer ihrerseits am diesem Tag auch einige Male brandgefährlich vor dem gegnerischen Tor auf.
In der 62.Minute trauten wir, und wahrscheinlich auch die meisten Westschweizer, den Augen kaum. Nach einem wunderschönen Angriff, erzielte Oliver Boumelaha nämlich, den nicht unverdienten 1:0 Führungstreffer. Die Freude wurde nur dadurch getrübt, dass Geburtstagskind Thomas Knöpfel verletzt auf dem Rasen liegen blieb. Doch unser Captain ist ein cleveres Kerlchen, spielte er doch schon in der 52.Minute auf Zeit, und lies sich lange und ausgiebig behandeln, um nachher wieder wie ein junges Reh durch die gegnerische Abwehr zu tanzen. Die Geburtstagstorte hatte er sich jedenfalls nach dieser wundersamen Heilung, und seiner sehr guten Leistung mehr als verdient. Leider hat das Heimteam allerdings einen der besten NLB Spieler in seinen Reihen, und so nutzte der ehemalige GC Spieler Biscotte eine seiner wenigen Chancen eiskalt. Trotz dieses Rückschlags, blieben die Gossauer bis zum Schluss dem Siegtreffer näher, und mussten sich nach einem bravurösen Spiel, fast noch über den vergegebenen Sieg ärgern. Doch wer hätte vor diesem Spiel, so etwas ahnen können, die eine von unseren weiblichen Mitreisenden vielleicht, aber wer hätte sonst mit einem Punkt rechnen können?

Nichts wurde es für die Yverdon Fans aus dem fröhlichen NLB Nachmittag, es gab zwar Gratis Einlass und günstigen Wein, aber die erhofften vielen Tore ihrer Mannschaft blieben aus. Sie schauten auch nicht mehr so freundlich wie vor dem Spiel. Da hat ihnen der FC Gossau einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht, die Westschweiz liegt den Fürstenländer halt...wie konnten wir daran nur je zweifeln.

Learning Low Budget Teil III:

Gemeinde SBB Tageskarte: CHF 35.-
Gratis Eintritt in Yverdon: CHF 0.—


Donnerstag, November 06, 2008

selber Tabellenrang, selbe Liga, anderes Land (ein Vergleich)

(Derby gegen FC Lustenau)

(auswärts in Schwadorf (a.d.R:1320 Kilometer hin und zurück))

Gästeblog von Stephan
Auswärts mit Austria Lustenau in der zweiten Österreichischen Liga
Ich wurde gebeten, für diesen Blog, einen Bericht über das Auswärtsspiel in Salzburg zu schreiben. In Österreich ist der Verein bekannt, aber ist er es auch in der Schweiz? Bestimmt im angrenzenden Kanton St.Gallen. Lustenau ist regelmässig Testspielgegener vom FC St.Gallen, und in letzter Zeit auch vom FC Gossau.
Ich will euch deshalb kurz einen Überblick über den Verein geben:
1994 schaffte die Austria den Aufstieg aus der Regionalliga in die zweite Liga. Am 31. Mai 1997 reichte ein 1:1 in Steyr für den Aufstieg in die Bundesliga. In der Saison 97/98 als Lustenau nach einem Viertel der Saison auf Platz drei stand, kamen im Schnitt 10`000 Zuschauer zu den Heimspielen. Zuschauerrekord war beim Derby gegen SW Bregenz vor 14`500 Zuschauer (inkl. Zusatztribünen). Nach der dritten Saison in der Bundesliga stieg der Verein in die zweite Liga ab. International spielte Lustenau 1999 im UI-Cup gegen die Slowenische Mannschaft Rudar Velenje, gegen die sie auch gewannen. Zuhause schlug man Stade Rennes 1:0, schied dann aber im Rückspiel aus. Nächster Gegner wäre Juventus Turin gewesen.
Seit dem Abstieg aus der Bundesliga scheiterte Lustenau eigentlich immer knapp am Wiederaufstieg. In dieser Saison schaut es jedoch anders aus. Durch den Aufstieg von Mannschaften die durch Investoren gepusht werden, wird die österreichische Bundesliga für die Austria in Zukunft kein Thema mehr sein.
Lustenau spielt seit über zehn Jahren im Profifussball und hatte im Gegensatz zu fast allen anderen Vereinen noch nie finanzielle Probleme. In Lustenau wird ehrlich gewirtschaftet. Der ganze Kommerz bleibt hier aus. Es ist unglaublich was bei diesem Verein abgeht. Da ist die Nationalliga B in der Schweiz überhaupt kein Vergleich (St.Gallen mal ausgeklammert). Trotz einem miserablen Saisonstart kamen diese Saison im Schnitt immer noch 3000 Zuschauer zu den Heimspielen.
Mit Lustenau Auswärts zu fahren ist nicht ganz einfach, da immer am Dienstag oder am Freitag um 18 Uhr bzw. um 19 Uhrgespielt wird. Das "Topspiel" findet jeweils am Samstag statt. Meistens fahren wir mit der öbb. Aber glaubt mir, die öbb ist nicht mit der SBB zuvergleichen...Es ist äusserst mühsam, es gibt zwar gute Zugverbindungen in die grösseren Städte, da sich aber in der zweiten Liga wenig grosse Städte befinden, muss meistens improvisiert werden. Fahrten zwischen 6-10 Stunden pro Weg sind normal, aber es ging letzte Saison noch länger als Parndorf und Schwadorf in der Liga spielten, die zwischen Wien und Ungarn beheimatet sind.

Salzburg ist nebst dem Lokalrivalen und Innsbruck der nächstgelegene Gegner. Mit einem vollen 50er Bus fuhren wir vom Reichshofstadion über München nach Salzburg. Seit zwei Jahren hat es sich die Polizei zur Gewohnheit gemacht, uns bei den Auswärtsspielen zu begleiten. Den Sinn der Sache haben wir bis heute nicht verstanden. So verfolgten sie brav unseren Bus bis Salzburg. Die gute Stimmung im Bus konnten sie auch bei dieser Fahrt nicht nehmen.Ca. 20 Leute sind mit dem Auto angereist. Nach zwei Heimspielsiegen in Folge waren wir optimistisch gegen die Salzburg Juniors (2.Mannschaft des österreichischen Miliardärs Verein) ebenfalls zu punkten. Aber es kam, wie so typisch für diese Saison, anders. Nach 3 Minuten stand es bereits 1:0 für die Dosentruppe. Lustenau kämpfte zwar, aber es blieb bei diesem Spielstand. Insgesamt waren ca. 200 Leute im EM Stadion. So brauchte man nur laut zu Niesen um im ganzen Stadion gehört zu werden. Eine traurige Kulisse! Die Mannschaft verabschiedete sich zwar von uns, aber trotzdem waren wir natürlich sehr enttäuscht über dieses klägliche Scheitern. Ich zog mich nach Spielschluss direkt in den Bus zurück, zu gross war mein Anschiss über die Niederlage.
Nachdem aber alle andern wieder einstiegen, stieg gleich wieder die Partylaune :-) . Gegen 1.30 Uhr war ich wieder zuhause. Wieder wares eine super Busfahrt, mit super Leuten!

Vorschau:Nächstes Wochenende gastiert Admira Wacker Mödling im Reichshofstadion und am Dienstag gehts nach Innsbruck.
Das Lustenauer Derby findet am Freitag,21.11.08, statt.

Infos zum Verein und Fans findet ihr hier:
Vereinshymne von den Anti Heros: (Einfach das Lied "Gruen und Weiss" anklicken!)http://www.myspace.com/suburbandisaster

(Auswärts in Grödig, (a.d.R.680 Kilometer hin und zurück))

Mittwoch, November 05, 2008

nicht angepöbelte Schwestern...

Unter dem Titel "Rote Karte im Nebelspiel" erschien im St.Galler Tagblatt eine etwas andere Nachbetrachtung des Spiels FC Gossau : FC St.Gallen. Vorallem die beiden letzten Abschnitte des Berichts stiessen dabei einigen Fussballfans sauer auf.

(St.Galler Tagblatt vom 3.11.2008)
Immerhin verlief die mit Spannung erwartete und spannend verlaufene Partie friedlich. Zwar versuchten einzelne vom Bier benebelte Besucher die gegnerischen Anhänger mit halb- bis ganz doofen Sprüchen zu provozieren, aber mehr als gleich doofe Antworten waren bis eine Viertelstunde nach Schluss nicht auszumachen
Die Polizei markierte vom Stadion bis zum Bahnhof Präsenz. Auch die mitgeführten Hunde dürften dem einen oder andern angezeigt haben, dass seine unterkühlten Muskeln den Sprint gegen den deutschen Schäfer wohl verlieren würden. «Wir konnten den Match ohne angepöbelt zu werden verfolgen», gab es bei den in Gossau wohnhaften und eher für St. Gallen fanenden Schwestern Julia und Martina Wohlgensinger keinen Grund für Klagen. Dass St. Gallen die Partie gewann, nahm viel Dramatik aus der dritten Halbzeit.


Im restlichen Text wird ebenfalls von der dritten Halbzeit gesprochen. Allerdings werden dort vorallem Meinungen von verschiedenen Exponenten beider Vereine wieder gegeben. Das ist gut, und dabei hätte es auch bleiben sollen.
Man wird beim Lesen des Berichts nämlich das Gefühl nicht los, dass der Journalist im allgemeinen "Medien-Hype" um die Ausschreitungen durch Fussballfans, einfach zur allgemeinen Sicherheitslage noch etwas schreiben wollte, oder sich gar dazu verpflichtet sah. Eine Kentnis über die Fanszenen beider Vereine scheint allerdings nicht wirklich vorhanden zu sein.
Die Gossauer und St.Galler Fans sind sich nicht feindlich gesinnt, teilweise kennt man einander, und auch sonst ist da kein Konflikt vorhanden. Warum auch? Man spielte die letzten 15 Jahre nicht mehr gegeneinander, das Cupspiel vom letzen Jahr einmal ausgenommen. Während des Spiels kamen von beiden Fangruppen keine Gesänge gegen den Gegner, dies war symtomatisch für die friedliche Stimmung im Stadion.

Im Bericht wird geschrieben, dass teilweise halb-bis ganz doofe Sprüche zu hören waren. Na und, wo gibt es das nicht? Dies gehört zum Fussball, genauso wie Bier, das gemäss dem Journalist die Zuschauer benebelte, und die verbalen Ausrutscher erst auslöste. Ohne diese Dinge wären wir dann bei der sterilen, monotonen Atmosphäre die sich wohl kaum ein richtiger Fussballfan je wünschen wird. Weiter heisst es auch, dass die Präsenz der Polizei und ihrer Schäferhunde, den einen oder anderen wohl eingeschüchtert hätten. Diese Aussage dürfte einen eher Fussball unintressierten Leser zur Schlussfogerung verleiten, dass nur mit massiven Sicherheitsvorkehrungen ein gewaltloser Ablauf des Anlasses gewährleistet werden konnte. Das Zitieren der Aussage von den beiden Schwestern, die nicht angepöbelt wurden, scheint mir auch eher unnötig. Ich wüsste im besten Willen niemanden, aus dem eher übersichtlichen Kreis der regelmässigen Gossau Zuschauer, der zwei Frauen wegen ihrem "Fanen" für den FC SG anpöbeln würde.

Eins ist klar, durch die ganzen Schlagzeilen der letzten Wochen, sind "Herr und Frau Schweizer" interessiert an den Geschehnissen, rund um ein Fussballspiel. Mein Nachbar fragte mich am Sonntag Abend auch als erstes, ob es denn wirklich friedlich blieb am Spiel? Meiner Meinung nach sollte man dieses, durch die Medien extem aufgebauschte, Thema äusserst vorsichtig angehen, und gerade darum auch sensibel darüber schreiben. Es gibt einige Journalisten in der Schweiz, die sich auch innerhalb der Fanszenen auskennen, und auch sehr gut darüber schreiben. Wahrscheinlich hätten diese Personen einen Bericht über das "Rundherum" beim Derby ein wenig, oder grösstenteils anders formuliert. Es gibt nämlich so viele andere schöne Dinge rund um ein Fussballspiel, da ist es wirklich völlig überflüssig über nicht vorhandene Randale zu schreiben.

Sonntag, November 02, 2008

FC Gossau : FC St.Gallen 1:3

NLB
Gemeindesportplatz
3'000 (ausverkauft)

Die ganze Woche stand im Zeichen des grossen Ostschweizer Derby. Überall wurden Vergleiche gezogen zwischen dem Goliath aus der Kantonshautpstadt, und dem benachbarten David aus Gossau. Captain Thomas Knöpfel stellte gar im regionalen Fernsehen den Nassbereich der FC Gossau Kabine vor, und merkte humorig an "da isch jetzt nöd grad en Jacuzzi", um damit wohl auch den Unterschied zu den sanitären Möglichkeiten beim Gegner aufzuzeigen. Wenn dann auch noch die NZZ am Sonntag, das Spiel in einem Kommentar erwähnt, und meint, heute könnte wieder mal etwas legendäres passieren in der Ostschweiz, dann war man als FC G Anhänger gleichenteils beunruhigt, aber auch guter Hoffnung.

Das an diesem Tag nichts wie sonst ist bemerkte man spätestens, wenn man die Gossauer Bahnunterführung durchschritt, und die Treppe Richtung Sportplatz hochstieg. Breiträumig wurde da mit Gittern die Eingänge abgesperrt, und zu unser absoluten Verwunderung, meinten die Leute vom Sicherheitsdienst, dass die Gossau Fans heute im Gästeblock stehen würden. Dies erwies sich, aber relativ schnell als Fehlinformation und wir wurden wieder in die andere Richtung geschickt. Was uns im praktisch leeren Stadion noch ein paar Kommentare von St.Gallen Fans einbrockte "Du, er stönd im falsche Sektor hehe"….

Nichts war heute wie sonst, auch zwei provisorische Tribünen wurden im Hinblick auf das heutige Derby und das Cupspiel gegen YB aufgestellt. Dies, sehr zur unserer Freude, erwies sich der Platz hinter dem Tor, doch als ideal für unsere Fangruppe. Nach und nach, strömten für einmal die Massen ins kleine Gossauer Stadion.
Nichts war heute wie sonst, auch das Bier kostet 50 Rappen mehr, merkte der eine oder andere Zuschauer an. Ebenfalls nicht alltäglich war das Spiel für unseren Stadionsprecher, der in einem euphorischen Höhenflug, die Gästefans und das Heimpublikum zu einer "Welle" montivieren wollte. Doch, er musste schnell einsehen, dass es sich hier nicht um das Publikum der Schweizer Nationalmannschaft, sondern um ganz normale NLB Zuschauer handelt, und er brach die Übung erfolglos ab.

Nichts war heute wie sonst, "Ausverkauft" meldete der FC Gossau, doch die Mehrzahl der Zuschauer, war wohl auf Seiten des FC St.Gallen. Mit unserem Spruchband, "Ganz Gossau in Grün-Weiss?", warfen wir ein paar Minuten vor Spielbeginn, dann auch diese Frage auf. Um selbige, mit dem nächsten Transparent "NEIN, NICHT Ganz" und anschliessendem Einsatz unserer blau-weissen Fahnen zu beantworten.

Das hier der FC Gossau zeigen wollte wer Herr im Haus ist, wurde auf dem Feld schnell ersichtlich. Unter riesigem, frenetischen Jubel, schoss Aljia kurz nach Spielbeginn das 1:0 für die Gastgeber. Die darauf folgenden Jubelszenen, brachten Fansektor unerfahrene Personen, zu augenzwinkernden Aussagen wie "jetz hätti fascht angscht übercho vor eu". Leider bekam es der Gossauer Torschütze wenige Minuten später auch mit der Angst zu tun, als nämlich der Westschweizer Schiedsrichter in der Hosentasche einen Karton suchte. Nach dem Spiel meinte Aljia, er dachte er bekäme jetzt die gelbe Karte. Leider dachte der Spielleiter aber nicht das selbe, und zückte gleich mal die Rote Karte. Klar, der Ausgeschlossene gehört sicher zu den Spielern der härteren Gangart. Doch, wenn Alija für solche Fouls auf Höhe Mittellinie immer des Feldes verwiesen würde, hätter er wohl bis anhin nur halb soviel NLB Partien für den FC Gossau bestritten. Diverse unschöne Worte Richtung Schiedsrichter verliessen daraufhin die Münder der umstehenden Gossau Anhänger.
Der FC Gossau kämpfte liess sich allerdings nicht entmutigen, und kämpfte weiter, wie noch nie in dieser Saison. Trotzdem fiel noch vor der Pause der 1:1 Ausgleich. Als man sah wie viele Hände nach dem St.Galler Tor in die Höhe gingen, wurde einem das erste Mal so richtig bewusst, wie viele Espen Fans sich nach Gossau aufgemacht hatten. Philipp Züger hätte dann mit einem Weitschuss, fast noch für das schönste Tor aller Zeiten auf Gossauer Boden gesorgt….Leider aber nur fast.
Danach sorgte nur noch der Pausenpiff des, äusserst unglücklich agierenden, Schiedsrichters für Aufregung, notabene mitten in einer gefärchlichen Angriffsaktion des Heimteams. Das war etwa so, wie wenn einem im Restaurant der Dessert während des Verzehrs entrissen wird.

Nach der Pause begrüssten wir unsere Spieler mit dem Spruchband "Mit aller Kraft gegen die Übermacht" um sie auf die 2 Hälfte einzustimmen. Das so ein Hochhalten eines Spruchbands, in einem ausverkauften Stadion, nicht ganz einfach ist, zeigte die Tatsache, dass man fast jedem das Ganze noch schnell erklären musste. "Nein, es isch nünd gege St.Galle" und "Jo, es isch öpis für Gossau", dies zeigte wohl auch die Schwierigkeit für einige Zuschauer auf, die wohl bei jedem anderen Spiel zum FC SG gehalten hätten, oder sich teilweise ihrer Gefühle auch jetzt noch nicht richtig schlüssig waren.
Was danach folgte, war ein Sturmlauf der Gäste, dank dem grossartig reagierenden Darko Damjanovic blieb es aber bis 15 Minuten vor Schluss beim 1:1, ehe der Favorit doch noch zwei Treffer zum Sieg erzielte.

Kurze Zeit später pfiff der Schiedsrichter ab, und die Gäste hatten den nächsten Schritt zurück Richtung NLA hinter sich. Gossau dagegen, will nächste Saison noch in der NLB mitmischen, und wenn die Mannschaft immer diesen Einsatz und dieses Engagment zeigt wie bei diesem Derby, werden die Fürstenländer dieses Ziel auch erreichen. Der symphatische FC G Assistenztrainer Miro Caktas meinte nach dem Spiel, dass allerdings nicht jedes Spiel ein Derby sei, wo alle so überaus motiviert zu Werke gingen. Er lobte den Einsatz der Spieler, die mit 10 Mann gegen die St.Galler aufopferungsvoll kämpften "Wenn wir dann auch noch ein schönes Spiel zeigen könnten, würden die Spieler bei Real Madrid spielen, und nicht bei Gossau", meinte er.

Nichts war an diesem Sonntag wie sonst. Ausverkauft war der Sportplatz, richtig gute Fussballstimmung herrschte auf beiden Seiten und im ganzen Stadion.
Der FC Gossau hatte gar einen Fanshop aufgestellt, und ein Partyzelt in dem "Penalty Drinks" verkauft wurden, aber solange wir noch keinen "Jakuzzi" im Nassbereich haben, bleiben wir wohl der kleine, gemütliche, Nachbarverein des FC St.Gallen, und das ist auch gut so.


+/- zum Derby:

+++++endlich mal viele Gossauer mit blau-weissen Utensilien. Endlich einmal Farbe bekennend.
++++ endlich mal mehr als 6 Leute die mitsangen, kann aber noch viel, viel, viel besser und vorallem lauter werden…und das bitte nicht nur gegen den FC St.Gallen
+++ keine Anti-Gossau Gesänge der St.Galler, trotz hitzigem Spielverlauf
+++keine Anti-St.Gallen Gesänge der Gossauer, trotz hitzigem Spielverlauf
++Torjubel beim 1:0
+die provisorische Tribüne hinter dem Tor

- - - -Schirileistung